Und an was glaubst du?

23. Mai 2016

In Zeiten, in denen die Religion einer neuen Staatssekretärin wichtiger, als ihre Inhalte und Ideen zu sein scheint, erweckt es den Eindruck, es sei wichtig, zu wissen, woran man bei Glaubensfragen ist. Doch was ist, wenn man keine Religion hat?

Ich bin O.B. Nein, ich bin kein Tampon, an alle Scherzkekse da draußen, ich habe einfach kein religiöses Bekenntnis. Meine Eltern trafen bei meiner Geburt eine meiner Meinung nach sehr intelligente Enscheidung: Sie ließen mich konfessionslos. Natürlich war das für mich manchmal ein Problem, doch bin ich allgemein sehr froh darüber, dass sie die Wahl bei mir ließen. Ich werde wohl nie einer Glaubensgemeinschaft beitreten, dennoch ist dies etwas, was von mir und meiner Überzeugung aus kommt.

,,Darfst du Schweinefleisch essen?‘‘

Im Kindergarten bekam ich erst mal von meiner Konfessionslosigkeit nichts mit. Ich glaube, ich kannte Religionen nicht einmal. Obwohl ich in dieser Zeit sehr oft im Iran war und dort die Frauen mit Kopftüchern sah, schien es mich nie zu wundern. Es gehörte einfach dazu. Meine Eltern sind zwar auf Papier Moslems, doch sie benahmen sich nie so. Von Schweinefleisch bis Bier, bei uns gibt es alles. Doch anders war es in der Volksschule. Da kamen eben Fragen wie ,,Bist du Moslem oder Christ?‘‘ oder ,,Darfst du Schweinefleisch essen?‘‘. Ich wusste schnell, dass an mir was anders ist. Nur eine weitere Mitschülerin war ohne Bekenntnis. Alle anderen hatten eine Religion, mehrheitlich waren sie christlich. Irgendwie wollte ich dann auch reinpassen. Und ging in den römisch-katholischen Unterricht. Ich durfte zwar keine Beichte abgeben, dafür wurde ich gesegnet. Ich habe es dort wirklich geliebt, da ich so viel lernte. Auch jetzt noch kann ich das ,,Vater unser‘‘ einigermaßen richtig aufsagen.

Wegen des Gratisessens in der Moschee

Gleichzeitig mit dem Christentum wurde ich auch mehr mit dem Islam konfrontiert. Ich besuchte nämlich Samstags eine persische Schule, um dort auch Lesen und Schreiben auf Farsi zu lernen. Irgendwie gehörte Gebetsunterricht auch dazu. Ich lernte ein paar Gebete, wobei ich eigentlich keinen blassen Schimmer hatte, was ich da sagte. Sie waren ja alle auf Arabisch. Mit meiner Fmilie ging ich früher auch manchmal in die Moschee, wobei mich jedoch das Gratisessen (nicht vergleichbar mit den mickrigen Hostien, die in Kirchen angeboten werden) wohl mehr interessierte, als Allah oder Ali. Da ich mich aber nicht an den Geruch der stinkenden Socken von manchen Frauen dort gewöhnen konnte, ging ich später nicht mehr mit. Mein letzter Moscheebesuch ist jetzt einige Jahre her.

Lieber schlafen als beten

Im Gymnasium besuchte ich weiter den katholischen Religionsunterricht, der aber eher einem Ethikunterricht entsprach. Wir gingen sogar einmal in eine Synagoge, was leider meine einzige Berührung mit dem Judentum blieb. Doch mit 14 meldete ich mich dann von Religion ab. Eine Stunde länger schlafen war einfach weitaus wichtiger als Jesus. Doch privat beschäftigte ich mich mit einer ganz anderen Religion: dem Zoroastrismus, die Religion, die vor der Islamisierung im Iran sehr verbreitet war. Doch wirklich dieser Konfession anschließen wollte ich mich nicht.

,,The Secret‘‘ als Religion

Bis heute habe ich keine Religion. Und es fehlt mir auch nicht wirklich. Wenn mich jemand fragt, woran ich glaube, meine ich einfach ,,The Secret‘‘, ein Buch über das positive Denken und die Kraft der Gedanken. Ich will einfach ein möglichst guter Mensch mit möglichst guten Gedanken ein. Es ist zwar keine Religion, aber ein Glaube. Und aufhören zu glauben will ich nie.

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