Wer ist Rico Belafonte?

24. Februar 2017

Rico Belafonte

Rico Belafonte
Michaela Kobsa

Rico Belafonte ist anders. Das merkt man auf den ersten Blick, das hört man nach dem ersten Ton. Ich wollte aber wissen, wie anders er wirklich ist. Deshalb habe ich ihn zu Hause in seinem Tonstudio besucht.

Als ich die Treppen des Stiegenhauses hinaufsteige, ist eine Tür im Erdgeschoss schon geöffnet. In der Tür steht ein junger Mann mit grimmigem Blick. Die Arme tätowiert, das Haar zu einem strengen Zopf gebunden. Doch noch bevor ich richtig Angst bekommen kann, kommt er auf mich zu und umarmt mich herzlich. Rico hat schon auf mich gewartet. Er nimmt mir Jacke und Schal ab und hängt beides für mich weg. "Komm rein, komm rein", sagt er, während er voraus geht und mir den Weg zu seinem Heimstudio zeigt. Er öffnet mir die Türe und meint lächelnd: "Ihr seid das erste Magazin, das das sieht." Ich wage den ersten Blick hinein und bin tatsächlich überrascht. Zwei Monitore auf einem großen, U-förmigen Tisch, auf welchem noch unzählige Kabel und Boxen verteilt sind. Trotzdem wirkt alles ordentlich und sauber. Alles scheint auf seinem Platz zu sein. 

Auf der Ecke vom Tisch steht schon ein Glas Wasser mit einem Stuhl davor. Rico rennt nochmal kurz hinaus, um einen Augenblick später mit einem Kuchen zurückzukommen. "Bitte setz dich und iss", ordnet er mir fast schon an. Ich setze mich, esse vorerst aber nich. "Das heißt jetzt nicht, dass du aufs Cover kommst", sage ich ihm und deute auf alles, was vor mir steht. Er lacht laut auf und versichert mir, dass er das immer so macht, weil es sonst unhöflich wäre. 

Rico Belafonte

Rico Belafonte mag für manche Personen kein Unbekannter sein. Auf Youtube zählen seine Videos hunderttausende Klicks, seine Fanpage auf Facebook wächst stetig und 2015 trat er sogar auf dem Donauinselfest auf der FM4-Bühne auf. Seine Musik ist vielfältig. Er selbst meint, dass sie für Jedermanns Ohr sei. Stimmt auch. Die Musikpalette reicht von dreckigen Underground-Beats und harten Texten bis hin zu Up-Tempo-Nummern mit Gute-Laune-Stimmung. Hätte er eine Band, würde er sogar Punk-Rock machen, sagt er. 

Das nette Arschloch
Doch abgesehen von ein paar Musikvideos und Interviews findet man relativ wenig zur Person dahinter. Ich wollte wissen, wer Rico Belafonte wirklich ist. Er selbst beschreibt sich als "nettes Arschloch". Im Gespräch wirkt er sehr selbstbewusst und selbstsicher. Von sich selbst spricht er nur in Superlativen. Sei es Ultraprofi, Mann mit einzigartiger Stimme oder Allrounder. Wenn es um ihn geht, scheint nur das Beste gut genug zu sein.

Rico Belafonte
Michaela Kobsa

Ich spüre aber, dass da eine Mauer zu sein scheint. Ich frage ihn, wie es ihm damit geht, dass er jetzt ein Kind hat und noch eines auf dem Weg ist. Jetzt wird Rico leiser. Fast schon sanft. "Deine ganze Welt wird auf den Kopf gestellt. Jeden Tag frag ich mich nur, wie ich an Cash kommen kann, um den Kleinen ein gutes Leben zu ermöglichen." Er holt sein Handy raus und zeigt mir Fotos von seinem Sohn. Sein ganzer Speicher scheint mit Bildern von ihm belegt zu sein. "Er ist mein Ein und Alles", sagt er. 

Danach geht es aber gewohnt weiter. "Willst du mein neues Video sehen?", fragt er mich. Da lasse ich mich nicht zweimal bitten. Bevor er auf Play drückt, dreht er die Regler auf volle Lautstärke. Dann geht es schon los. Anfangs war ich skeptisch. Auch wenn Rico meint, er sei ein "Ultraprofi", erwartete ich mir nicht allzu viel. Er ist nun mal kein Superstar in der österreichischen Musikszene. Doch nach nur ein paar Sekunden wurde ich mehr als überzeugt. Die Musik geht schnell ins Ohr. Ricos Stimme ist angenehm zu hören. Und das Musikvideo steht manchen US-amerikanischen Künstlern um nichts nach. Es wirkt alles mehr als professionell. Doch genau das wiederum macht mich skeptisch.

Rico ist ein Film
"Wie finanzierst du das alles?", frage ich ihn. Er schnauft kurz und sieht mich wieder ein wenig grimmig an. "Es ist schwer", fängt er an. "In Österreich scheißt jeder auf dich. Jeder redet hinter deinem Rücken. Hier bekommt man nicht die Aufmerksamkeit, die man verdient." Er erzählt davon, dass er kämpfen muss, damit alles klappt. Rico deutet mir, dass ich mich umdrehen soll. In der Ecke des Raumes steht ein Bett. "Hier arbeite ich und hier schlafe ich. Ich leg die Füße nicht auf den Tisch." Er will es einfach allen beweisen. Sein Ziel ist es, in Deutschland Fuß zu fassen.

Rico Belafonte Wien Musik
Michaela Kobsa

"Und was war nach dem FM4 Auftritt?", erkundige ich mich. Er deutet nach oben. Über seinem Monitor hängt ein Scheck, auf dem "1000€" steht. "Was mache ich mit 1000€?", lacht er. "Und wenn ich frage, ob sie meine Musik spielen können, dann meinen sie, ich sei zu kommerziell. Für Ö3 bin ich aber zu hart." Er wolle niemandem die Schuld geben. Rico will nur klarstellen, dass er ab nun sein eigenes Ding machen will. So lange, bis man ihn nicht mehr ignorieren kann.

Er möchte mir sein ganzes Album vorspielen. Ich stimme ihm zu. Die Lieder sind so unterschiedlich wie Rico selbst. Manchmal versprühen sie eine gute Laune, teilweise sind sie düster, dann widerum sanft. Es macht Sinn, dass Rico nicht eine Schiene geht. Ob er damit Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Bei seinem Song "Traum" singt Rico: "Film sein macht mir Spaß". Das merkt man. Aber das ist er auch.

Rico Belafonte
Michaela Kobsa

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