3 Minuten mit...Rayouf Alhumedhi

01. Dezember 2017

Rayouf Alhumedhi ist die Schöpferin des „Kopftuch-Emojis". Dafür wurde die 16-Jährige vom TIME-Magazin unter die 30 einflussreichsten Teenager der Welt gewählt. Aber was sagt die Wiener Schülerin dazu, wenn Frauen gezwungen werden ein Kopftuch zu tragen?

Foto: Sophie Kirchner
Foto: Sophie Kirchner

Interview: Salme Taha Ali Mohammed, Foto: Sophie Kirchner 

Was sagst du zu Leuten, die dein Emoji als Islamisierung bezeichnen?

Ich wusste gar nicht, dass ein Emoji so was Weltbewegendes machen könnte. Wie soll das bitte gehen? Das ist ja irrsinnig. Es leben viele Muslime in Österreich. Was für einen Sinn hat es also, eine größere Kluft zwischen uns zu schaffen, anstatt die Vielfalt in unserer Gesellschaft zu feiern?

Was hältst du davon, dass viele Frauen auch zum Kopftuchtragen gezwungen werden?

Dass das Unterdrückung von Frauen ist, kann man nicht leugnen. Aber ebenso ist es Unterdrückung Frauen zu zwingen, es nicht zu tragen.

Du hast in Saudi-Arabien, Deutschland und Österreich gelebt. Als was identifizierst du dich?

Nach meinem Reisepass bin ich zwar Saudi, aber ich habe sehr lange in deutschsprachigen Ländern gelebt, wo ich internationale Schulen besucht habe. Ich würde sagen, ich bin eine Saudi, die in einer internationalen Gemeinschaft in Wien lebt.

Dein Vater ist Diplomat. Was hält er von deinem Emoji?

Er ist sehr stolz auf mich. Als die Medien letztes Jahr das erste Mal über mich berichtet haben, lebten wir noch in Berlin. Eines Tages hat er mein Gesicht auf der Titelseite einer Zeitung gesehen, und er hat sich so gefreut, dass er gerufen hat: „Das ist meine Tochter!“

Wieso hast du mit 13 angefangen, ein Kopftuch zu tragen?

Das Kopftuch gibt mir das Gefühl, näher zu Gott zu sein. Das bedeutet aber nicht, dass jemand ohne Kopftuch nicht ebenso eine enge Verbindung zu Gott haben kann. Es ist auch Ausdruck meiner Identität: Ich bin stolz darauf Muslima zu sein, und dass es das Erste ist, das Menschen über mich wissen.

Du kickboxst?

Ja! Es gefällt mir zu wissen, dass ich mich in einer brenzligen Situation verteidigen kann.

Dein Rat an muslimische Frauen?

Gebt nicht auf! Seht die Grenzen, die man euch setzt, als Antrieb, um die Welt zum Guten zu verändern.

INFOBOX:

Name: Rayouf Alhumedhi

Alter: 16

Geburtsort: Saudi Arabien

Besonderes: Sie hat Apple davon überzeugt, ein „Kopftuch-Emoji“ einzuführen, besucht die Vienna International School, und will muslimische Mädchen in der Zukunft dazu ermutigen, mehr in der Computerbranche Fuß zu fassen. 

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