3 Minuten mit Ebru K.

03. Juni 2019

„Ganz viel aufpassen“, rät Ebrus Mama ihr zu ihrem Berufsalltag. Ebru arbeitet immerhin in einer stark männerdominierten Domäne, und das auch noch im Gefängnis. Aber das ist nicht alles: Die 30-Jährige ist österreichweit die einzige Justizwachebeamtin mit türkischem Migrationshintergrund.

Von Aleksandra Tulej, Foto: Marko Mestrovic 

BIBER: Was genau machst du als Justizwachebeamtin?

EBRU: Meine Aufgabe ist unter anderem die Aufsicht von Gefängnisinsassen. Ich begleite Angeklagte in den Gerichtssaal, und wenn sie nicht freigesprochen wurden, dann wieder zurück in die Haftanstalt.

Was macht deinen Job spannend?

Die Unberechenbarkeit. Du weißt nie, was dich heute erwartet, wenn du deinen Dienst antrittst. Du triffst ja auch jeden Tag auf sehr viele unterschiedliche Menschen. Manche davon suchtkrank, manche psychisch krank. Aber ich wollte etwas verändern und Leuten helfen, deshalb habe ich diesen Beruf gewählt.

Was sagt deine türkische Familie zu deiner Berufswahl?

Meine Mama sagt immer, ich solle „ganz viel aufpassen“ (lacht). Das ist ein ungewöhnlicher Job für türkische Mädchen. Überhaupt ist das ja nach wie vor eine Mannerdomäne. Ich glaube, meine Familie in der Türkei kann meine Berufswahl nicht so ganz nachvollziehen. Aber ein Problem hat niemand damit. Bringt dein Migrationshintergrund Vorteile oder Nachteile in deinem Job? Eigentlich nur Vorteile. Da ich türkisch kann, passiert es schon mal, dass ich für türkische Insassen dolmetschen muss.

Warum glaubst du, gibt es so wenige Menschen mit Migrationshintergrund, die diesen Beruf ausüben?

Ich glaube, das liegt hauptsachlich an der Sprache. Bei der Aufnahmeprüfung, die aus drei Teilen besteht, ist ein Teil eben eine Deutsch- und Grammatikprüfung. Es gibt viele Menschen mit Migrationshintergrund, die in Wien aufgewachsen sind, aber trotzdem der deutschen Sprache nicht mächtig genug sind, dass sie diesen Beruf ausüben konnten.

Was war ein einschneidendes Erlebnis in deinem Job?

Einmal kam es vor, dass ich eine Insassin ins Krankenhaus begleitet habe, als plötzlich ihre Wehen einsetzten. Ich war dann die gesamte Geburt über dabei und am Schluss hat mir die Hebamme noch das Baby in die Hand gedrückt. (lacht)

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