Frauen ohne Kopftuch im Iran.

20. Mai 2016

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Screenshot: Facebook Masih Alinejad

Masih Alinejad sitzt in ihrem Auto. Die Sonne scheint, es ist heiß. Sie lächelt glücklich. Ihre Haare sind zu sehen. Sie macht ein Foto von sich und postet es auf Facebook. In jedem Fall wäre es normal. Doch sie ist in Teheran, der Hauptstadt vom Iran. Mit dieser Aktion lehnt sie sich gegen das Regime auf. Und löst damit eine Bewegung aus.

Sie lehnen sich auf

Frauen am Strand. Frauen in Blumenfeldern. Frauen auf Bergen, in Wäldern und sogar vor dem Azadi-Turm, dem Wahrzeichen Teherans. Sie alle nehmen ihr Kopftuch ab. Sie alle genießen einen Moment der Freiheit. Eine Freiheit, sich zu entscheiden. Gegen den Hijab, die Verhüllung, die ihnen aufgezwungen wurde. Doch diese Freiheit währt nur wenige Sekunden. Und wird heimlich genossen. Denn wer sich nicht an das System hält, wird betraft und kann ins Gefängnis kommen. Doch das ist diesen Frauen egal.

 

Meine heimliche Freiheit

Zu ihrem geposteten Bild schrieb die preisgekrönte iranische Journalistin jedoch, dass viele nicht nur wegen  der Sittenpolizei des Landes, sondern auch aus Rücksicht auf die Familie ihr Kopftuch tragen. Oder weil sie Angst haben, ihren Job zu verlieren oder von anderen verurteilt zu werden. Sie meinte, dass auch andere Frauen, die nicht an den aufgezwungenen Hijab glauben, auch Momente heimlicher Freiheit genossen hätten. Und ob diese Frauen sie nicht mit ihr teilen wollen. Was darauf passierte, ist unglaublich. Eine Flut an Fotos von iranischen Frauen, auf welchen sie unverhüllt zu sehen sind, kamen ins Internet. Wenig später gründete Masih Alinejad die Facebookseite ,,My stealthy freedom‘‘, auf Deutsch ,,Meine heimliche Freiheit‘‘. Eine Bewegung entsteht: Die Seite hat mittlerweile fast eine Million Likes.

Das Tanzen der Haare

Fast täglich werden Bilder von diesen Frauen ins Netz gestellt. Zusammen mit Botschaften, die sie in die Welt hinausschreien wollen. Hier sind ein paar Auszüge:

 

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Screenshot: Facebook My Stealthy Freedom

,,Für mich ist Freiheit das Tanzen meiner Haare..das Tanzen deiner Haare..Für mich ist Freiheit das Tanzen meiner Haare während du mir zusiehst.''

 

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Screenshot: Facebook My Stealthy Freedom

,,Ich werde mir selbst aussuchen, was ich tragen werde. Ich freue mich auf den Tag, an dem jeder Mann, jede Mutter und jeder Vater dieses Landes uns unterstützen und verteidigen bis wir anfangen, unser fundamentalstes Recht, nämlich das Recht uns zu kleiden wie wir wollen, zu genießen.''

 

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Screenshot: Facebook My Stealthy Freedom

,,Das bin ich. Ich habe vor nichts Angst. Ich bin ein Mädchen mit einer freien Seele.''

Es ist nicht gegen den Islam, es ist für die Freiheit

Es geht nicht darum, den Islam aus dem Iran zu verbannen. Oder das Kopftuch aus dem Iran zu verbannen. Alinejads Mutter trägt selbst ein Kopftuch, erklärt sie. Es geht um die Freiheit, zu entscheiden. Doch der Iran soll für beide da sein. Sich gegen ein Kopftuch zu entscheiden bedeutet nicht gleich, sich gegen den Islam zu entscheiden.

Ob sich etwas ändern wird, bleibt offen. Fakt ist, dass sich etwas rührt. Etwas brodelt in den Iranerinnen und es will hinaus, in die Freiheit. Und vielleicht muss irgendwann diese Freiheit nicht mehr heimlich genossen werden. #mynotsostealthyfreedom

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