Wie zum Schaitan...

01. Juli 2018

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Strache, Kurz, Moscheenschließung, Moschee,
APA/ GEORG HOCHMUTH

Wie zum Schaitan…

Seit zwanzig Jahren gehe ich regelmäßig in die Moschee. Als Kind habe ich dort gelernt, den Koran zu lesen. Dieser Tage besuche ich regelmäßig das Freitagsgebet. Mittlerweile ist es zur gewöhnlichen, langweiligen Routine geworden.

Die letzten drei Wochen hatten es in sich. Sowohl die Ministerien als auch meine Moschee hatten genug um die Ohren. Das Tohuwabohu hat sich inzwischen Gott sei Dank gelegt. Ich durfte als ehrenamtlicher Pressesprecher ein paar Interviews geben und hatte danach noch genügend Zeit mir ein paar Gedanken über die Situation zu machen. Dabei kamen Fragen auf wie „Wieso war die Schließung so ein Riesenthema?“ oder „Wieso redet mein Bundeskanzler heut nicht mehr darüber, wenn es ihm doch so großes Lob eingebracht hat?“

Moschee geschlossen!

Die Pressekonferenz des Bundeskanzlers am Morgen des 8. Juni war überraschend. Überraschend spontan, überraschend kurz, und überraschend voller heißer Luft. „Ein Schlag gegen den politischen Islam“ klang dabei sehr beeindruckend, muss ich zugeben. Hätte mir ja nie träumen lassen, dass meine Moschee zu den wenigen Auserwählten gehörte, die geschlossen werden sollte.

Das Lustige ist, sie war genau genommen nie geschlossen. Weder die Exekutive noch ein anderes Amt hatten die Türen an diesem Tag verriegelt. Es waren die Betreiber selbst, um auf Nummer sicher zu gehen und gröbere Konsequenzen vorzubeugen. Meiner Moschee (die am Antonsplatz) wurden nur die Kulthandlungen untersagt, wofür man zwingend einen Imam braucht, wie beispielsweise beim Freitagsgebet oder dem Festtagsgebet. Wir hatten nämlich verabsäumt uns zeitgemäß bei der IGGÖ zu registrieren, und einen Fehler in der Anmeldung hatten wir anscheinend auch noch. #Legasthenieistkeinscherz

Trotzdem waren die Räumlichkeiten immer noch frei zugänglich und alle Muslime hätten weiters das täglichen Gebete verrichten können, nur eben ohne Imam. Was genau die Arabische Kultusgemeinde durchlebt hat, kann ich aber leider nicht sagen. Einem ihrer Imame wurde Salafismus und Radikalismus vorgeworfen, und laut dem Islamgesetz von 2015 fehlten ihnen ein paar Moscheen, um als eine Kultusgemeinde eingetragen werden zu können. Viel mehr weiß ich darüber auch nicht. Nicht, dass die Leitln dann noch sagen „ja aber der Kürşi hat gesagt, dass…“.

Wuff, wuff!

Man sagt ja „Bellende Hunde beißen nicht“. Bei Wölfen wäre ich aber trotzdem vorsichtig, vor allem wenn sie auch noch grau sind.

Das war ja der nächste Schmafu. Meine Moschee soll in Verbindung stehen mit den „Grauen Wölfen“. Da hat wohl jemand ganz Besonderer meine Moschee öfter besucht als ich, denn wie zum Schaitan (anm d. Red. "Teufel") konnte ich das sonst übersehen?!

Entweder habe ich nie richtig hingehört, bin blind oder taub, am besten auch noch taubstumm obendrein, oder ich war nie so schnell im Kopf, wie ich dachte. Wieder muss ich die Herrschaften Blümel, Kickl, Kurz und Strache enttäuschen. Ihr habt es erraten! Ich habe es nicht übersehen, da gab es einfach nie was zu sehen. Ich werde ja wohl wissen, was für Symbole in meinem Gebetshaus hängen und ob unsere Imame in den letzten zwanzig Jahren versucht haben unterschwellige oder offensichtlich politische Botschaften zu verbreiten. #Jessasmariaundjosef

 

Nein zum politischen Islam!

Ja, da hat er schon recht, oh Bundeskanzler, mein Bundeskanzler! Nur das Timing war halt deppert, gell. Ansonsten finde ich es persönlich eh gut, den Islam frei zu halten von einer nationalen oder politischen Ideologie. Denn das müsste er sowieso sein. Sonst werden Menschen ausgegrenzt, und das auch noch von einer „Weltreligion“, was widersprüchlich wäre. Und das, liebe Leute, habe ich in der Moschee am Antonsplatz gelernt!


Zu meiner Person:
Kürşat Ehad Mutlu, 26.
Geboren und aufgewachsen in Favoriten.
Studiere Englisch, aber nicht als Lehramt.

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