Muslimische Frauen tragen Kippa: Solidarität mit deutschen Juden

29. April 2018

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Muslimische Frauen tragen Kippa und solidarisieren sich mit deutschen Juden
Foto: Twitter-Screenshot @PopChassid

Kopftuchtragende Musliminnen schlossen sich diese Woche dem Kippa-Walk in Deutschland an, um gemeinsam gegen Antisemitismus zu demonstrieren. Am vergangenen Mittwoch nahmen Tausende in Berlin, Potsdam, Magdeburg und Köln an Demos und Solidaritätsbekundungen teil. In Solidarität mit ihren jüdischen Nachbarn fotografierten einige muslimische Frauen ihre Kippa über ihren Hijabs (Kopftücher).

Statistiken des deutschen Innenministeriums zeigen, dass im Jahr 2016 in Deutschland fast 1.500 antisemitische Anschläge verübt wurden. Die überwiegende Mehrheit dieser Anschläge - um genau zu sein: 1381 - wurde von Mitgliedern der europäischen Rechtsextremisten durchgeführt.  Erst am vergangenen Wochenende fand in Ostdeutschland eine große Versammlung von Neonazis statt. Die Teilnehmer trugen Trikots mit Slogans wie "Keepers of the Race", "Weiß ist meine Lieblingsfarbe" und "Adolf war der Beste".  Laut dem Bericht von TRT World, versammelten sich diese Personen um den Geburtstag Adolf Hitlers zu feiern. Außerdem hatte ein antisemitischer Provokateur in Berlin vor gut einer Woche zwei jüdische Männer angegriffen. Laut KURIER war auch dies der Anlass für die Demonstrationen mit Kippot, die am Mittwoch in ganz Deutschland stattgefunden haben.

Wie CNN berichtete, warnte am vorigen Tag der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, jüdische Männer davor, die traditionelle Kippa in großstädtischen Milieus öffentlich zu tragen. Nach diesen Kommentaren von Schuster schlossen sich Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen, darunter auch kopftuchtragende Muslimas, der Solidaritäsbekundungen an und trugen als Zeichen der Solidarität Kippas.  Die größte Veranstaltung war in Berlin anzutreffen.  Mehr als 2500 Menschen - Muslime, Christen, Atheisten und Juden – sollen am Event in Berlin teilgenommen haben.

Muslimische Frauen tragen Kippa und solidarisieren sich mit deutschen Juden
Foto: Twitter-Screenshot @PopChassid

In sozialen Medien waren viele von der unglaublichen Solidaritätsbewegung beeindruckt. In den Veranstaltungsbildern konnte man jüdische Kippot oder Tallit und muslimische Hijabs nebeneinander sehen. Unter dem Hashtag #strongertogether (übers.: „stärker zusammen“) kann man in Twitter viele Beiträge entdecken, die den „starken Zusammenhalt der Muslime und Juden“ erklären.

So wie Muslime in dieser Woche mit deutschen Juden gegen Antisemitismus standen, hatten amerikanische Juden nach Trumps Reiseverbot sich solidarisch mit Muslimen gezeigt. Man bezeichnete dieses Reiseverbot von Trump als „ #MuslimBan “, da es für Bürger einiger überwiegend muslimischer Nationen auferlegt wurde. Mit der Wahl von Präsident Donald Trump hat das "Alt-Right" - ein vager Begriff, um eine Gruppe von Neo-Nazis bzw. die "weißen Verfechter / Rassisten" zu definieren - auch in den USA an Bedeutung gewonnen. Viele Rabbiner, Synagogen und einzelne amerikanische Juden haben sich damals den Protesten im ganzen amerikanischen Land angeschlossen und waren solidarisch mit der muslimischen Gemeinschaft. Ein Foto von muslimischen und jüdischen Vätern, die bei einer Demonstration gegen das Reiseverbot ihre jeweiligen Kinder auf ihren Schultern hielten, wurde zu einem der ikonenhaftesten Bilder der Opposition gegen Trumps Verbotsbefehl. In diesen Zeiten war besonders die Organsation "Jewish Voice for Peace" aktiv.

 

Muslimische Amerikaner haben ihre Unterstützung für jüdische Amerikaner auch mehrfach gezeigt. Als Beispiel dafür kann man dieses Geschehnis nehmen: Nachdem ein historisch-jüdischer Friedhof in Missouri randaliert und 170 Grabsteine ​​zerstört worden waren, kamen Muslime zusammen, um über eine Crowdfunding-Site Spenden zu sammeln. In weniger als zwei Stunden wurden damals mehr als 20.000 Dollar-Spende zusammengestellt, um die Restaurierungskosten zu übernehmen. Insgesamt sammelte die Kampagne mehr als 160.000 US-Dollar. Außerdem hatte Keith Ellison, der erste Muslim, der jemals in den US-Kongress gewählt wurde, damals einen Brief an das Justizministerium geschickt, indem er eine Untersuchung über die Schändung des jüdischen Friedhofs forderte und den Vorfall als Hassverbrechen bezeichnete.

 

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