Schmerzhaft, peinlich, teuer - Wir müssen über die Menstruation reden

06. Juni 2019

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Viele Frauen leiden während ihrer Periode unter Bauchkrämpfen und Unterleibschmerzen. (c): Cecilia Tradowsky

Unterleibschmerzen, Krämpfe, Durchfall, Stimmungsschwankungen und Blutflecken in der Hose. Als wären all die Symptome und Unannehmlichkeiten nicht schon genug, werden wir auch noch dafür verurteilt. Die Menstruation ist noch immer ein Tabu-Thema und das ist einfach nur falsch. 

Schäm dich

Eigentlich hab ich nie verstanden, warum ich mich für meine Periode schämen sollte. Aber wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, erinnere ich mich an Momente, in denen ich Tampons in meinem Ärmel versteckt habe, um unbemerkt auf die Toilette zu schleichen. Absolutes Horroszenario: Die Periode setzte unerwartet ein und ich musste eine Freundin im Flüsterton nach einem Tampon oder einer Binde fragen, so leise, dass es ja kein anderer mitbekommt. Wenn ich einen Blutfleck auf dem Sessel hinterlassen habe, hat meine Sitznachbarin sofort eine Jacke darüber geworfen, um mich vor einer Blamage zu bewahren. Eh nett von ihr und ich möchte damit auch nicht sagen, dass die ganze Welt erfahren muss, zu welchem Zeitpunkt ich meine Tage habe. Doch genau durch diese ewige Heimlichtuerei wurde mir signalisiert: Deine Regel ist nichts, worüber du öffentlich sprechen darfst. Also habe ich das jahrelang brav so mitgemacht, bis ich es irgendwann nicht mehr eingesehen habe, mich für eine natürliche Funktion meines Körpers zu schämen. Von mir aus konnte nun die ganze Welt wissen, warum ich schlecht gelaunt bin und wegen starker Bauchkrämpfe immer wieder zusammenzucke. Irgendwie dachte ich dann rückblickend auch, dass es wohl im Teenielalter normal sei, sich für seine Periode zu schämen, weil einem da ja sowieso alles peinlich ist.

Die Angst vor dem Tampon

Doch ein Vorfall in meinem letzten Schuljahr belehrte mich eines Besseren. Ein Tampon kullerte mir aus der Tasche und lag wie auf dem Präsentierteller in der Mitte des Klassenraums. Ich war geschockt, als meine Klassenkameraden, überwiegend weiblich, alle mindestens 18 Jahre alt, deshalb ernsthaft zu tuscheln anfingen. Ich fühlte mich, als hätte ich ein lang gehütetes Geheimnis offenbart. Aber der wirkliche Knaller kam erst noch: Als mein Lehrer den Tampon erspähte, schnappte er sich in Windeseile das Klassenbuch, hielt sich damit die Augen zu und schrie angewidert: „Ohhh shit!“ Ich habe die Welt nicht mehr verstanden und kann auch bis heute nicht verstehen, warum sich erwachsene Menschen beim Anblick eines Tampons so aufführen. Immerhin menstruiert die Hälfte der Weltbevölkerung. Warum ist die Periode also immer noch so stigmatisiert?

Du bist so zickig, hast sicher deine Tage

Abgesehen davon, dass ich das Wort zickig sowieso abscheulich finde, gibt es wohl kaum Schlimmeres als wenn du von einem Mann gefragt wirst: „Warum bist du so zickig, hast du deine Tage?“ Dude, stell dir vor, ich kann auch unabhängig meines Zyklus schlecht gelaunt sein. Zum Beispiel wegen deiner dummen Kommentare. Aber steckt vielleicht doch was hinter dem Mythos der periodenbedingten Zicke?

Stimmungsschwankungen während der Periode sind nichts Ungewöhnliches, aber viele Frauen leiden auch schon davor. Das Prämenstruelle Syndrom tritt schon einige Tage vor der Periode auf und kann auch währenddessen noch anhalten. In dieser Zeit kämpfen betroffene Frauen mit Migräne, Kreislaufproblemen, Übelkeit, Erschöpfung, Müdigkeit, Heißhungerattacken oder Appetitlosigkeit. Hinzu kommen psychische Beschwerden die von Stimmungsschwankungen, über Aggression bis hin zu Depression reichen. Manche Frauen erleben diese Symptome so stark, dass sie ihren Alltagsanforderungen nicht mehr gerecht werden können und für einige Tage der Schule, der Uni oder Arbeit fern bleiben müssen. Wenn wir uns also schon vor dem Einsetzen unserer Periode im Bett verkriechen, grundlos weinen und Schokolade in uns hinein stopfen, dann machen wir das nicht zum Spaß. Wir bluten, wir leiden, wir wollen keine Sonderbehandlung, sondern einfach nur ein bisschen Rücksichtnahme.

Newsflash: Die Periode ist nicht ansteckend

Bei den meisten Männern stößt unser Gemütszustand auf Unverständnis. Einerseits, weil sie selbst nicht davon betroffen sind und es ihnen offenbar an Empathie fehlt. Anderseits, weil sie davon auch nichts wissen wollen. Manchmal kommt es mir so vor, als ob Männer befürchten, ein Gespräch über die Menstruation würde sie mit einer tödlichen Krankheit infizieren. Eine Schülerbefragung des Wiener Start-up Unternehmens Erdbeerwoche, das sich für die Enttabuisierung der Menstruation einsetzt, hat ergeben, dass 70 Prozent der Jungen das Thema Menstruation peinlich und unwichtig finden. Dennoch fühlen sich 88% der Jungs ausreichend über das Thema Menstruation informiert. Leider glauben trotzdem  53% von ihnen, Menstruation diene der Verhütung. Diese Unwissenheit ist aber nicht nur ein Phänomen unter sehr jungen Männern.

Es gibt also die Schweigsamen, die die einfach keine Ahnung haben und dann wären da noch die, die glauben, uns Frauen belehren zu müssen: „Reiß dich mal zusammen, „stell dich nicht so an, so schlimm kann es doch nicht sein“, hört frau dann oft von männlicher Seite. Aber genau so schlimm ist und ich wünsche mir nicht nur, sondern erwarte sogar Rücksicht. Wenn du dich als Mann nicht auskennst, informier dich. Wenn du den Frauen in deinem Umfeld das Gefühl gibst, dass sie sich nicht schämen müssen, mit dir über ihre Periode zu sprechen, dann wird dir deine Freundin, deine Schwester oder deine Arbeitskollegin bestimmt Einiges darüber erzählen.  Denn ich kann es der Männerwelt ja nicht mal verübeln, dass ihr keinen Plan habt, was es bedeutet, jeden Monat für einige Tage diese Qualen zu durchleben. Solange Menstruationsblut in Werbungen für Binden und Tampons in blauer Farbe dargestellt wird, solange Lehrer sich angewidert abwenden, wenn es um das Thema Menstruation geht, solange die Periode in allen Lebensbereichen noch immer stigmatisiert ist, müssen wir eben selbst dafür sorgen, dass endlich schambefreit darüber gesprochen wird. Also liebe Männer, hört zu und versucht zu verstehen.

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Eine Frau gibt ihn ihrem Leben bis zu 4500 Euro für Damenhygiene aus, so das Unternehmen Erdbeerwoche. Foto: Pixabay

Ich kann mir meine Periode nicht mehr leisten

Gesellschaftliche Stigmatisierung, körperliche Beschwerden und psychische Symptome, fehlt nur noch die finanzielle Ungleichheit von Frauen und Männern, die die Periode mit sich bringt. Als menstruierende Frau ist der Griff ins Geldbörserl jeden Monat tief. In Österreich sind Monatshygieneprodukte nämlich mit 20 Prozent versteuert. Bücher hingegen nur mit 10 Prozent. Das Unternehmen „Erdbeerwoche“ geht davon aus, dass eine Frau in Laufe ihres Lebens deshalb bis zu 4500 Euro wegen ihrer Periode ausgeben muss. Ich kann mir überlegen, ob ich Geld für ein Buch ausgeben möchte oder nicht, ob ich es mir leihe oder gebraucht kaufe. Einen Tampon gebraucht zu kaufen, wird eher schwer. Also bin ich gezwungen, jeden Monat hohe Summen für Damenhygiene auszugeben. Klar gibt es günstigere und vor allem nachhaltigere Alternativen wie die Menstruationstasse, aber selbst dann sprechen wir noch immer von Kosten, die Männer nicht haben und niemals haben werden. Also muss diese absurd hohe Steuer endlich abgeschafft werden. Meine Periode kommt jeden Monat, egal ob ich sie mir leisten kann, oder nicht.

 

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