Süleyman, was weißt du über Simeona?

27. Oktober 2016

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Süleyman, was weißt du über Simeona?
Foto: Abdullah Bag

Man hört und liest immer wieder, dass Muslime oder Christen wenig über die jeweils andere Religion wissen. Es gibt von beiden Seiten einige Kritiker, die die Meinung vertreten, dass die „Anderen“ sich mit „unserer“ Religion gar nicht auskennen. Um zu erfahren, ob es stimmt, habe ich zwei Jugendliche befragt.

 

Wissen die Menschen wirklich zu wenig über das Glaubensbekenntnis ihrer Nachbarn? Die Jugendlichen repräsentieren ja unsere Zukunft. Deshalb habe ich spontan zwei verschiedene Teenager kontaktiert und die Fragestellungen ihnen beantworten lassen. Ihre Antworten auf die Fragen waren für mich staunenswert und beachtlich. Was können Süleyman und Simeona über die beiden Weltreligionen erzählen?

 

Simeona aus Bulgarien, bulgarisch-orthodoxe Christin, 23 Jahre: Nachdem ich verstärkt Deutschunterricht an der Schule hatte, habe ich die Möglichkeit wahrgenommen, an einer internationalen deutschsprachigen Universität zu studieren. Ich wohne schon seit vier Jahren in Wien und studiere Psychologie an der Hauptuniversität Wien. Ich weiß folgendes über den Islam: Er ist die zweite meistverbreitete Religion der Welt. Das wichtigste Buch im Islam ist der Koran. Es ist eine monotheistische Religion mit dem Gott „Allah“. Die Muslime glauben an Allah und seinem Propheten Muhammed. Sonst weiß ich noch, dass die Religion auf 5 Säulen beruht, die von den Gläubigen berücksichtigt werden sollen z.B.: dass man 5 Mal am Tag beten sollte und dass man die Bedürftigen unterstützen soll. Für das Gebet soll man sich so hinstellen, dass man in Richtung Mekka schaut. Beim Gebet kniet man auf einem kleinen Teppich und spricht die Gebete aus. Man kann nicht nur in der Moschee, sondern auch zu Hause oder irgendwo anders beten. An der Universität gibt es z.B. auch spezielle Gebetsräume. Die islamischen Regeln beim Fasten unterscheiden sich viel von den Regeln, die ich von uns kenne. Der genaue Anfang vom Ramadan ändert sich jedes Jahr. Der Monat endet mit dem Fest, wo man Freunden und Bekannten Süßigkeiten schenkt und in die Moschee geht. Ein Freund von mir, der aus Marokko kommt, hat mir auch über das Opferfest im September erzählt. Es soll der wichtigste Feiertag sein und ist verbunden mit der Geschichte von Abraham und Ismael, die ich aus der Bibel kenne. Dabei werden Tiere geopfert und das Fleisch wird an Bedürftige gespendet. Soweit ich selber beurteilen kann, kenne ich mich mit dem Islam einigermaßen aus, aber es gibt bestimmt viel mehr, was ich noch erfahren könnte. Alles, was ich über den Islam weiß, kenne ich von Bekannten oder weil ich mich selber aus Interesse informiert habe. Ich finde andere Kulturen und Religionen sehr spannend und bin immer offen mehr darüber zu erfahren. In der Schule kann man auch Einiges darüber lernen. Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, dass man auf verschiedene Quellen zugreift und nachfragt, wenn man etwas nicht versteht. Deshalb hab ich ein ganz anderes Bild als wie das, was man in den Medien so darüber sagt.

Süleyman, was weißt du über Simeona?
Foto: Abdullah Bag

Süleyman aus Türkei, Muslim, 21 Jahre: Ich studiere Architektur in TU Wien und bin derzeit Grundwehrdiener beim Heer. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Da ich mich gerade in meiner Dienstpause befinde, werde ich mich kurzfassen. Beim Wort „Christentum“ fallen mir folgende Bilder ein: Ringparabel, Kreuzzüge, Bibel, Papst und Luther. Die Christen glauben an einen Gott und Jesus, der die Welt erschuf und an die Texte in der Bibel. Sie beten, indem sie sich vor dem Kreuz niedersetzen. Sie zünden Kerzen an und bitten den Herren mit zusammengefalteten Händen um Gnade. Sie singen Lieder im Chor in der Kirche und der Priester zitiert Texte aus der Bibel. Beim Christentum besucht man die Friedhöfe zu Allerheiligen und kommt an Weihnachten mit der Familie zusammen. Sie singen auch vor dem Weihnachtsbaum. Im Weihnachten beschenken die Christen sich gegenseitig und wünschen sich im Silvester „frohes neues Jahr“. Zu Ostern fasten sie, wobei die Regeln anders als unsere Vorschriften sind. Soweit ich selber beurteilen kann, glaube ich nicht, dass ich über das Christentum genügend informiert bin. Doch ich weiß, dass mir so Einiges bekannt sind.

Süleyman, was weißt du über Simeona?
Foto: Abdullah Bag

Natürlich repräsentieren diese Interviews nicht alle Jugendliche in Wien. Aber sie geben den Einblick, dass es schon junge Leute gibt, die sich gut auskennen. Es ist schon möglich, dass viele Teenager heutzutage wirklich gut aufgeklärt bzw. interessiert sind. Der Dialog erleichtert das friedliche Zusammenleben und ist wichtig für das Kennenlernen. Ich bin mir sicher, dass sie dazu führen können, dass man viele Vorurteile abbaut. 

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