Wissen statt Gefühl - Integrationsmonitor Wien

16. November 2017

Heute findet im Rathaus die Fachkonferenz des 4. Wiener Integrations- und Diversitätsmonitors 2013-2016 statt. Integrations- und Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky stellte gestern Abend in Anwesenheit von Journalisten die wichtigsten Ergebnisse des Monitors vor.

In Zeiten von Trump, Orban oder Kurz ist Integration ein heikles, negativ besetztes Themenfeld geworden. Die Erinnerung an den Wahlkampf mit Islam-Kindergärten und angeblich schmarotzenden Wirtschaftsflüchtlingen ist noch frisch, gerade deswegen wolle Wien mit „Fakten statt Emotionen arbeiten“, so Czernohorszky einleitend. Dazu gehört das mittlerweile 4. Wiener Integrations- und Diversitätsmonitoring, welches auf über 250 Seiten die Veränderungen in der Einwanderungsgesellschaft dokumentiert. Dieses fundierte Wissen sei ziemlich einzigartig im europäischen Vergleich und locke jährlich internationale Nachahmer in die Hauptstadt. Selbstverständlich hat auch die Fluchtbewegung 2015 den Alltag in vielen Wiener Einrichtungen beeinflusst. Rund 80% der Magistrate wurden mit flucht- und asylbedingten Herausforderungen konfrontiert. Als Best-Practice-Fall wurde das Wiener Jugendcollege genannt (Unterricht und Ausbildung für 1.000 Geflüchtete zwischen 15 und 21). Um diese Menschen zu unterstützen, fordert der Integrationsstadtrat eine Ausweitung der Ausbildungspflicht bis 18 auch für Asylwerber - ein wichtiger Aspekt, da Asylwerber momentan fast vollständig vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind.

 

Die wichtigsten Zahlen des Integrationsmonitors:

- 35% der WienerInnen sind nicht in Wien geboren

- 50% der WienerInnen sind entweder selbst nicht in Wien geboren oder ein Elternteil ist nicht in Wien geboren

- Im Jahr 2015 zogen 22.033 Menschen aus Fluchtgründen nach Österreich. Interessant: Die Anzahl der aus den Bundesländern und EU-Ländern zugezogenen Personen ist jeweils deutlich höher (37.715 bzw. 34.222)

- Rund 40% der Eltern von Personen, die aus Drittstaaten kommen, haben nur einen Pflichtschulabschluss. Bei ihren Kindern ist allerdings der Bildungsstand deutlich höher – rund 20%

-  Über ¼ der WienerInnen ist vom demokratischen Teilhabeprozess ausgeschlossen – auf gut Deutsch: darf nicht wählen. In manchen Wiener Bezirken (15, 16, 20) liegt dieser Prozentsatz bei über 34%

-  In den Wiener Magistratsabteilungen haben rund ¾ der MitarbeiterInnen eine österreichische Herkunft, 8,9% sind aus der EU und 16,2% aus Drittstaaten

 

Die Zahlen des Integrations- und Diversitätsmonitors sind unter https://www.wien.gv.at/menschen/integration/grundlagen/monitoring zu finden

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