“A nation that isn´t broken, but simply unfinished”.

21. Januar 2021

 

Die 22-jährige Dichterin Amanda Gorman hat bei der Inauguration von US-Präsident Joe Biden so ziemlich allen die Show gestohlen findet biber-Stipendiat Benjamin Jaffery:

Wer die Politik der letzten Tage mitverfolgen konnte weiß, dass die Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden friedlich verlief. In Anbetracht der vergangenen Wochen ein ziemlicher Erfolg. Viele Reden wurden gehalten, viele Wörter wurden gesagt. Doch es gab eine Rednerin, dessen Performance mir wohl noch eine Weile im Gedächtnis bleiben wird.

 

Mit 22 Jahren ein eigenes Gedicht auf der Amtseinführung eines US-Präsidenten aufsagen. Das klingt für viele nach einem Satz aus einer Fantasy-Geschichte. Doch für die Afro-Amerikanerin Amanda Gorman wurde dieses Szenario Realität. Die Kalifornierin konnte bereits einige Lyrikpreise gewinnen und gilt nun als die jüngste Dichterin bei einer Amtseinführung. Und auch wenn der gestrige Tag viele großartige Reden hervorbrachte, so bestand für kaum jemanden Zweifel, dass diese den meisten die Show stehlen wird.

But while democracy can be delayed, it can never be defeated.

Es ist klar, dass die letzten vier Jahre Trump einiges an Erde verbrannten und viele Menschen an den Grundfesten der Demokratie zweifeln ließen. Davon zurückgeblieben ist nun die Überzeugung, dass der Glaube der Menschen an dieses System sich nur schwer zerstören lässt. Die Wahlbeteiligung war größer als je zuvor, Millionen von Menschen mobilisierten sich, um für ihre Rechte kämpfen. Und man steht keineswegs am Ende, sondern am Anfang eines langen Kampfes. Was bleibt, ist der Glaube an die Freiheit und die Zukunft.

We will not march back but move to what shall be:
A country that is bruised but whole, fierce and free.

Vergangenheitsbewältigung ist ein schwieriges Kapitel für die USA. Sei es der Umgang mit Konföderierten-Statuen 1 oder die Darstellung der Geschichte in Schulen 2. Und es ist klar, dass Themen wie BLM mehr Aktionen erfordern als nur leere Lippenbekenntnisse. Das Gedicht sagte auch an einer Stelle: „Being American is more than a pride we inherit. It’s the past we step into."  Und das ist ein wichtiger Fakt, den alle Amerikaner verinnerlichen können. Doch nur weil die eigene Geschichte kaum Platz für Ruhm und Glanz lässt, heißt das nicht, dass man nicht nach vorne treten kann um ein Land zu verlassen, welches besser ist als das, welches man betrat.

Victory won’t lie in the blade, but in the bridges we make.

Die gesamte Biden-Administration wird wahrscheinlich unter zwei großen Überthemen stehen: Heilung und Vereinigung. Lange wurden tiefe Gräben der Spaltung gegraben, die es nun zu füllen gilt. Doch für eine vernünftige Zusammenarbeit müssen beide Seiten aufeinander zugehen. Und ob man Vernunft von Menschen, welche das Kaptiol stürmten, erwarten kann, erscheint schnell als naives Wunschdenken. Nichtsdestotrotz will ich mir meinen Optimismus bewahren und das Ende des Gedichts zitieren, dessen Worte nicht nur an die USA, sondern auch an die Menschheit als Ganzes sprechen:

"For there is always light,
if only we’re brave enough to see it.
If only we’re brave enough to be it."

Quellen:

1: https://www.youtube.com/watch?v=J5b_-TZwQ0I

2: https://www.youtube.com/watch?v=hsxukOPEdgg&t=449s

Die Rede in voller Länge: https://www.youtube.com/watch?v=Jp9pyMqnBzk

Und als Text zum Nachlesen: https://www.theguardian.com/us-news/2021/jan/20/amanda-gorman-poem-biden-inauguration-transcript

 

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