Social-Me-Ned-Da

30. August 2019

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Auge, Social Media
Gerd Altman auf Pixabay

Wenn Augenkontakt zur Seltenheit wird und nur mehr Siri zuhört, dann läuft doch definitiv etwas falsch.


Wien: Die U-Bahnen sind gefüllt von Menschen, die mit hängenden Köpfen auf die kleinen leuchtenden Bildschirme schauen. Auch beim Überqueren der Straße, wird der Blick oft nicht aufgerichtet.

Barcelona: Der Selfiestick ist der neue Wegbegleiter. Schöne Stadt, schönes Meer, aber viele scheinen dort zu sein, um zu fotografieren und online zu teilen.

Prag: Am Nebentisch im Restaurant sitzen Mutter und Sohn beim Abendendessen. Dabei handelt es sich nicht um eine schönes Familiendinner. Beide sind nämlich separat in Netflixfolgen vertieft und würdigen sich keines Blickes.

In allen Städten, fällt auf: Die Leute schauen sich nicht an. Sie reden teilweise nicht mal miteinander! Das merkt man nicht nur in diversen Öffis. Sogar auf Konzerten bevorzugt es die Mehrheit, Ed Sheeran durch die Handykamera zu betrachten, anstatt den Livemoment zu genießen.

Konzert, Smartphones
Gian Cescon auf Unsplash

U-Bahn Geist

Erst letztens, als ich mich in der U-Bahn zu drei Leuten dazusetzte und keiner von seinem Smartphone aufblickte, kam mir ein verrückter Gedanke: Würde es überhaupt irgendjemand merken, wenn ich in diesem Moment als Elefant verkleidet durch die U-Bahn laufe und dabei den Titelsong von Benjamin Blümchen singe? Meinen Gesang würden so Einige nicht mitbekommen, da ja fast jeder zweite seine Ohren zugestöpselt hat. Am ehesten würde ich wahrscheinlich der Oma im hinteren Teil des Wagons auffallen, denn auch das Baby im Kinderwagen neben mir surft auf YouTube. Und die Wenigen, die gerade nicht auf ihr Handy schauen, würden es wahrscheinlich spätestens dann auspacken, um eine Snapchatstory zu erstellen. „Weirdo in U-Bahn“ wäre dann wahrscheinlich der Text dazu.

Für ein Zeitalter, in dem man sich so schnell und einfach wie noch nie mit anderen connecten kann, ist die tatsächliche soziale Interaktion zwischen den Menschen also erstaunlich gering. Die „Sozialen“ Medien haben es so weit gebracht: Mit einem Klick weiß man nicht nur, was Freund X zum Frühstück gegessen hat, oder wie toll der Abendspaziergang vom Bekannten Y war. Sondern auch, wie die Schwester Z vom Mann einer ehemaligen Schulkameradin ihren Sonntag verbringt. Der Sitznachbar in der U-Bahn hat hingegen nicht mal ein Gesicht.

Versteckt hinter dem Profil

Hunderte Informationen aus dem Privatleben werden täglich gepostet, geteilt und geliked. Die Highlights der Woche werden in Storys präsentiert, kommentiert und im Bestfall wird man abonniert. Dieser Hype scheint zumindest derzeit bei einem Großteil der Menschen immer mehr in den Lebensmittelpunkt zu rücken. Ein tolles Event im Leben wird eher im Handyarchiv als im Kopf gespeichert.

Und so wächst das Social-Media-Profil täglich. Bestehend aus den süßesten Kirschen im Leben, die wir uns raussuchen, mit Filtern bearbeiten und dann veröffentlichen. Dadurch scheint es, als wäre das Leben aller 24/7 perfekt und als wäre die Welt vor Glück ganz high.     

Hashtags wie #beautifulday und #goodmood sind eine neue Art der Kommunikation geworden. Aber wer die Menschen hinter den Profilen wirklich sind, was also hinter den Fassaden steckt, was nach dem glücklichen Storymoment passiert, bleibt ein Geheimnis und geht in dem ganzen Trubel unter.

Ich will es nicht bestreiten. Die sozialen Medien sind toll. Und es ist sicherlich auch so, dass es durch sie leichter ist, mit Menschen in Kontakt zu bleiben. Aber wenn man nicht mehr weißt, wie irgendeine Person aussah, die heute im selben Ubahnwagon gesessen hat wie man selbst, man keine Person auf dem Weg in die Arbeit angelächelt hat und man unter jedem Umstand lieber Siri nach dem Weg fragt, als mit echten Menschen auf der Straße zu kommunizieren...Inwiefern kann man das dann noch ‚sozial sein‘ nennen?

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