Was machen die Skandinavier so anders?

23. März 2017

Von den Skandinaviern lernen heißt Glücklichsein lernen. Laut einer UN-Studie sind die Norweger das glücklichste Volk der Welt. Aber auch Dänemark, Finnland und Schweden befinden sich auf den vorderen Rängen. Wie schaffen die Nordeuropäer es, so glücklich zu sein? 

Ursprünglich waren sie gewaltbereite und mordende Horden. Ihre Eroberungswut lehrte den europäischen Kontinent das Fürchten. Sie griffen plötzlich an, womit nie jemand rechnete. Und als erste Europäer haben sie noch vor Kolumbus Amerika entdeckt: Die Wikinger. Beschäftigt man sich mit den Vorfahren der Skandinavier, würde man nie drauf kommen, welch Brutalität von ihnen ausging, im Vergleich zu den heutigen recht freundlichen Dänen, Norwegern, Schweden und Finnen.

Österreich auf Platz 13, Deutschland nur 16.
Heute hat Skandinavien den vermutlich besten und friedlichsten Ruf unter den Völkern der Welt. Das beweisen regelmäßig mehrere internationale Studien. Etwa der „World Happiness Report“, der heuer anlässlich des Weltglückstags zum fünften Mal veröffentlicht wurde. Demnach ist Norwegen das glücklichste Land der Welt. Dicht gefolgt von den Dänen, die letztes Jahr auf dem ersten Platz landeten. Auch Schweden und Finnland befinden sich in den Top Ten. Die Österreicher sind glücklicher als ihre großen Nachbarn aus Deutschland. Sie kommen auf den 13. Platz, während die Deutschen sich mit Platz 16 zufrieden geben müssen.

Die 20 glücklichsten Länder der Welt
1. Norwegen (7537 Punkte)
2. Dänemark (7522)
3. Island (7504)
4. Schweiz (7494)
5. Finnland (7469)
6. Niederlande (7377)
7. Kanada (7316)
8. Neuseeland (7314)
9. Australien (7284)
10. Schweden (7284)
11. Israel (7213)
12. Costa Rica (7079)
13. Österreich (7006)
14. USA (6993)
15. Irland (6977)
16. Deutschland (6951)
17. Belgien (6891)
18. Luxemburg (6863)
19. Großbritannien (6714)
20. Chile (6652)

Kaum Korruption 
Im Gegensatz zu vielen anderen reichen Ländern haben die skandinavischen Staaten in der Tat sehr günstige Rahmenbedingungen, die ihr Glück fördern. In nahezu keiner anderen Region weltweit gibt es so ein hohes Vertrauen in die Regierungsführung wie in Skandinavien. Und das kommt nicht von ungefähr. Korruption existiert hier so gut wie kaum. Die Schutzmechanismen gegen Korruption sind hier deutlich ausgeprägter als in anderen Staaten. So hat Norwegen sich dazu entschlossen, seine natürlichen Ressourcen nur langsam und kontrolliert auszubeuten, die Gewinne in nachhaltige Zukunftsprojekte zu investieren und für die Bevölkerung gemeinsame Ziele zu formulieren.

Nun fragt man sich an dieser Stelle, was die Nordländer eigentlich so viel anders machen als wir, dass sie so glücklich sind? „Glückliche Länder sind jene, in denen es eine „gesunde Balance“ an Wohlstand, Vertrauen in die Gesellschaft und die Regierung sowie niedrige Ungleichheit gebe, sagt Jeffrey Sachs, der Direktor des Lösungsnetzwerks für nachhaltige Entwicklung, das diese Studie durchgeführt hat.

Die Dänen haben sogar ihren eigenen Begriff für Glück: Hygge („Hügge“ ausgesprochen). Dabei handelt es sich um einen Lebensstil, der auf positivistischen Lebensattributen basiert. In Dänemark gibt es Seminare und sogar ein Institut, die sich mit Glück befassen. Etwa das Kopenhagener Institut für Glücksforschung. Der Institutsleiter Maik Wiking fasst in seinem Buch „Hygge – ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht“ die Idee in zehn Punkten zusammen: Atmosphäre, Gegenwart, Vergnügen, Gleichheit, Dankbarkeit, Harmonie, Bequemlichkeit, Frieden, Zusammensein und Schutz.

Tatsächlich sehen mehrere Forscher diese Punkte als Bedingungen an, die das Glücklichsein fördern. Zudem haben die skandinavischen Länder entscheidende Faktoren, die das Wohlbefinden begünstigen: Der im Vergleich zu anderen europäischen Staaten gut ausgebaute Wohlfahrtsstaat, ein ausgeprägtes soziales Umfeld und eine hohe Lebenserwartung.

 

 

 

 

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