Alles für die Tonne - Das Müll-Experiment

03. Juni 2019

In Lunzerns Maß-Greißlerei geht verpackungsfrei Einkaufen easy. (c): Christoph Liebentritt
In Lunzerns Maß-Greißlerei geht verpackungsfrei Einkaufen easy. (c): Christoph Liebentritt

Wie viel Müll du jede Woche produzierst? Willst du sicher gar nicht wissen. Redakteur Stefan Pscheider hat den Müll gehortet, den er eine Woche lang verursacht hat, und erzählt, wieso jeder einmal so ein Selbstexperiment wagen sollte.  

Von Stefan Pscheider, Fotos: Christoph Liebentritt

Frühjahr 2019. Mit 20 vollen Müllbeuteln verlasse ich im Zuge der #trashtag-Challenge gemeinsam mit drei Freunden die Wiese hinter dem Nordbahnhof. Zwei Stunden lang sammelten wir Müll und waren erstaunt darüber, was hier alles so rumliegt. Einkaufstüten, Verpackungen vom Lieferservice, Kupferdrahtreste und unzählige Getränkedosen. Wir füllten Säcke, was das Zeug hielt. Ich habe mir anschließend einige Gedanken gemacht und mich gefragt, wie viel Müll ich eigentlich selbst produziere. Aus diesem Grund startete ich mit dem Selbstexperiment: Eine Woche lang Müll horten.

DER GROSSE SCHOCK

Schon an Tag eins bemerkte ich meine unachtsame Vorgehensweise. Zwischenzeitlich musste ich meine entsorgten Kekspackungen, Flaschen und Taschentücher aus öffentlichen Containern wieder herausfischen, weil ich das Experiment für kurze Zeit vergessen hatte. Mir wurde bewusst, wie selbstverständlich „Entsorgen“ für mich ist. Nach der Mittagspause machte ich erstmals große Augen, als ich den entstandenen Abfall beiseite schaffte. In Eile holt man sich oft ein belegtes Brötchen plus Getränk vom Supermarkt und dazu noch einen Schokoriegel oder Sonstiges. Alles schön verpackt, in Unmengen von Plastik.

DIE EINSICHT

Am zweiten Tag fiel mir auf, dass sich das Experiment bereits auf mein Verhalten auswirkte. Zögernd griff ich zum Joghurt im Plastikbecher und machte mir generell über alles, was ich kaufte, mehr Gedanken. In der Mittagspause des nächsten Tages ging ich, mit einer Tupperdose bewaffnet, zum Asiaten. Ich bekam zuerst einen seltsamen Blick, als ich den Koch darum bat, das Essen in die Box zu geben. Aber grundsätzlich war es kein Problem.

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DIE VERÄNDERUNG

In öffentlichen Toiletten trocknete ich nun meine Hände großteils mit einer ordentlichen Schüttelbewegung. Manchmal diente meine Hose als Handtuch, um das Verwenden der Papiertücher so gut wie möglich zu vermeiden. Auch sonst machte ich mir immer mehr Gedanken: Ich versuchte Jutebeutel, Glasflasche und Tupperdose immer mitzunehmen, doch ich vergaß hin und wieder darauf. Der Müll häufte sich dementsprechend. Ich merke immer mehr, wie wichtig dieses Experiment für mich ist. Früher ging ich in den Supermarkt, kaufte oft nur Lebensmittel für einen Tag. Also beschloss ich, nicht mehr einkaufen zu gehen. Und ich habe es tatsächlich bis Tag sieben geschafft.

Das Experiment war nun vorbei, aber was habe ich davon mitgenommen? Es braucht Zeit, aber bei mir waren sieben Tage genug, um mein Verhalten komplett zu überdenken. Das beschämende Gefühl in Bezug auf meinen Müllverbrauch hat mich wohl am meisten angetrieben, auch nach dem Experiment nicht aufzuhören. Von „Zero Waste“ bin ich noch weit entfernt, aber ich denke, dass jedes Plastiksackerl weniger schon mal ein Fortschritt ist.

WIE VIEL MÜLL MACHEN WIR?

Laut der MA48 produziert jeder Wiener jährlich rund 600 kg Abfall. Auf alle zusammen gerechnet sind das knapp eine Million Tonnen Abfall. Wo mir die unnötige Müllproduktion besonders auffällt, sind die Brottheken in den Supermärkten. Manche verfügen über Handschuhe zum Entnehmen der Brote. Zangen würden aber vollkommen ausreichen. Die Tüten zum Transportieren könnten auch vermieden werden, indem man eigene Stoffbeutel mitnimmt. Dasselbe gilt für Obst und Gemüse. Wieso wir das tun sollten? Die Zersetzungsdauer für den Müll, den einige auf die Straße werfen, ist nicht gerade kurz. 450 Jahre brauchen Plastikflaschen sowie Wegwerfwindeln, um sich zu zersetzen. Dosen ca. 200 Jahre. Bei Glas beginnt der Zersetzungsprozess bei 4000 Jahren. Die Aktion am Nordbahnhof hat bei mir einiges in die Wege geleitet, was einen nachhaltigen Lebensstil angeht. Mein Experiment öffnete mir die Augen und das kann ich jedem anderen auch empfehlen.

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