Ohne Worte

18. Juni 2018

Früher auf dem Schulhof gab es für mich nichts Spaßigeres, als mir gemeinsam mit Freundinnen eigene Geheimsprachen auszudenken: Sätze mussten dann rückwärts ausgesprochen, hinter jedem Selbstlaut ein „B“ eingefügt oder für jeden Buchstaben eine bestimmte Fingerkombinationen ausgeübt werden. Jetzt habe ich meine „Geheimsprachen-Skills“ auf das nächste Level gehoben und einen Gebärdensprachkurs in der Volkshochschule Wien besucht. Das Programm geht über sechs Einheiten für jeweils zwei Stunden und wir sind eine gemütliche Gruppe von circa zehn Leuten.

Wie ich auf diese Idee kam? Ich fand es ziemlich spannend, einen Blick in eine Welt zu werfen, von der man eigentlich viel zu wenig weiß. Klar sieht man ab und zu in der U-Bahn oder im Café Menschen, die sich über Gebärden  miteinander verständigen, doch − Hand aufs Herz − wie oft versucht man tatsächlich, diese Barriere abzubauen oder macht sich näher Gedanken darüber.  Wusstest du zum Beispiel, dass es in Österreich, der Schweiz und Deutschland keine einheitliche Gebärdensprache gibt? Und selbst innerhalb Österreichs gibt es zig verschiedene Arten, bestimmte Wörter mit den Händen auszudrücken. Semmel deutet man in der Steiermark beispielsweise mit dem Handrücken an, in Tirol bildet man eine Art Häufchen in der Handfläche und in Wien werden die Hände übereinander gelegt. Zum Glück spielen aber neben der Gebärde selbst auch der Gesichtsausdruck und die Bewegung des Mundes eine essentielle Rolle, was die komplexe Zeichensprache ein wenig erleichtert.

Trotzdem war ich während der ersten Stunden im VHS-Kurs zugegebenermaßen das ein oder andere Mal ein wenig überfordert, denn es gibt viele Wörter, deren Handbewegungen sich so ähnlich sind, dass man schnell durcheinander gerät. Dazu kommt die Geschwindigkeit, in der sich Menschen mit Hörbeeinträchtigung unterhalten − wie soll man da jemals mithalten? Andere Gebärden sind hingegen sehr logisch und nachvollziehbar − so, dass auch du und ich sie in unserem natürlichen Sprachgebrauch schon zur visuellen Ergänzung verwenden. Beispielsweise die typische Handbewegung fürs „trinken“, wenn es abends im Club zu laut ist und der Barkeeper dich nicht mehr versteht.

Am Ende des Kurses werde ich wohl keine perfekte Gebärdensprache beherrschen, denn das erfordert jahrelange, kontinuierliche Übung. Ich sehe ich es dennoch als große persönliche Bereicherung an, in Zukunft vielleicht doch ein bisschen „mitlesen“ zu können, wenn sich in der U-Bahn zwei Leute mit Hilfe ihrer Hände unterhalten. Und meine alten Freundinnen vom Schulhof sind sicherlich auch ziemlich beeindruckt von mir.

 

Ein Auszug aus dem, was ich im Gebärdensprachkurs bisher so gelernt habe:

Ich lese biber.

via GIPHY

 

Die Gebärde für Sebastian Kurz - mit Anspielung auf seine Ohren :)

via GIPHY

 

Bussi Baba.

via GIPHY

 

Wenn ihr Lust bekommen habt, das selbst mal auszuprobieren – die nächsten Gebärdensprachkurse an der VHS Wien starten am 22. Juni, 04. Juli oder 11. September.

Mehr Infos dazu gibt es hier.

 

Vielen Dank an die VHS Wien, dass ich den Gebärdensprachkurs besuchen durfte!

Blogkategorie: 

Das könnte dich auch interessieren

BLAB
Was Frau bewegt Zeig mir dein Insta-...
toto
„Die Leiden des jungen Todor“ Von...

Anmelden & Mitreden