Wie ist das mit dem Sex vor der Ehe im Islam? Interview mit Tarafa Baghajati

20. Dezember 2017

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Bereitgestellt
Bereitgestellt

Interview mit Tarafa Baghajati, Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, über Sex, Ehe, Sex vor der Ehe, Alkohol, Marihuana, Glückspiele und Sündenvergebung im Islam. 

Das Interview ist eine Langversion des Infokastens zur Biber - Story "Heimlich auf Haram"
1. Ist Sex vor der Ehe im Islam erlaubt?

Tarafa Baghajati: Sex ist islamisch gesehen eine wunderbare Sache, zu der aber eine harmonische partnerschaftliche Verantwortung gehört und das ist die Ehe, wobei der Begriff Ehe im islamischen Konzept nicht 1:1 aus der christlichen Tradition zu übernehmen wäre (siehe auch Antwort 2).

2.  Viele muslimische Jugendliche interpretieren die Religion für sich
neu, zB sagen sie, dass Sex in einer langjährigen Beziehung okay ist, da das eine Vorstufe der Ehe ist. Ist das erlaubt oder verwerflich?  


Die islamische Ehe hat einige Grundpfeiler:  a) Das gegenseitige Gelöbnis zweier erwachsener Personen, die sich in Liebe und Treue partnerschaftlich verbinden b) Das Bekenntnis vor Zeugen zu dieser Partnerschaft vor einer Vertrauensperson (in der Regel ein Imam) c) Die Bekanntmachung dieses Ereignisses d) Die Verpflichtung gemeinsam Verantwortung zu tragen, falls Kinder aus dieser Beziehung erwachsen. Natürlich ist es besser, diese Vereinbarungen zeremoniell in einem Ehevertrag schriftlich festzuhalten und auch die Familien beizuziehen, vor allem zum Schutz der Frauen vor Missbrauch und deren sozialer Absicherung. In diesem Sinne leben Personen, die die oben angeführten Bedingungen erfüllen, bereits islamisch-theologisch gesehen vor Gott und der Gesellschaft nicht in Sünde.

3. Gibt es irgendwelche „Richtlinien“ an denen sich dies Betroffenen hierbei orientieren können, wenn sie sich nicht sicher sind, ob sie richtig handeln?

Das ist je nach kulturellem Hintergrund und Tradition verschieden. Bei
manchen islamischen Gesellschaften ist es üblich, die in der vorigen Antwort angeführten Bedingungen privat noch vor einer staatlichen Registrierung durchzuführen. Die zwei Partner sind in einer Phase der "Vorstufe zur Ehe".  Außer dem sexuellen Akt an sich sind Küssen und Umarmungen möglich, auch gemeinsam Ausgehen bis hin zu einem gemeinsamen Urlaub. Wenn alles gut läuft, dann feiert man die offizielle Hochzeit und nimmt die staatliche Registrierung vor. Erst danach leben beide richtig zusammen und teilen Tisch und Bett. Bei manchen Muslimen ist diese "Vorstufe" aber verpönt. Dort wird darauf bestanden, gleich eine juristisch und staatlich besiegelte Ehe einzugehen. In Österreich findet man beides. Es gibt auch manche erwachsenen älteren und finanziell unabhängige Leute, die sich islamisch trauen lassen und auf das Standesamt verzichten. Diese wären theologisch Eheleute, aber juristisch vor dem Staat Lebensgefährten. Für mich ist das wichtigste jeglichen Missbrauch im Vorhinein auszuschließen.

4. Ist Alkohol trinken erlaubt?

Nein. Was in größeren Mengen betrunken macht, ist auch in kleineren Mengen
zu vermeiden.

5. Ist Marihuana erlaubt?

Haram - "Verboten" hat mehrere Stufen. Haschisch (Marihuana) muss unbedingt vermieden werden, fällt aber nicht in die gleiche Kategorie wie Alkohol und harte Drogen. Faustregel: Generell ist von allen Mitteln, die zu einer Beeinträchtigung des geistigen Vermögens führen und die
gesundheitsschädigend sind (also auch Extasy-Tabletten und ähnliches) aus
islamischer Sicht Abstand zu halten.

6. Ist Glücksspiel erlaubt?

Dort wo Geld im Spiel ist, nein. Das ist absolut haram. An sich wird Geld-und Zeitverschwendung islamisch gesehen als Fehlverhalten eingestuft. Außerdem kann Glücksspiel auch süchtig machen.

7. Was passiert, dem Glauben nach, wenn sie diese Sünden begehen? Im
Christentum gibt es ja die Beichte, wie sieht das im Islam aus?


Im Islam ist die Beichte ausschließlich zwischen dem/der Einzelnen und Gott.
Eine ehrliche Reue bringt eine Vergebung der Sünden, wenn damit die Absicht verbunden ist diese Verfehlung nicht wieder zu begehen. Aber Achtung: Sünden gegenüber Menschen sind erst mit den Menschen auszumachen. Bei Verleumdungen, Beleidigungen, Betrug etc. muss erst die Wiedergutmachung und die Verzeihung der Beschädigten kommen. Erst danach kann ein Muslim auch von Allah Vergebung erwarten.

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Tarafa Baghajati: Obmann der IMÖ Initiative muslimischer Österreicher-innen, Imam in Wien. Siehe auch Youtube Kanal: Tarafa Baghajati/Islamische Botschaften


https://www.youtube.com/playlist?list=PLmRHAKDHvXSyqOfch7GBAyhp9GLmvNOk8

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Kommentare

 

Glück für die muslimischen Jungs das nichtmuslimische Mädchen sexuell offen stehen und muslimische Mädchen in der Regel unbeschmutzt in die Ehe eintreten.

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