3 Minuten mit Professor Migration

04. Juli 2018

Mit rund 32.000 kanadischen Dollar (ca. 21.000€) pro Jahr unterstützen private Sponsoren in Kanada geflüchtete Familien. Deren Integration klappt bestens, weil sie auch sozial integriert sind, sagt Craig D. Smith vom Global Migration Lab aus Toronto. 

von Andrija Perkovic, Foto: Susanne Einzenberger

Was können Österreich und die EU von Kanada lernen?

Die Flüchtlingspolitik in Europa ist zunehmend defekt. Eine Anregung wäre das kanadische Modell „Groups of Five“ zu übernehmen, bei dem fünf Freiwillige eine Flüchtlingsfamilie unterstützen. Das Modell ist staatlich reguliert und unterstützt damit die private Hilfe der Zivilgesellschaft für Flüchtlinge.

Wie wird man Sponsor in Kanada? Wie viel macht die Unterstützung aus?

Um eine geflüchtete Familie zu unterstützen, müssen sich mindestens fünf Personen verpflichten, im Voraus für ein Jahr den Unterhalt und eine Unterkunft bereitzustellen. Der Minimalbetrag ist abhängig von der Gemeinde, beläuft sich jedoch im Schnitt auf rund 32.000 kanadische Dollar (ca. 21 000 €). In der Regel stellen Sponsoren aber mehr Geld zur Verfügung und organisieren auch Sprachschulen und Weiterbildungsmöglichkeiten. Das führt zu einer besseren Integration. Zum Vergleich: Ein staatlicher Flüchtlingssachbearbeiter in Toronto muss sich im Schnitt um 40 Flüchtlingsfamilien kümmern. Das macht individuelle Betreuung und Integrationsarbeit schwieriger.

Wie werden Flüchtlinge ausgewählt? Gibt es Unterschiede zwischen staatlich betreuten Flüchtlingen und denen im Sponsorship-Programm?

Staatlich betreute Flüchtlinge werden unter anderen Kriterien ausgesucht als private. Die Auswahl erfolgt primär aufgrund von Hilfsbedürftigkeit – oft in Kooperation mit dem UNHCR. Es sind vor allem Menschen, die schnellstmöglich das Land verlassen müssen. Alleinerziehende Mütter mit Kindern, Menschen mit Behinderungen, oder solche, die unter eminenter Lebensgefahr stehen. Privat gesponserte Flüchtlinge müssen natürlich auch internationale Kriterien für Asylschutz erfüllen. Sie werden aber von den Sponsoren ausgesucht und im Visa Office nominiert. Der Staat gibt dann sein Ok oder eben nicht. Privat unterstützte Flüchtlinge haben im Schnitt einen höheren Bildungsstandard und bringen stärkere sprachliche und berufliche Kompetenzen mit.  

Sie finden dann auch leichter einen Job? 

Nach fünf Jahren haben privat versorgte Flüchtlinge die gleiche Arbeitslosenrate wie Kanadier. Nach zehn Jahren verdienen sie sogar besser als der Durchschnitt. ABER: Das gilt natürlich nicht für alle: Denn die Idee, dass die Integration eines Flüchtlings bemessen wird anhand seiner „Arbeitsfähigkeit“ ist gewissermaßen absurd. Geflüchtete Menschen sind oft verwundbar, alt und traumatisiert. Deren Integration einzig daran zu messen, ob sie einen Job finden, ist fragwürdig.

INFOBOX:
Name:Craig Damian Smith
Position: Associate Director, Global Migration Lab 
Universität: Munk School of Global Affairs
Besonderes: Bevor er die Akademiker-Laufbahn einschlug, war er Tischler.

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