Wir alle tragen Verantwortung!

21. Dezember 2016

In Hans Rauschers neuester Kolumne ist die Rede von der „Verantwortung der Muslime“ in Bezug auf die extremistischen Attentate im Namen des Islams. Die Muslime sollen laut Rauscher die Hassprediger und die Gefährdeten in ihrer Mitte identifizieren und aus dem überwiegenden Schweigen und Bagatellisieren heraustreten. 

Allgemeine Ohnmacht

Identifizieren klingt ja schön und gut, nur wird sich das so in der Realität nie abspielen. Die besagten Extremisten kommen nahezu nie aus der Mitte der muslimischen Community. Man findet sie nicht in den gut besuchten Moscheen und sie verkehren nicht mit 08/15 bzw. grundanständigen Muslimen, die hier in Österreich einen Großteil ausmachen. Man kennt die Radikalen nicht, weil man nicht in solchen Kreisen verkehrt. Hier geht es um Menschen, die aus langwährender Verzweiflung und Einsamkeit sowie institutioneller Diskriminierung empfänglich geworden sind für radikale Ideologien. Und ich rede hier  über jede Art von Extremismus.

Des Weiteren ist es die Aufgabe der Exekutive, solche Menschen ausfindig und gegebenenfalls dingfest zu machen. Eine (muslimische) Bürgerwehr braucht niemand, für Selbstjustiz ist kein Platz in dieser Gesellschaft. 
Dennoch wird mittlerweile in Österreich sehr viel in der Präventionsarbeit geleistet. Es wäre daher sehr von Vorteil, diese präventive Arbeit der unzähligen Österreicherinnen und Österreicher, Muslime oder Nicht-Muslime, anzuerkennen und weiter auszubauen. Den Volkszorn billig anschüren kann jeder. Nur hat die Gesellschaft keinen Nutzen davon. Die Muslime stehen dem Terror genauso ohnmächtig gegenüber wie der Rest der heutigen Gesellschaft. Stattdessen wird anhand dieser Kolumne wieder einmal die Sündenbockschiene gefahren. Denn wer Menschen bloß aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe kriminelle Energie unterstellt, ist ein Rassist. Da gibt es kein Wenn und Aber.

Eine Kolumne, die weder sachlich noch rational klingt. Es gibt keine Homogenität im Islam, weshalb Rauschers Aufruf hinsichtlich der Verantwortung, die Muslime auf sich nehmen sollen, gar keinen Sinn ergibt. 
„Die muslimische Gesellschaft muss aufhören, sich wegzuducken.“ Die Frage, die sich hier aber auch stellt, ist, ob Empörungen oder Klarstellungen überhaupt gehört bzw. wahrgenommen werden möchten. Die österreichischen Muslime ducken sich schon lange nicht mehr. Die Zeiten, alles hinzunehmen, sind vorbei. Die jüngere Generation ist nicht mehr bereit, dass andere Menschen über sie oder in ihrem Namen sprechen. Schenken wir diesen jungen, gebildeten Menschen aus der Mitte der Gesellschaft mehr Gehör, wenn wir mehr von und aus ihnen lernen möchten!

Die muslimische Gesellschaft in Europa hat, aus zivilgesellschaftlicher Sicht, dem Terror schon längst den Kampf angesagt. Solidarisch an der Seite ihrer Mitbürger versuchen sie gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Ganz im Gegensatz zu anderen Menschen, die genau in diesen dunkelsten Momenten die Hetzmaschine anschmeißen. 

Forderung der Muslime in der Zukunft

In der muslimischen Gesellschaft ist man sich der derzeitigen angespannten Lage bewusst. Denn mittlerweile befindet sich der Islam im Würgegriff von etlichen radikalen Gruppierungen. Deswegen brauchen die Muslime, ich rede jetzt konkret von Österreich, kompetente Gelehrte und Intellektuelle, die gewissenhafte und seriöse Grundlagenforschung betreiben. Was wir hier gar nicht mehr gebrauchen können, sind Möchtegern-Experten, die nur pauschalisieren, diffamieren und uns die Welt erklären möchten. Diesem lächerlichen Expertentum muss endlich ein Ende gesetzt werden.
Die Verantwortung liegt also nicht nur bei den Muslimen, sondern bei uns allen. Gerade wir als Meinungsmacher sollten unsere Wortwahl mit Bedacht auswählen und uns dessen bewusst werden, was für ein Ausmaß diese haben können, finden Sie nicht, Herr Rauscher? 

 

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Kommentare

 

Terroristen klug ausbremsen.
Die Risiken durch Terrorismus gehören zur menschlichen Existenz und sind zumindest in Europa so klein, dass man sich das lieber klar zu machen versuchen sollte. Dann erkennt man nämlich die ganze Hilflosigkeit der Terroristen, wenn die zu terrorisierende Gesellschaft einfach realistisch mit der geringfügigen Bedrohung umgeht und sich ohne hysterisch zu werden primär um die grösseren Risiken kümmert und den Terrorismus den zuständigen Behörden überlässt, statt wie das sprichwörtliche kopflose Huhn durch die Gegend zu irren, wild mit den Flügeln schlagend.

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