3 Minuten mit Stefan Lenglinger

13. September 2019

Viele Menschen sprechen Stefan Lenglinger auf Englisch an – dabei ist der 26-jährige ORF-Journalist in Wien geboren und kann besser Deutsch als die meisten Stefans. Über Verwandtenbesuch in Ghana, seinen Fußball-Youtube-Channel und Vorbild sein, ohne eines sein zu wollen.

Von Joan Wermann, Fotos: Sophie Kirchner


ORF, Stefan Lenglinger
Sophie Kirchner

BIBER: Stefan Lenglinger ist kein Name, bei dem man unbedingt ghanesische Wurzeln vermuten würde.

STEFAN LENGLINGER: Meine Mutter kommt aus Ghana, der Vater aus Oberösterreich. Ich habe auch noch den zweiten Vornamen „Ayitey“ von meiner Mutter bekommen. Meine Eltern sind verheiratet und ich trage den Nachnamen meines Vaters.

Du bist Vorbild in der afrikanischen Community. Ist dir das bewusst?

Ich fühle mich geehrt, wenn ich solche Preise wie den „Black Austrian Award“ bekomme (Anm. d. Red.: Kategorie „Medien“). Ich wurde öfters von schwarzen Menschen in der Öffentlichkeit angesprochen, die sich durch meine Präsenz repräsentiert fühlten. Als Vorbild sehe ich mich persönlich trotzdem nicht.

Bei der Vorstellung des Magazin 1, das du abwechselnd mit Lisa Gadenstätter von Montag bis Freitag auf ORF 1 moderierst, sagtest du: „Ich wache nicht jeden Tag auf und denke mir: Ich bin schwarz.“ Wie oft wirst du von anderen daran erinnert?

Es passiert nicht häufig aber doch. Manche Menschen sind überrascht, wenn sie vorher am Telefon im Zuge der Recherche mit mir zu tun hatten und mich dann persönlich kennenlernen. Dann kommt meistens die ungläubige Frage: „Was? Wir haben telefoniert?“.

Was ist deine Reaktion darauf?

Das kommt auf die Häufigkeit an. Wenn ich in einer Woche zum vierten Mal gefragt werde, ob ich Basketball spiele, nur weil ich schwarz bin, dann kann ich auch mal unfreundlich werden. Oder wenn die Menschen meinen, mich auf Englisch ansprechen zu müssen. In den meisten Fällen nehme ich es aber mit Humor.

Und, spielst du Basketball?

Kicken ist meine Leidenschaft. So habe ich vor dem Journalismus schon etwas im Mediengeschäft geschnuppert. Als 16-Jähriger habe ich meinen eigenen Youtube-Kanal „Carilho90“ betrieben. Dort habe ich jungen Fans Fußballtricks gezeigt (Anm.d.Red.: knapp 50.000 Abonnenten). Ich hatte insgesamt an die zehn Millionen Videoviews, was mich selbst überrascht hat.

Wann geht’s wieder zu den Verwandten nach Ghana?

Nächste Woche! Dort werde ich klassischen Urlaub machen: Barfuß Fußball spielen am Strand, Verwandte besuchen und natürlich viel essen. Meine Lieblingsspeise ist „Jollof Rice“, ein Reisgericht, oft mit Fisch. Meine Mutter kann das extrem gut zubereiten, ich selbst traue mich noch nicht drüber. (lacht)

Wer ist er?
Alter: 26
Geburtsort: Wien
Beruf: Moderiert "Magazin 1", Montag bis Freitag 18:10, ORF 1

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