Sara Minkara: Wertschätzung statt Mitleid

22. Februar 2019

„Wie können wir jeden in der Gesellschaft dazu bringen, Menschen mit körperlicher Behinderung und deren Integration wertzuschätzen, anstatt sie als Last zu sehen?“ – Die Aktivistin Sara Minkara öffnet uns die Augen zu einer Thematik, die leider viel zu selten behandelt wird.


Mit Naila Baldwin und Johanna Heiss 

Sara Minkara

Ab und zu trifft man Personen, die einen unerwartet inspirieren. Eine davon ist Sara Minkara. Die 28-Jährige flog vor zwei Wochen von Boston nach Wien um an der Zero Project Konferenz im Vienna International Center, auf die sie höchstpersönlich eingeladen wurde, teilzunehmen. Dort präsentiert sie die Arbeit ihrer selbstgegründeten NGO „Empowerment Through Integration“. Hauptziel der Organisation ist es, das Bild rund um körperlicher Behinderung, von einer Mitleidslinse zu einem Wertschätzungsblickwinkel zu ändern. Einen persönlichen Bezug hat die libanesisch-amerikanische Muslimin dazu selbst, denn seit ihrem siebten Lebensjahr ist sie blind. Ihre Eltern haben sie zwar immer unterstützt und ermutigt, die Person zu sein und zu werden, die sie wollte, aber das sei bei anderen jungen Menschen mit körperlicher Behinderung oft nicht der Fall. Bei ihrer Arbeit liegt der Fokus deswegen vor allem auf Kindern und Jugendlichen.

„Viele körperlich behinderte Kinder überall auf der Welt leben entweder in der Realität des Mitleids oder bestenfalls in der Gnade der Menschenrechte. Leider passiert es oft, dass selbst die Eltern diese Denkweise verkörpern oder ihre Kinder gar verstecken oder misshandeln. Wir stellen uns die Frage: wie können wir jeden in der Gesellschaft dazu bringen, Menschen mit körperlicher Behinderung und deren Integration wertzuschätzen anstatt sie als Last zu sehen? Wie können wir sie in die Schul- und Arbeitswelt bringen?“, so Sara.

Um das zu erreichen arbeitet Empowerment Through Integration (ETI) nicht nur mit körperlich behinderten Personen zusammen, sondern auch mit deren Familie, Freunden, Lehrern, um das Bild und die Denkweise rund um die Thematik umzupolen.

Es ist nicht fair, dass wir nur Menschen mit körperlicher Behinderung ermutigen. Wir müssen auch die Denkweise der Gesellschaft ändern. Die Tatsache, dass wir (Menschen mit körperlicher Behinderung) immer kämpfen müssen ist wirklich erschöpfend.“

Laut Behinderteneinstellungsgesetz muss in Österreich ein Arbeitgeber pro 25 Arbeitnehmer jeweils eine körperlich behinderte Person einstellen. Dabei sehen das viele Unternehmer eher als Last als einen Gewinn.

“Viele Firmen denken sich dann: “Oh mein Gott, ich muss” anstatt “Ich will”. Das wollen wir ändern.“

Nicht nur in der Arbeitswelt kommt es für Betroffene zu Problemen. Selbst der Mathe-Professor von Sara, die übrigens ihren Master in Staatswissenschaften an der Harvard Kennedy School of Government, erhielt, sagte ihr, er wolle sie nicht in seiner Klasse, da sie ihm den Unterricht schwer machen würde. Ganz im Gegensatz zu ihren Klassenkollegen.

„Meine Klassenkameraden wollten dieselben Stunden wie ich nehmen. Dann sei der Lehrer verpflichtet, besser und zugänglicher zu unterrichten und zu erklären.“

Doch obwohl Trump sich so ziemlich gegen alles, was Sara, als muslimische, weibliche und blinde Aktivistin ist, ausspricht wirkt sie wie eine außergewöhnlich selbstbewusste- und sichere Person. Das liege in vielen Situationen daran, dass sie die Gesichtsausdrücke der Menschen nicht sehen kann. Das erlaube ihr, so Sara, ihr komplettes, authentisches Ich sein zu können, was den Menschen oft Herz, Verstand und Seele öffnet. Auf die Frage, was sie jungen Frauen für mehr Selbstbewusstsein rät, antwortet Sara:

„Liebe dich selbst zu 100%. Fange an, in dem du in all deine Identitäten hinein hörst. Reflektiere, ob diese in deinem Kopf als negativ oder positiv aufgenommen werden. Überlege, wie du die, die du als negativ aufnimmst, zu einer Stärke umwandeln kannst. Ich sage: meine Blindheit ist eine Stärke und ich würde sie für nichts auf der Welt austauschen. Von ihr habe ich meine Kreativität gelernt. Es gibt einen Grund, warum wir alle so erschaffen worden sind, wie wir sind. Finden wir heraus, warum und was unser Sinn im Leben ist.“

 

Sara Minkara

 

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