VHS: Die 9er Reihe

09. September 2019

1919, 1939, 1989. Nicht nur diese Jahre sind historisch bedeutsam. Tatsächlich ist in vielen 9er-Jahren ganz schön viel passiert. Eine Veranstaltungsreihe zu gesellschaftlichen Entwicklungen und Zäsuren.


Jüdisches Leben in Wien- Zerstörung ohne Neubeginn

So hieß der Vortrag, den ich letzten Donnerstag an der VHS Landstraße besucht habe. Das Gebäude war nicht schwer zu finden, denn schon bei der U-Bahnstation hingen Wegweiser. In einem kleinen aber netten Seminarraum nahm ich rechts vorne Platz. Die Vortragende Mag.a Shoshana Duizend-Jensen ist Historikerin und beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem jüdischen Wien. Unglaubliche 500 jüdische Vereine gab es bis 1938/39. Darunter große, wie Synagogen und Waisenhäuser, aber auch kleinere Wohltätigkeitsorganisationen.

Mit dem Anschluss wurden die Gebäude jedoch arisiert und 1941 existierte nur mehr eine Handvoll.  Wie weit sind die Gebäude in der Nachkriegszeit noch vorhanden gewesen und wer hat danach in ihnen gelebt? Die Verdrängung von Juden aus dem Wirtschaftsleben und die völlige Zerschlagung des jüdischen Vereinslebens gingen mit der Schließung ihrer Institutionen einher. In 90 Minuten haben wir uns auf die Spurensuche nach verschwundenen jüdischen Zentren Wiens begeben und mir wurde nochmal so richtig bewusst, was für verheerende Auswirkungen der Antisemitismus auch auf die Kultur und Religion der Jüdinnen und Juden hatte. Das Zerstören und Demolieren ihrer Bauwerke geht sogar bis heute weiter.

Nach dem Vortrag standen noch einige Leute in Gruppen zusammen und unterhielten sich. „Das war Entraubung damals“, meinte auch eine Frau zu mir. Sie ist eine Viertelstunde zu spät gekommen, da sie lange arbeiten musste. Den Vortrag wollte sie trotzdem unbedingt noch besuchen.

VHS, Vortrag

Von 1099 bis in die Gegenwart

Dieser Vortrag war nur der erste Punkt am Programm der neuen Veranstaltungsreihe der Wiener Volkshochschulen. Im Zuge der 9er Reihe wird es für Geschichte-Interessierte von September 2019 bis Jänner 2020 noch einige weitere spannende Vorträge, Workshops, Exkursionen und Co geben.

Den Auftakt macht die Veranstaltung „1919-1949-1989- Grenzerfahrungen im östlichen Österreich“. Sie findet am 11. September (VHS Urania) um 18:30 in Form einer Podiumsdiskussion statt: Grenzen sind mehr als nur Trennlinien. Sie beeinflussen auch die Lebenswelt der Menschen, die von ihnen umgeben sind. Welche Erfahrungen haben die verschiedenen Generationen damit im Laufe des 20. Jahrhunderts gemacht? Wer hat zur Zeit des Eisernen Vorhangs eigentlich wen als aus- beziehungsweise eingesperrt betrachtet? Antwort auf diese Fragen geben neben dem Experten Oliver Rathkolb auch Journalistin Heike Hausensteiner und Künstlerin Cornelia Gillmann. Durch ihre unterschiedlichen Berufsfelder kann die Thematik von verschiedenen Seiten beleuchtet werden.

Ein bisschen Weiterbildung statt Netflix am Abend tut sicher nicht nur mir gut. Schau doch mal auf der Website vorbei, vielleicht gibt es bald eine Veranstaltung bei dir um die Ecke - immerhin gibt es in fast jedem Bezirk eine VHS.

Zum genauen Programm und zu Kursanmeldungen kommt ihr hier:  https://www.vhs.at/de/neun

Eingang VHS Landstraße

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