"Was ist größer als ein Apfel? Ein Kürbis!"

01. März 2018

Wien Penzing, 8:19, NMS-Torricelligasse, 3a. Vor der Tafel stehen zwei Frauen, die sich an die SchülerInnen wenden. Eine davon ist Fr. Schweiger, Lehrerin in den Fächern Musik und Englisch und Teach-For-Austria-Fellow. Die Zweite: Fr. Angelika Sommer-Hemetsberger, Vorstandsmitglied der Oesterreichische Kontrollbank. Sie wenden sich beide in englischer Sprache an die Klasse. "What is a loan?", fragt die Managerin in die Runde. "Ähmmm, Lohn?", antwortet das Mädchen mit schwarzen, langen Haaren in der zweiten Reihe etwas zögerlich. Eine Reihe hinter ihr wird gekichert. "Kredit?", ruft ein Junge aus der ersten Reihe. "Richtig!", bejubeln die beiden Frauen die richtige Antwort des zum Scherzen aufgelegten Burschen, der irgendwie stolz auf die richtige Antwort ist, anders kann man sein Strahlen danach nicht interpretieren.

Kürbis oder Energy Drink?

Im Rahmen des "Teach For Austria"-Programmes findet der heutige Englisch-Unterricht mit prominenter Verstärkung statt. Die Kinder in der Klasse können erstaunlich viel zu Krediten, Exporten oder Kreditversicherungen erzählen. "Erstaunlich, wie viel Wissen sie über solche abstrakten Themen haben", ist selbst die Expertin aus der Kontrollbank überrascht. Die Absolventin der Betriebswirtschaft, die während ihrer Schulzeit ein Jahr in einer japanischen Schule verbrachte, sieht die Abwechslung positiv und findet es wichtig, dass die Österreichische Kontrollbank zusammen mit "Teach For Austria" den jungen Menschen solche schwer zugänglichen Themen ein Stückchen näherbringt. "Welche österreichische Marke kennt ihr, die Marktführer in ihrem Segment ist?", will die Managerin wissen. "Ähm, Äpfel?". Ja, Apfel exportieren wir auch, aber denkt größer. "Ein Kürbis?", hallt es von der rechten Flanke. Die Klasse bricht kurzzeitig in Gelächter aus. Die Lehrerin wird etwas ernst, um wieder zur Ursprungsfrage zurückzukehren: "Was exportieren wir aus Österreich in die ganze Welt? Ihr kennt das sicher auch." Hinweis an den Leser an dieser Stelle: Um keine Schleichwerbung hier zu betreiben, wird die Antwort nicht verraten. Tipp: Es verleiht angeblich Flügel.

Säure und Taschengeld

Nach einer Stunde gespickt mit Kreditversicherungen, Exporten, Finanzen und Kürbissen dürfen auch die SchülerInnen der 3a Fragen stellen. Diese sind wie so oft in diesem Alter entweder mit Explosionen oder Geld verbunden. Auf die Frage, wie viel sie denn verdiene, wollte Sommer-Hemetsberger nicht eingehen (Kommentar eines Buben, der neben mir saß: Schulterzucken, er rede auch über sein Taschengeld). Ob es unter Exporten auch Explosionen geben kann, bei denen sich zwei Säuren vermischen und Menschen töten? "Das wäre eine Tragödie, aber zum Glück haben wir damit eher wenig zu tun.", sagt die Managerin augenzwinkernd. Als es läutet, frage ich mich, ob ich tatsächlich gerade eine Stunde in einer Wiener NMS verbracht habe. Interessierte SchülerInnen, keine Verständnisschwierigkeiten, ein traumhafter Ausblick auf das Schloss Wilhelminenberg, 14 verschiedene Sprachen und ein zufriedenes Vorstandsmitglied. Warum es diese Vorzeigeschulen nicht in die Medien schaffen? Gut, zumindest damit ist mit diesem Bericht Schluss!

 

Was ist Teach 4 Austria?

Teach 4 Austria hat sich vorgenommen, Kinder und deren Eltern zu entlasten, die aus dem sogenannten einkommensschwachen und bildungsfernen Millieu kommen. Dazu gehören die Fellows, die ausgewählt werden und als Lehrer und Lehrerinnen an den sogenannten Brennpunktschulen arbeiten. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest: http://www.teachforaustria.at/

Hinweis in eigener Sache: Wir von biber sind seit fast zehn Jahren ebenfalls in Wiens Brennpunktschulen unterwegs, um junge Leute zu motivieren, sich für Journalismus zu interessieren. Das Projekt umfasst die ganze Schulwoche und hat schon einige Erfolgsstories geschrieben. Unterstütze uns auch du!

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