Und, bist du auch allein?

11. September 2015

Ich führe eine typische Konversation mit einem anderen Mädchen auf einer Homeparty. Nach dem üblichen „Und, was machst du so?“ , „Ah, cool in welchem Semester?“ „Ja, ich sollte auch mal fertigwerden, eigentlich sollte ich ja lernen, aber...“ – Smalltalk kommt von ihrer Seite plötzlich die Frage: „Und, bist du auch alleine?“  Ich blicke mich etwas verwirrt um, sehe meine Freunde in allen Ecken. Vielleicht meinte sie ja, ob ich alleine hier bin? Ich schaue wieder zu ihr und sage naiv : „Wie, alleine? Nein, ich kenne eigentlich die meisten hier.“

Was hat Single sein mit Alleinsein zu tun?

Dann die Erleuchtung. Sie erklärt mir lachend, dass sie wissen wollte, ob ich einen Freund habe. „Achso, nein, habe ich nicht.“, sage ich dann und sie entgegnet „Ja. Ich bin auch alleine.“ Am nächsten Tag habe ich dann über dieses Gespräch nachgedacht und ich bin immer noch zu keiner Erklärung gekommen: Was hat das mit diesem „alleine“ auf sich ? Was hat Single sein mit Alleinsein zu tun?

Wann fühlt man sich alleine?

Und wieso glauben so viele Leute, dass es so ist? Ich habe das irgendwie nie so empfunden. Ob man sich einsam und alleine fühlt, hat - finde ich - mehr damit zu tun, was man gerade durchmacht, wie es einem geht, was im Leben passiert. Natürlich sind die Menschen im Umfeld da auch ein großer Faktor, aber ist eine Beziehung da wirklich so ausschlaggebend?

Ich denke, es gibt sowohl Menschen in Beziehungen, die sich alleine fühlen oder nicht, als auch Menschen ohne Beziehung, die sich alleine fühlen - oder eben nicht. Aber wieso wird einem als Single dann, vor allem mit zunehmendem Alter, doch oft der „Alleine“-Stempel aufgedrückt?

Ich, Single, habe mich ehrlich gesagt zu kaum einem Zeitpunkt in meinem Leben wirklich alleine gefühlt. Außer in der Pubertät vielleicht, aber wer hat das nicht. Ich verstehe jedenfalls immer noch nicht, was der Beziehungsstatus damit zu tun hat? Vielleicht bin ich da auch schon „abgehärtet“, aber ich komme nicht wirklich zu einer zufriedenstellenden Antwort.

Ein Schicksal à la How I Met Your Mother?

Dass Alleinsein in dem eigentlichen Sinne auch etwas durchaus Positives sein kann, also einfach Zeit für sich selbst zu nehmen, wird doch wohl allen klar sein. Aber wieso hat diese Bezeichnung dann so einen negativen Klang? Vielleicht weil das Bild eines erwachsenen Singles, wie es oft in Serien und in der Popkultur dargestellt wird, eine auf der Couch gammelnde, Chips essende, Katzen streichelnde, triste Gestalt ist, die sich nach nichts Anderem als der großen Liebe sehnt, um endlich nichtmehr „alleine“ zu sein. Und dann, ich denke dabei an Ted in How I Met Your Mother, findet man diese große Liebe, ist megaglücklich, bis sie schlussmachen und dann verfällt man wieder in ein Loch. Und alles wieder von Anfang an.

Aber Alleinsein und Glücklichsein sind doch wieder zwei verschiedene Dinge, oder? Das eine schließt das andere ja nicht aus? Ich kenne mich nichtmehr aus. Bin ich jetzt  ganz verrückt? Zu jung, um es zu wissen? Seht ihr das so ähnlich, oder bin ich allein (haha) mit dieser Meinung?

 

 

 

 

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Kommentare

 

Menschen, die nicht "alleine" sein können, haben schlicht Angst vergessen zu werden. Kann auch an einem geringen Selbstwertgefühl liegen. Und sind die ersten, die deine Mails checken, Angst haben betrogen zu werden etc.

also, bleib lieber "allein"!

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