Was die Kurden im ORF vorlesen wollten

18. August 2016

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ZiB; ORF
screenshot: youtube

Letzten Freitag drangen kurdische Demonstranten ins ORF-Zentrum ein, um eine Erklärung gegen die Türkei im Fernsehen vorzutragen. Der vorbereitete Text hätte die Sendung tatsächlich gesprengt.

Freitag kurz vor Sendebeginn der ZiB1 um 19:30: Fünfzehn Kurden demonstrieren vor dem ORF-Zentrum am Küniglberg. Sieben von ihnen schaffen es, ins Gebäude hineinzukommen, werden aber von ORF-Mitarbeitern und der Polizei schnell wieder hinausgeschmissen. Einige Medien berichteten über eine „Stürmung“ des Gebäudes. Von Gewalt konnte allerdings keine Rede sein, hieß es später in einer Stellungnahme der Polizei. Die jungen Männer hätten einen Mitarbeiter des ORF lediglich erfolglos ersucht, ihren Text im TV vortragen zu dürfen.

Ohne Erfolg und Plan

Besonders gut dürfte die ganze Aktion nicht vorbereitet gewesen sein. Angeblich haben die Kurden nicht einmal gewusst, wo sich im riesigen ORF-Gebäude der Newsroom befindet. Wie dem auch sei: Die vorbereitete Erklärung hätte wirklich die Nachrichten-Sendung gesprengt – alleine schon von der Länge her. Der Text erinnert mit seinen knapp 5.000 Zeichen an eine Geschichtsstunde und reicht zurück bis ins Jahr 1999.

Was die Kurden fordern

Konkret handelt es sich um eine Forderung an die türkische Regierung. Die Demonstranten wollen unter anderem eine „Lösung der kurdischen Frage“. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Freilassung des PKK-Gründers Öcalan. Laut den Kurden gibt es seit der Putschnacht vor einem Monat kein Lebenszeichen mehr von ihrem inhaftierten Anführer. „Nach den Ereignissen in der Putschnacht ist die kurdische Bevölkerung um den Zustand Abdullah Öcalans besorgt“, heißt es in dem Text. Es ist nämlich unklar, ob die Soldaten in Öcalans Gefängnis auch zu den Putschisten gehörten.

Die Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei und vielen Ländern der EU als Terrororganisation eingestuft wird, ist eine der wenigen Organisationen, die es schafft, mit einem Anführer auszukommen, der seit 17 Jahren inhaftiert ist. Bereits seit 1999 sitzt dieser nämlich auf der Gefängnisinsel Imralı fest. Bis 2009 war er der einzige Häftling dort. Das macht ihn nicht nur zum prominentesten, sondern wohl auch zum teuersten türkischen Gefangenen.

Für Öcalan selbst wird es wohl keine Rolle gespielt haben, ob die Kurden es am Freitag in die ZiB geschafft haben. Er hat in seiner Zelle zwar seit kurzem einen Fernseher, doch der ORF wird bei den 12 – von der türkischen Regierung zugelassenen – TV-Kanälen vermutlich nicht dabei sein.

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