Šta ima? Ein Blick nach Serbien während der Coronakrise

10. April 2020

Viele haben schon aufgehört die Tage der Selbstisolation zu zählen. Fest steht: Corona ist zum Alltag geworden und wird es auch eine Weile noch sein. In Serbien ebenfalls. Nur, dass dort zusätzlich viel strengere Maßnahmen herrschen und keine Rückholaktionen vom Außenministerium organisiert werden.

„Wenn Sie nach Hause wollen, bitte beeilen Sie sich“, sind die eindringlichen Worte von Außenminister Schallenberg. Zuerst wurden Massenabholungen organisiert und jetzt schaut sich das Außenministerium in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Botschaften sogar die individuellen Fälle an. Der serbische Präsident Vučić erinnert da eher an die böse Stiefmutter und findet weniger freundliche Worte. „Das wäre unser Ende“ sagt er, wenn alle Mitglieder der serbischen Diaspora nach Hause zurückkehren. Er ruft alle auf in den jeweiligen Staaten zu bleiben wo sie sind. Besonders jetzt, da Ostern vor der Türe steht.  Das Risiko Infektionen aus dem Ausland mitzubringen ist zu hoch. Viele qualifizierte Arbeitskräfte verlassen Serbien Richtung EU, Großbritannien oder Nordamerika. In der Hoffnung dort bessere Arbeitsbedingungen zu haben - dieses Phänomen heißt „Brain Drain“. Wenn diese „Brains“ nun wirklich zurückkämen, sind die Folgen für das wacklige Gesundheitsystem in Serbien schwer abschätzbar.

Anders als Kroatien und Slowenien, ist Serbien kein EU-Land. Das bedeutet für viele serbische Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, die beispielsweise in der Hotelbranche oder Fabriken arbeiten und keine Arbeit mehr haben, dass sie auch ihren Aufenthaltstitel in Österreich verlieren und eigentlich nach Serbien zurückmüssten.

Lokalaugenschein aus Čurug 

„Mein Mann wird jeden Tag angerufen von der Polizei. Sie kontrollieren ob er zuhause ist und er muss sich jeden Tag beim Arzt melden, ob er Fieber hat“ erzählt mir Mirjana. Ihr Mann war vor kurzem in Griechenland und muss 28 Tage lang in Heimquarantäne bleiben. Gemeinsam mit ihrer Familie wohnt Mirjana im kleinen Dorf Čurug in der Provinz Vojvodina, Serbien. 

Ein kurzer Blick in die Vergangenheit: Vučic hielt das Corona-Virus lange für übertrieben. Das war der Grundtenor im Land.  Bei einer Pressekonferenz Ende Februar erklärte der renommierte Arzt Dr. Branimir Nestorović den Corona Virus sogar als den „lächerlichsten in der Weltgeschichte“.  Knapp zwei Wochen später, am 15. März, wird in Serbien der Ausnahmezustand verhängt und die Rede ist von einem „unsichtbaren, heimtückischen Feind“ laut Vučić. Jetzt herrscht in Serbien eine Ausgangssperre von 17 bis 5 Uhr in der Früh und ständige Polizeipräsenz. Bei Missachtung drohen hohe Geldstrafen und sogar Freiheitsstrafen.  

„Viele Besitzer zahlen ihren Angestellten keinen Lohn, weil sie vergeblich darauf warten, dass die Regierung diesen Mindestlohn ausstellt“, klagt Mirjana. Mirjana selbst arbeitet in einem Lokal, das Essen ausliefert. Der Besitzer musste extra einen Antrag stellen, damit das Café während der Sperrstunde geöffnet haben kann. Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen müssen stets eine schriftliche Erlaubnis dabeihaben, ansonsten drohen ihnen Strafen. Ihren Mindestlohn von 250€ im Monat hat Mirjana immer noch nicht bekommen. Wie langsam die Uhren am Balkan ticken, wissen wir ja bekanntlich … 

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