Adventzeit am Wagenstellplatz

23. Dezember 2010

In letzter Zeit gab es wieder einmal um die Bewohner der Wagenstellplätze in Wien. Nachdem sie im Oktober von ihrem Standplatz in der Baumgasse vertrieben wurden. Erst seit Kurzem haben die Trucks in der Krieau bei der Pferderennbahn ein neues Zuhause gefunden. das biber hat ihnen einen vorweihnachtlichen Besuch abgestattet.

 

Von Anna Thalhammer und Reinhard Lang

 

Die Adventzeit am Wagenstellplatz bei der Pferderennbahn ist besinnlich ruhig. Fast schon zu ruhig, um nicht zu sagen, ausgestorben. Wir sehen keinen einzigen Menschen, nur ein Hund schwänzelt um einen verschneiten Truck und frisst etwas Undefiniertes.

Ein paar Stühle stehen um Öfen, in der Mitte des Platzes steht ein selbstgebasteltes Klo, das von außen wie ein ekeliges Kunstwerk aussieht. Das ist also die ganze Aufregung?

Nach längerem Suchen können wir auch einen Bewohner auftreiben. Milan krabbelt verschlafen aus seinem quietschgelben Truck, der einmal ein Pferdetransporter war.

Er habe gestern Geburtstag gehabt und ein bisschen gefeiert, entschuldigt er sein verschlafenes Aussehen.

 

Mietnomaden
Wir bekommen eine Privatführung durch die neue Wagenburg, die im Moment nicht sehr gut besetzt ist, da viele über den Winter doch eine wärmere Behausung bevorzugen. Ob sie in der Krieau länger bleiben dürfen, wissen sie noch nicht, denn eigentlich gehört die Wiese den Betreibern der Pferderennbahn, die im Moment ihre Begeisterung über den ungebetenen Besuch noch zurückhalten.

Der Idealfall wäre, einen Mietvertrag auszuhandeln, meint Milan. Davon hätten beide Seiten was: Der Platz, der vorher ungenutzt war, würde so eine sinnvolle Verwendung finden und die Wagenbewohner ihrerseits hätten die Möglichkeit Infrastruktur aufzubauen. So etwas wie eine ordentliche Toilettanlage, fließend Wasser, Strom und Sanitäranlagen, denn daran mangelt es im Moment an allen Ecken und Enden.

Das Wasser holen wir im Moment in Kanistern von Freunden oder von der Tankstelle. Geheizt wird mit einem Holzofen im Truck. Wenn wir warmes Wasser wollen, wärmen wir es am Herd“

 

 

 

 

Campingurlaub auf Hardcore Wenn man das so sieht, überhaupt im Winter, dann fragt man sich natürlich schon, warum man sich das freiwillig antut, denn gedrängt wurde in diese Situation niemand. Die meisten Wagenbewohner gehen ja auch einer geregelten Arbeit nach und verdienen Geld. „Dieses Leben schafft durchaus einen bewussten Umgang mit den Ressourcen. Auch die Gemeinschaft und der Zusammenhalt sind einzigartig.“ Manchmal finden auf dem Platz auch Konzerte statt, die Bewohner kochen gemeinsam, helfen sich und pflegen auch den Kontakt zu anderen Wagenbewohnern woanders. Je länger Milan erzählt, desto mehr kann ich mir vorstellen, wie schön es hier im Sommer ist – fast wie Campingurlaub: mit Freunden unter Bäumen sitzen, quatschen, Musikhören und grillen. Klingt eigentlich nicht so schlecht, wenn man länger darüber nachdenkt.

 

 

 

 

 

Komm einfach einmal vorbei“, wenn es wärmer wird, sagt Milan. Er hat versprochen, dass er uns das nächste Mal auch noch sein Zuhause von innen zeigt. Im Moment schläft dort gerade seine Freundin, die er nicht wecken will.

Das verstehen wir natürlich – dennoch: die Einladung steht und wir werden die Wagenburg auf jeden Fall im Auge behalten.

Mal sehen, ob sie das nächste mal noch immer dort ist, wo sie jetzt steht.

 

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Kommentare

 

lieber milan! du bist komplett verrüüüüüüückt! bei dem wetter da draussen?!?! mannnnnnnn

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