AMS - IM FALSCHEN FILM

29. Januar 2010

Ein AMS-Kurs verhilft Arbeitslosen zum neuen Job? Von wegen: Wir sahen „Ice Age“ und „Kevin allein zu Hause“, diskutierten über Frauen und Hunde und spielten Hangman. Dass das Internet ständig abstürzte, kümmerte die wenigsten: Sie spielten Computer-Spiele, statt nach Stellen zu suchen.

 

Ich bin arbeitslos und habe vor Kurzem einen Kurs beim AMS besucht. Die Kurse sollen bei der Jobsuche helfen, heißt es. Aber jeder, der schon selbst einen AMS-Kurs besucht hat, weiß, was dort wirklich läuft. Der Kurs dauerte einen Monat, von Montag bis Freitag, täglich drei Stunden. Die meiste Zeit wurde über Themen diskutiert, die überhaupt nichts mit der Jobsuche zu tun haben, wie zum Beispiel Religion, Frauenrechte, oder dass den Österreichern Hunde viel lieber sind als Kinder. Sobald den Kursleiter/innen die Ideen ausgegangen waren, sahen wir Filme wie „Gangs of New York“, „Kevin allein zu Hause“, „Besser geht’s nicht“ oder „Niavaranis Kühlschrank“. Der einzige Film, der mit Beruf und Karriere zu tun hatte, war der IKEA-Film mit dem Geschäftsgründer Ingvar Kamprad. Nach jeder vollen Stunde gab es bis zu 15 Minuten Pause, doch die meisten hielten sich nicht daran und kamen später.

5-Sterne-Striptease-Lokal

Ansonsten wurde den Kursteilnehmern beigebracht, wie man „korrekte“ Bewerbungen und Lebensläufe erstellt. Das Einzige, was halbwegs sinnvoll war, waren die Einzelcoachings. Alle Teilnehmer hatten zwei Mal pro Woche einen Termin für ein Einzelgespräch mit der Trainerin, in dem man intensiver betreut wurde. Hat zwar nicht viel geholfen, doch ein paar Tipps waren schon dabei. Am meisten Spaß gemacht hat mir aber die Erstellung eines Businessplans gemeinsam mit den anderen Teilnehmern, bei dem die persönlichen Fähigkeiten zum Einsatz kommen sollten. Wir haben festgestellt, dass wir gemeinsam das Zeug dazu haben, ein 5-Sterne-Striptease-Lokal zu eröffnen. Monatlicher Lohn pro Kopf: 5000 Euro netto. Das wäre mal ein Traum, oder? Vom Arbeitslosen zum reichen Edelpuff-Besitzer! Als wir festgestellt hatten, dass wir damit eventuell mit der Mafia oder anderen dubiosen Geschäften zu tun bekommen könnten, war der Traum ganz schnell wieder geplatzt.

Hangman statt Stellensuche

 

Ach ja, sobald mehr als fünf Personen – wir waren zu fünfzehnt – zur gleichen Zeit im Internet surften, stürzte es ab. An der Stellensuche hinderte das aber die wenigsten: Die meisten spielten sowieso Online-Games oder schauten sich Videos an, anstatt Jobs zu suchen. Bei einem früheren AMS-Kurs, den ich besuchen musste, lief es ähnlich: In der ersten Woche wurde uns beigebracht, wie man Bewerbungen und Lebensläufe erstellt. Ab der zweiten Woche saßen wir nur herum und taten nichts. Ab und zu spielten wir Activity, Hangman oder irgendwelche Würfelspiele. Zu sehen gab es „Ice Age 2“ und „Léon – der Profi“. Ein AMS-Kurs dieser Art ist also keine Garantie für einen neuen Job. Das wissen die AMS-Betreuer, die Kursleiter und auch wir Teilnehmer. In Wahrheit werden diese Kurse nur deswegen gemacht, weil so die Arbeitslosenstatistik besser aussieht. Wer an einem AMS-Kurs teilnimmt, gilt nämlich nicht als arbeitslos und es sieht so aus, als gäbe es in Österreich weniger Arbeitslose. Apropos: Wir haben gelernt, dass man nicht „arbeitslos“ sagt sondern „arbeitsuchend“. Ob das beim Jobfinden hilfreich ist, darüber könnt ihr selber urteilen.

 

Was sagt das AMS dazu?

AMS-Wien-Sprecher Hans-Paul Nosko:

„Das AMS macht laufend unangemeldete Kontrollen bei Kursen. Aufgrund der wirtschaftlich schlechten Lage hat die Zahl der Schulungen in den vergangenen Monaten zugenommen. Es kann leider Gottes sein, dass auch ein Institut zum Zug kommt, wo die Zusammenarbeit nicht so gut klappt. Die Kurs-Teilnehmer sollten solche Probleme unbedingt melden.“

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Kommentare

 

diese sozialen AMS-Projekte sind aber auch nicht ganz so unwitzig, vorausgesetzt man betrachtet sie als eine Art "soziologischer Feldforschung".

Man kommt mit Menschen zusammen, die aus den verschiedensten Berufsbranchen und sozialen Schichtungen kommen und mit denen man unter "normalen Umständen" nie zusammengekommen wäre.

Was ein positiver Aspekt ist, zum Vergleichen verschiedener "Lebenswelten" und zur Reflektion der eigenen. Man findet sowohl den Akademiker als auch die Putzfrau bei diesen AMS Kursen.
Wann würde man sonst diese zwei sozialen Klassen und Berufsbranchen zu einer Kommunikation und einem Austausch persönlicher Erfahrungen animieren.
Kommunikation hat das menschliche Kollektiv schließlich auch intelligent gemacht (...neben biologischen Evolutionsfaktoren).

Den Freundes- und Bekanntenkreis sucht man sich aus, die Kollegen in der Arbeitswelt nicht. Also gilt es zu lernen, wie man mit Menschen auskommt, mit denen man privat nicht unbedingt "best friend" wäre und man lernt miteinander zu funktionieren. Was genauso ein wichtiger Sozialisierungsprozess in der Arbeitswelt darstellt.

Das AMS ist zu einer "auszahlenden Verwaltungsstelle" geworden, die Kurse und das Arbeitslosengeld auszahlt.

Das einem das AMS einen Job gibt, ist heute eine unrealistische Erwartung, seit der Privatisierung des Armeitsmarktes durch diverse Leihfirmen und Human Resource Agenturen. Die einen suchen die billigsten Arbeitskräfte, die anderen die teuerste "Ich Aktie".

 

Wie mein Pseudonym hier schon verrät, bin ich als Trainer, zusätzlich zu meiner Selbstständigkeit, in diversen Projekten tätig. In Projekten, wo meiner Erfahrung nach sehr eifrig versucht wird, Jugendlichen oder Erwachsenen arbeitsuchenden Damen und Herren eine "neue Perspektive" zu schaffen.
Dem Kommentar von "radi" möchte ich gerne in dem Punkt recht geben, dass oftmals verschiedene Welten in solchen Kursen aufeinander treffen. Und es ein durchaus "positiver Aspekt" sein kann, wenn man Vergleiche zur eigenen Situation bekommt. Manche schaffen es dann sehr wohl, zu reflektieren und daraus ein Ehrgeiz zum ändern der Lebenssituation resultiert.

Ausnahmen bestätigen die Regel, heißt es so schön und entspricht auch der Tatsache, dass mitunter Personen in solchen Kursen sitzen, die sich vielleicht völlig Fehl am Platz fühlen mögen. Beschäftigt damit, sich mit negativer Energie zu beladen, was am Ende unweigerlich zur völligen Blockade führt. Eine Blockade sich selbst gegenüber, anstelle postives Denken möglich zu machen, wie ich mich vielleicht verändern kann. Als Beispiel die sogenannte "aktive Arbeitssuche" - Es soll simple erklärt, eine Unterstützung für das AMS sein, wo TeilnehmerInnen die Chance haben, sich mit professioneller Unterstützung an den Arbeitsmarkt anzugleichen. Eine gut strukturierte und fachmännische Bewerbung ist gerade in Zeiten wie diesen das "must have" Wer sich diese Hilfe entgehen lässt, begeht meiner Meinung nach einen Fehler. Man kann immer etwas verändern oder verbessern. Und wenn ich 10 verschiedene Layouts z.B von einem Lebenslauf oder einer Bewerbung habe ist daran nichts verkehrtes zu entdecken. Wer an dieser Stelle nicht einsieht, dass man es für sich selbst tut (und aktiv tun muss) und man sich selbst gegenüber verantwortlich ist, sollte tunlichst daran arbeiten, diese Einsicht zu erlangen. Heute ist Flexibilität und Eigenengagement mehr gefragt denn je! Und glauben sie mir, es ist oft nicht leicht für eine Trainerin oder einen Trainer, Leute zu motivieren die sowieso von Grund auf nicht wollen!
Ich lade die oder den anonymen VerfasserIn gerne dazu ein, sich mal als TrainerIn zu beweisen um dann erneut ein Feedback geben zu können. Ich bin überzeugt davon, dass es anders ausfallen wird, wie der oben verfasste Text "im falschen Film."
Ich persönlich, empfinde nichts schlechtes dabei, als Gruppendynamischen Prozess hin und wieder "Konzentrations-Ballspiele" mit TeilnehmerInnen zu spielen, oder als motivierendes Belohnungsprinizp in den letzten 1,5 Stunden, nach erfolgreich getaner Arbeit einmal einen Film zu sehen.
Ganz im Gegenteil!
Gruppendynamische Prozesse sind gerade aufgrund der "unterschiedlichen" Schichten eine unglaublich große Hilfe und teilweise ein "Muss", um etwaigen Aggressionen, die durchaus zum Teil vorhanden sind, entgegen zu wirken.
Um Berührungsängste und Blockaden zu lösen, um den Menschen zu einem erfolgreichen Weg führen zu können.
Denn wie soll jemand lernfähig werden und bereit sein können sich zu ändern, wenn einem hunderte andere Dinge durch den Kopf gehen und blockieren.
Auch das ist die Arbeit einer jeden Trainerin oder eines jeden Trainers.
Ein allgemeines Statement abzugeben ist die eine Sache, es "einseitig" zu verfassen eine andere. Richtig zu verstehen, die tatsächliche! Ich denke mir, wenn man ein Hintergrundwissen hat, ist es möglich nicht falsch zu suggerieren. Es sollte immer aus verschiedenen Blickwinkel betrachtet werden. Denn schlecht geredet ist leider sehr schnell etwas.
Ich möchte hier auch noch in aller deutlichkeit zum Ausdruck bringen, dass PC-Spiele oder dergleichen entweder auf den PC´s der TeilnehmerInnen erst gar nicht Möglich sind oder meiner Erfahrung nach sehr wohl unterbunden und verboten werden. Und es auch mal vorkommt, das jene Leute die meinen nur "spielen" zu können, den Kurs verlassen müssen.
Zudem verlangt es schon einem jedem Einzelnen ab, in Eigenverantwortung zu agieren, denn "als Aufpasser" von z.B erwachsenen arbeitsuchenden Personen, die im durchschnitt 30 Jahre oder älter sind, sehe ich mich als TrainerIn nicht! Denn wer nicht einmal in diesem Punkt Verantwortung sich selbst gegenüber wahrnimmt, oder irgendwo eine gewisse "Respektlosigkeit" gegenüber der Steuerzahlerin oder dem Steuerzahler an den Tag legt, die das ganze finanzieren und darauf bauen das hier geholfen wird, sollte für sich selbst lieber einen anderen Weg suchen und die kostbaren Plätzen in den diversen Instituten für Personen frei machen, die wirklich etwas für sich und ihr Leben positiv verändern wollen. Denn davon gibt es zum Glück doch noch genügend.

Es wäre an der Zeit, sich von einer gewissen "Opferrolle" zu verabschieden und tatsächlich die Dinge selbst anzupacken.
Denn alles ist nicht so schlecht, wie man es sich gerne mal selbst und anderen suggeriert.
Egal welches Institut und auch das AMS selbst, leistet gute Arbeit und es gibt immer Verbesserungsvorschläge, dennoch ist es heute nicht selbstverständlich, in einem Sozialstaat wie Österreich so gefördert zu werden wie es aktuell der Fall ist.
Tun und ändern muss es letzten Endes schon derjenige den es betrifft.
Unterstützung in einem Land wie Österreich findet man in denkbar guter Form, nicht zuletzt der Tatsache wegen, dass in allen Instituten zusätzlich SozialpädagogInnen, Einzelcoaching und gute Trainerinnen und Trainer täglich erneut bemüht sind, gute und faire Chancen für jede(n) Einzelne(n) zu schaffen. Nämlich einen Grundstein zu legen, damit wir alle weiterhin in einem sozial gerechten Land leben können.

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