Starke Stimmen: Kultur No Budget

21. Mai 2019

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Starke_Stimmen
Die Performance Auf_Begehren wird von 23. bis 25. Mai im Kosmos Theater aufgeführt (c) Lena Kuehleitner

Performance, Emotion und Interaktion: Der Theaterpädagogische Verein „Starke Stimmen“ hat alles zu bieten, außer „normales“ Theater. Katharina, Judith und Ulli redeten mit biber über Gendersensibilität, was Arbeiten ohne Budget heißt und ihr neues Projekt „Auf_Begehren.“

Dass eine ihrer Vorstellungen schon Wochen vorher ausverkauft ist, ist etwas ganz Außergewöhnliches. Über 250 Zusehende – das Publikum war noch nie so groß. „Starke Stimmen“ nennt sich der „theaterpädagogische Verein zur Umsetzung sozialkritischer Projekte“, der mit seinem neuen Projekt „Auf_Begehren“ im Kosmos Theater gastiert. Hier arbeitet jeder freiwillig, ein Budget gibt es nicht.

Der Name sei deswegen so kompliziert, weil auf dem ersten Blick erkennbar sein muss, was der Verein macht, erklärt Ulli. Sie ist das Organisationstalent der feministisch-künstlerischen Truppe. „Wir spielen also nicht selber Theater“, ergänzt ihre Kollegin Katharina, die für die kreative Gestaltung der Performances zuständig ist. „Wir bieten nur den Rahmen, in dem die Akteur_innen sich bewegen. Wir sind so zusagen die Prozessbegleitenden.“

Konkret funktioniert das so: Der Verein macht sich zuerst Gedanken über das grobe Thema. Danach werden interessierte Personen gesucht. „Wir versuchen bei unserer Einladungspolitik niemanden auszuschließen“, erklärt Judith, die Projekte ebenfalls künstlerisch begleitet. „Deswegen sind auch Laien herzlich willkommen.“ Allgemein versteht sich „Starke Stimmen“ als antirassistisch, antisexistisch, feministisch, nicht exkludierend und gendersensibel.

Starke Stimmen
Starke Stimmen begehren auf (c) Ulli Koch

Von Studierenden bis Ärzt_innen sind die Teilnehmenden bunt gemischt. Das Konzept zur Performance wird dann gemeinsam erarbeitet. „Die Entstehung des Stückes hängt auch immer davon ab, welche Talente und Eigenschaften die Leute mitbringen“, erzählt Katharina. „Die Menschen sollen den Prozess des Schaffens genießen, das fertige Produkt steht für uns nicht im Vordergrund.“

Klassische Theaterstücke wie die Dramen von Peter Turrini werden von „Starke Stimmen“ nicht inszeniert. Stattdessen werden Körperperformances, Stimmexperimente und Stationentheater aufgeführt - so wie beim aktuellen Stück. „Unser neues Projekt heißt Auf_Begehren und beschäftigt sich mit Protest und Widerstand“, so Judith. „Seit Jänner trainieren wir einmal die Woche für drei Stunden, an den Wochenenden wird außerdem geprobt.“ Zu viel vom Inhalt wollen die drei noch nicht verraten. „Was man aber sicher sagen kann, es ist stark bewegungsorientiert, mit interaktiven Elementen,“ erzählt Katharina vom Konzept. „Die Teilnehmenden des Projektes nehmen die Leute mit auf ihren Erforschungsprozess. Emotionen, Überraschungen und Brüche erwarten die Zusehenden. Man kann sich also auf das Geschehen einlassen“, ergänzt Ulli.

Starke Stimmen
Starke Stimmen begehren auf (c) Lena Kuehleitner

„Starke Stimmen“ gibt es nun schon seit 2016. Der Fünf-Personen-Verein arbeitet nicht Low-Budget, sondern No-Budget. Und das sei alles andere als einfach. „Weil wir auch mit Laien arbeiten, bekommen wir keine Kulturförderungen“, beschwert sich Ulli. „Für Auf_Begehren haben wir vom Bezirk netterweise 500 Euro Unterstützung bekommen, das wars aber.“ Wenn man alles selbst auf die Beine stellen muss, kommt es auch oft zu skurrilen Situationen. „Heute habe ich zum Beispiel mit einem Taxi eine Litfaßsäule transportiert“, erzählt Ulli lachend. „Eine der Teilnehmenden ist Lehrer_in und hat ihre Schüler überredet, uns eine Litfaßsäule zu basteln – das ist No Budget!“

Noch zur Info:

Auf_Begehren wird von 23. bis 25. Mai im Kosmos Theater unter dem Leitmotiv „Begehren“ aufgeführt. Das Kosmos Theater ist ein feministisches Haus, das weibliche* Stimmen und damit auch die Gender-Balance im Theaterbetrieb fördert. www.kosmostheater.at
Der Verein „Starke Stimmen“ gibt auch Workshops zum Thema Gendersensibilität. So sollen vor allem Kinder und Jugendliche, neben dem Schauspiel, schon früh ein Gespür für antidiskriminierende Umgangsformen erlernen. www.starke-stimmen.com

 

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