Ramadan in der Schule: Ging das für mich gut?

05. Juni 2017

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Ramadan in der Schule: Ging das für mich gut?
Foto: Abdullah Bag

Tagsüber kein Essen und Trinken - Konnte ich so den Schulalltag fastend durchstehen? Muss man als fastender Schüler Probleme mit Schularbeiten oder Turnunterricht haben? In diesem Blog möchte ich über die Schulerfahrungen meiner damaligen Freunde und über meine persönlichen Schulerlebnisse berichten. Hier die Ramadan-Schulstories einiger Schüler aus mehreren Perpektiven!

Nach meinen Kindheitserinnerungen waren meine Ramadan-Zeiten meist fröhlich. Ich erinnere mich noch genau an die süßen Speisen beim Fastenbrechen und an die Geschenke vom Ramadanfest. Man lud sich gegenseitig zum Essen ein oder traf sich zum gemeinsamen Essen an verschiedenen Orten wie auch Moscheen. Es waren für mich unvergessliche schöne Gefühle. Seit dem ich denken kann, faste ich jährlich im Ramadan und ich habe schon in der Volksschule damit angefangen. Zu Beginn waren es keine ganzen Tage. Dann schaffte ich es sogar zwei Mal den ganzen Ramadan zu fasten. So ging es dann in meiner Gymnasium-Zeit auch weiter. Gott sei Dank, war ich ab meiner Geschlechtsreife immer in der Lage dafür. Meine Ramadan-Zeiten in den Schulen waren zumeist positiv, doch ich hatte von meinen Freunden damals auch mitbekommen, dass man auch schlechte Erfahrungen machen kann -Konflikte und Hindernisse

Je ne comprends pas

In der Volksschule habe ich über mein Fasten fast gar nicht erzählt, weil ich nicht genug Deutsch dafür konnte. Manchmal hat meine Lehrerin gefragt, ob ich faste. Wenn ich ihr da mit „Ja“ geantwortet hatte, fing sie an weiter über die Dinge zu fragen. Aufgrund meiner fehlenden Deutschkenntnisse konnte ich mich nicht genügend gut ausdrücken. Manchmal bot sie mir an etwas zu trinken und ich habe sie abgelehnt. Sie dachte wahrscheinlich, dass ich dazu gezwungen sein würde. Ich weiß noch immer nicht, ob sie mich verstand und ob sie wusste, warum ich faste. Doch ich wusste schon damals, wie ich mich von manchen Fragehürden retten kann. So habe ich später ihre Fragen, ob ich faste, manchmal auch mit „Nein“ beantwortet, damit sie mich ganz in Ruhe lässt. Über den Sinn des Fastens wusste ich noch nicht viel Bescheid. Es war für mich ein tolles Gefühl, als ich bemerkte, dass ich wie die Erwachsenen problemlos fasten konnte: „Jetzt bin ich endlich erwachsen!“ Ich habe es nie bereut und dass die Anderen neben mir Essen und Trinken, hatte mich schon damals überhaupt nicht gestört.

"Warum müsst ihr fasten? Ist das nicht schädlich?"

Erst ab der 5. Schulstufe kam es manchmal zu Konflikten. Es gab Lehrer, die mich zu Beginn des Fastenmonats gratuliert haben. Da fühlte ich mich anerkannt und wohl. Doch es gab auch welche, die mir einreden wollten, dass es gesundheitsschädlich sei. Diese machten mich dauernd auf die gesundheitlichen Aspekte aufmerksam und stellte mir Fragen wie „Warum müsst ihr in Ramadan fasten?“ Es kann sein, dass sie es eigentlich gut meinten, doch für mich war das nur nervend. Man redete über irgendwelche Belastungen, die in Wirklichkeit für mich nicht wirklich so zu spüren waren. So zweifelte ich daran, dass sie es gut für mich meinten. Ehrlich gesagt, wollte ich im Schulfach mehr über das Fach und nicht über Ramadan oder Politik reden. Ich hatte den großen Vorteil, dass mein Vater über Islam gut Bescheid wusste. Das ermöglichte mir, dass ich viel weniger Hindernisse hatte als die Anderen, denn ich wusste über die Regeln besser Bescheid. Zum Beispiel wollten manche meiner fastenden Freunde nicht in den Schwimmunterricht. Es ist aber nicht verboten während des Fastens zu schwimmen. Nur sollte man aufpassen, dass man nichts schluckt. Man geht aber ja nicht Schwimmen um Wasser zu schlucken. Viele der Probleme und Schwierigkeiten entstehen eigentlich aufgrund der  Unwissenheit der Schüler, Lehrer oder Eltern. Dazu könnte ich eine ganze Liste mit Beispielen machen.

„Du tust doch nur so, als würdest du fasten!“

Gott kennt die Grenzen des Menschen und weiß, wozu er in der Lage ist. Er will seine Geschöpfe bestimmt nicht in schwierige Lagen versetzen, sondern ER verlangt, dass man vorausschaut und seinen Tag plant. Als zurechnungsfähige Wesen sollten wir in der Lage sein, zu wissen, ob wir mit bestimmten Bedingungen fasten können oder es nicht aushalten können. Meine Lehrerin warnte uns vor den angeblichen Schwierigkeiten bei den Schularbeiten. Ehrlich gesagt, trank ich während den Schularbeiten außerhalb von Ramadan auch nicht wirklich etwas und es reicht ja dafür, dass man lernt. Man schafft die Schularbeit, wenn man dafür gelernt hat. Dass man während dem Ausfüllen etwas isst oder trinkt, spielt für den Erfolg keine große Rolle! Manche Lehrer wollten es wahrscheinlich nicht kapieren und zeigten sich besorgt. Amüsierend war es, wenn sie vorgeschlagen haben, heimlich etwas zu trinken oder zu essen. Sie wollten es einfach nicht glauben. Leider kann aber diese Botschaft, was sie damit vermitteln, auch negativ aufgenommen werden: Sie würden damit den Kindern sagen, dass ihre Religion problematisch oder sogar schädlich ist. Damit gibt man ihnen das Gefühl, dass sie den Kindern das Fasten nicht zutrauen: „Du tust doch nur so, als würdest du fasten!“ Autsch! Nicht gedacht?

Tagesplanung ist sehr wichtig

Der einzige Bereich, wo das Fasten für mich schwierig war, waren die Turnstunden. Doch selbst da schaffte ich es, ins Angenehme zu steuern. Ich habe gecheckt: „Es wird mir ja keiner eine Medaille geben, wenn ich jetzt beim Turnen meine ganze Kraft hineingebe. Da lauf ich halt langsamer“ So kam ich auch ausreichend gut ohne Wasser aus. Die körperliche Einstellungen und die Planung des Tages spielte eine große Rolle und erleichterte mir immer das Ziel. Es gehört ja auch zum Zweck des Fastens, dass man übt, seinen Tag zu planen. Natürlich ist es auch gut, wenn man von seinem Religionslehrer immer wieder Tipps und Tricks dafür holt. Falls es wirklich dazu kommen sollte, dass man wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht mehr weiter fasten kann, ist es ja auch nicht verboten das Fasten abzubrechen und an einem anderen Tag nach zu fasten. In so einem Fall hätte es auch nicht seinen eigentlichen Zweck gemacht und Gott wäre damit höchstwahrscheinlich nicht zufrieden.

Wie verhindert man Probleme? Rezepte?

Letztendlich gab es auch Lehrer die Respekt und Bewunderung zeigten. Sie fanden es gut, dass die Kinder etwas haben, was für sie wichtig ist. Genauso erreicht man auch bei den Schülern positive Punkte. „Es ist gut, was du tust. Schön, dass du etwas machen kannst, was ich nicht kann. Toll, dass du eine andere Vorstellung hast“  Mit diesen Aussagen erreicht man wirklich sehr viel Gutes. Man sollte sich aber auch bemühen, die fastenden Schüler nicht zu Exoten in der Klasse zu machen. Solange es nicht unfair gegenüber den anderen Schülern ist, kann man auch für die Fastende manchmal Rücksicht nehmen. Man könnte aus Toleranz und Respekt vielleicht einfach manche Termine verschieben. Dies gehört sicherlich auch zu den Werten unserer österreichischen Lehrkräfte. Natürlich dürfen muslimische Schüler nicht erwarten, dass für sie alles an Ramadan angepasst wird. Doch sowas hat auch keiner von uns jemals verlangt. Sonst wäre das Fasten auch keine Prüfung mehr und es hätte seinen Sinn auch weniger erfüllt. Eins sollte man immer im Auge behalten: Allah würde der Natur des Menschen sicher nicht widersprechen wollen.

Ramadan in der Schule: Ging das für mich gut?
Foto: Abdullah Bag

Im Großen und Ganzen war für mich der Ramadan, die Zeit, wo ich Gott immer näher kam. Ich finde es in aller Hinsicht sinnvoll, dass es die Zeit jährlich gibt. Ich fühle mich nach jedem Ramadan wie neu geboren und gesund und dafür danke ich den einzigartigen Schöpfer!

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