Sei alles, nur keine Frau.

13. August 2015

Neulich habe ich in einer Frauenzeitschrift ein Interview mit der Autorin von „Wecke die Chefin in dir“ gelesen und es ist mir ziemlich sauer aufgestoßen. Warum? Weil frau den Eindruck vermittelt bekommt, dass sie alles sein kann, um erfolgreich zu sein, nur nicht eins: eine Frau. Und schon gar keine schöne.

Natürlich möchte die Autorin mit ihrem Buch Frauen ermutigen, keine Scheu vor Führungspositionen zu haben und sich von Männern nicht unterkriegen zu lassen. Man solle nach den Regeln der Männer spielen und sie quasi mit ihren eigenen Waffen schlagen oder sich zumindest ihre knallharten Taktiken abkupfern, um ganz nach oben zu kommen und ernst genommen zu werden. Ok, so weit so gut. Wir wissen ja mittlerweile alle, dass „weibliche Bescheidenheit“ in der Geschäftswelt eher unzweckmäßig ist und dass Frauen nicht auf Beförderungen und Gehaltserhöhungen warten dürfen, sondern danach verlangen müssen. So wie Männer es halt angeblich tun. Und es gibt auch durchaus sehr gute Tipps, um als Frau nicht heruntergespielt zu werden. 

Wer schön ist, hat schon verloren

Doch die bringen scheinbar alle nur etwas, wenn frau ein gewisses Attraktivitätslevel nicht übersteigt. Denn im Interview sagt Frau Meuselbach, dass schöne Frauen keine Chance haben. Tja, meine Hübschen, dumm gelaufen. Irgendwie passt das nur nicht mit den ganzen Studien zusammen, die besagen, dass schöne, schlanke Menschen im Durchschnitt mehr verdienen. Doch bei den folgenden Tipps konnte ich mich echt nicht mehr einkriegen:

"Locken Sie den Neandertaler im Mann nicht durch mädchenhafte Kleidung hervor!"

"Und zum Fluch der Schönheit: Bitte merken: Männer sind Neandertaler. Sie können manchmal einfach nicht anders."

Puhhh. Also prinzipiell sind Männer mal Neandertaler und wir müssen alles dafür tun diesen nicht zu provozieren. Got it. Es ist doch selbstverständlich, dass ich zu einem Geschäftstermin keine Hotpants und ein Tanktop mit Dekolleté anziehe, weil es einfach unprofessionell ist. No na. Aber den Neandertaler nicht hervorlocken? Erstens finde ich’s ja ziemlich heftig, dass Männer so schnell zu Neandertalern degradiert werden und zweitens, wenn sie welche sind, sollen sie sich verdammt noch mal zusammenreißen! Es ist gut möglich, dass die Autorin über eine Generation schreibt, wo alte Chefs ihren Sekretärinnen auf den Hintern geklatscht haben, aber die sterben ja hoffentlich langsam aus. Es ist jedoch wieder dieser Punkt, der mich so schrecklich irritiert „ja nicht den Mann provozieren“. Männer sind ja so doof und können ihre Triebe nicht kontrollieren. Deshalb müssen wir uns auf eine gewisse Art und Weise geben, damit sie sich nicht wie Gehirnamputierte verhalten.

#KarriereFRAU

Klar möchte ich nicht, dass meine Brüste und Beine für mich sprechen, sondern meine Arbeit. Aber wenn ich das nur in grauen, nicht taillierten Nadelstreifenanzügen machen kann und mir jede Sekunde Gedanken darüber machen muss, ja nicht zu weiblich zu sein, dann muss ich wohl leider drauf scheißen. Ich will nämlich gar nicht der billige Abklatsch eines Mannes sein, um ernst genommen zu werden. "Sei wie ein Mann, damit du so erfolgreich bist wie einer." Ich möchte aber nicht erfolgreich sein wie ein Mann. Ich möchte erfolgreich sein wie eine Frau.

Und zum Schluss eine Runde Applaus für all meine Kolleginnen, die sich tagtäglich in Rock, High Heels und Lippenstift durchsetzen und fette Kohle machen. Und an die, die das ungeschminkt, lächelnd und an ihren Haaren zwirbelnd tun. Und an sonst alle Frauen, die sich von ihrem Frausein nicht abhalten und unterbuttern lassen. Bleibt weiblich, es ist kein Fluch.

 

 

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