Tamam - jo passt eh!

12. Februar 2019

Coffee

Coffee
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Arabischer Kaffee wird typischerweise stark getrunken. So stark sollte auch der positive Austausch unterschhiedlicher Kulturen sein. Und die Angst davor umso schwächer.


Wenn Tahmineh* spricht, zieht sie die Aufmerksamkeit im Raum auf sich. Ihre Augen strahlen, ihre Mimik und Gestik sind nicht übertrieben, sondern unterstreichen ihre Worte. Das glaube ich zumindest. Denn ich verstehe eigentlich nichts von dem was sie gerade sagt. Bis auf das ein oder andere „tamam“ oder „shukran“ das ich mittlerweile deuten kann. Sie spricht Arabisch und wir befinden uns in der Zweizimmerwohnung ihrer Familie im Flüchtlingsheim in Wien Favoriten.
Tahmineh die mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern aus dem Irak geflohen ist, hat ihre Lebensfreude nie verloren. Und vor allem schafft sie es auch uns damit anzustecken.
Wir, das sind Naila und Samar – halb ägyptisch, halb österreichisch, Karim* aus Afghanistan und Ich, Johanna aus Tirol. So unterschiedlich unser Background auch sein kann, wir sitzen hier gemeinsam, trinken starken arabischen Kaffee und unterhalten uns in drei verschiedenen Sprachen.  Bis wir merken, dass uns das Menschsein halt am Ende doch mehr verbindet, als uns unterschiedliche Kulturen jemals trennen könnten.

Die Angst vor dem Fremden
Was als Besuch aus Interesse und Neugierde begann, hat sich schnell hochgeschaukelt – in einen Vormittag voller Emotionen und Zweifel an bisher unbemerkten Vorurteilen. Wenn das Thema Flüchtlingsheim in Österreich aufkommt, schwingen so oft negative Einstellungen mit. Die Angst vor dem Fremden ist präsent. Und es ist halt auch leichter sich hinter dieser Angst zu verstecken, als aus der Comfort Zone herauszutreten, einen Schritt ins Ungewisse zu wagen und sich ein eigenes Bild zu machen.

Wo man sich auskennt, fühlt man sich sicher. Das macht ja irgendwie auch Sinn. Aber wer nur das tut was er kennt, wird auch nie sein volles Potenzial ausschöpfen. Was auf ein Individuum bezogen schon Sinn macht, lässt sich natürlich auch auf die ganze Gesellschaft projezieren. Ein soziales Gefüge kann sich nur weiterentwickeln, wenn es neue Einflüsse zulässt.

Es sind die neuen, anderen Impressionen, die jede Kultur braucht um sich weiter zu entwickeln. Und um sich zu entfalten. Denn Kultur ist nicht statisch, sondern im Wandel. Sie wird durch neue Einflüsse geprägt, und dadurch meist positiv beeinflusst.
Wenn man durch den 10. Wiener Gemeindebezirk spaziert, zum Beispiel zwischen Kepler Platz und Reumannplatz, kann man diese Kulturvermischng direkt spüren. Die unterschiedlichsten Speisen werden angeboten, die unterschiedlichsten Geschäfte können besucht werden – Vielfalt in vollem Ausmaß.

Voneinander Lernen
Natürlich bringen unterschiedliche Kulturen auch unterschiedliche Werte mit. Dass das problematisch sein kann, will ich nicht leugnen. Aber anstatt sich auf die Angst vor dem Anderen zu konzentrieren und zu stagnieren, könnten wir doch endlich mal die positiven Seiten der Kulturenvielfalt hervorheben. Und die Tatsache, dass wir voneinander lernen können. Wir haben in unserer westlichen Welt Meilensteine in Themen wie Geschlechter-Gleichstellung und demokratischen Werten gelegt. Von anderen Kulturen können wir uns vor allem menschliche Werte abschauen.
Die uneingeschränkte Gastfreundschaft auch gegenüber Fremden, zum Beispiel. Offenheit und Zusammenhalt als Gegenpol zum Individualismus, der immer stärker zu spüren wird. Und das Teilen, obwohl man selbst nicht die Welt besitzt.

Nehmen wir das was in Tahminehs Küche funktioniert doch einfach als Anlass es auch im größeren Rahmen endlich zuzulassen. Sehen wir die Vielfalt endlich als das positive Phänomen, das sie ist.

 

*Namen von der Redaktion geändert

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