Muna Duzdar und das Kopftuch oder: Die perverse Debatte

18. Mai 2016

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Muna Dizdar
© Parlamentsdirektion / WILKE

Anfang April hatte Norbert Hofer verkündet, er möchte das Kopftuch im öffentlichen Raum verbieten, eine Ministerin mit Kopftuch würde er nicht angeloben: „Was jemand zu Hause macht, ist natürlich eine andere Sache." Wie nett, dass wir zuhause tragen dürfen, was wir wollen. Damals habe ich mich gefragt, wozu ein solcher Kommentar eigentlich notwendig war. „Geh bitte… Eine muslimische Ministerin in Österreich? Egal ob mit oder ohne Kopftuch: in Tausend Jahren nicht!“ dachte ich - und lag falsch, wie sich gestern zeigte.

Denn nun wird mit der Rechtsanwältin Muna Duzdar erstmals eine Muslimin Staatssekretärin und ein so hohes politisches Amt in der Republik bekleiden. Duzdar hat vor mehreren Jahren in einem Presse-Interview gesagt, dass sie zwar Muslimin aber „nicht religiös“ sei. Und das ist ihr gutes Recht, denn ihre Religion ist ihre Privatsache. Dennoch ist ihr Bekenntnis zur islamischen Religion und ihre Ernennung für viele Jugendliche in Österreich ermutigend und wichtig. Für Jugendliche, die in den Medien Menschen, die ihrer Religion angehören, ähnlich aussehen oder heißen hauptsächlich dann sehen, wenn es um Terror geht, stellt sie eine wichtige Identifikationsfigur dar. Denn: "representation matters!" Dies ist ein oft verwendetes Zitat für die Forderung nach mehr sichtbarer Diversität und Whoopie Goldberg erklärt anhand eines Beispiels aus ihrer Kindheit, warum positive Repräsentation wo wichtig ist.

Frei nach Shakespeare: „Kopftuch oder Nicht-Kopftuch, das ist hier die Frage!“

Während die Ernennung von Duzdar eine fruchtbare und wichtige Debatte um Partizipation und Integration lostreten könnte, geht es aber – dank der FPÖ – nur um das „Kopftuch“. Das ist an sich wirklich verwunderlich, weil Duzdar gar kein Kopftuch trägt (so wie viele andere Musliminnen auch nicht und so wie viele Menschen sich halt anziehen, wie sie wollen). Dennoch fühlt sich der Sprecher von Norbert Hofer bemüßigt zu phantasieren: "Aber wenn sie bei der Angelobung Kopftuch trägt, wird er sie nicht angeloben. Das ist ein Symbol für die Unterdrückung der Frau".

Um die Unterdrückung der Frauen geht es der FPÖ also! Nein, natürlich nicht, denn die FPÖ ist ja wahrlich kein Hort der Emanzipation. Im FPÖ-Parteiprogramm kommt das Wort „Frau/en“ insgesamt nur siebenmal vor. Sechsmal davon in einem Satz und in Kombination „Mann-Frau-Kind“ und damit nur als Mutter. Ein einziges Mal ist eine frauenpolitische Positionierung ohne die Mutterrolle drinnen und das ist, damit festgehalten wird, dass die FPÖ Frauenförderungsmaßnahmen als „Unrecht“ empfindet und ablehnt (FPÖ-Parteiprogramm, S. 8).  

Warum das alles pervers ist

Pervers kommt vom lateinischen Wort „perversus“, das „verkehrt“ oder „verdreht“ bedeutet. Als abnorm pervers empfinde ich die aktuelle Kopftuchdebatte, die der FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer losgetreten hat, weil sie mit der Realität von muslimischen Frauen nichts zu tun hat. Diese Debatte ist nichts als Spott und Häme für Frauen, die ein Kopftuch tragen und tagtäglich unter Rassismus, verbalen Attacken, Übergriffen und Diskriminierung leiden. Denn dokumentierte Vorfälle zeigen, dass islamfeindliche Übergriffe vor allem gegen sichtbar muslimische Frauen gerichtet sind. Wenn Norbert Hofer wirklich etwas gegen die Unterdrückung von Frauen tun will, soll er seine AnhängerInnen auffordern, auch muslimische Frauen wie Menschen zu behandeln,  aufhören gegen sie zu hetzen und ihre Sicherheit zu gefährden.

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