Bare$: Rapper und Risikomanager

03. September 2019

Kronehit & Rap – das geht? Und wie! Der Wiener Rapper Bare$ lebt den Traum von der Musikkarriere, direkt von Simmering aus.

von Armin Nadjafkhani, Fotos: Sophie Kirchner

Bares, Rapper, Wien
Foto: Sophie Kirchner

biber: Am 29. September finden die Nationalratswahlen statt. Gehst du wählen?

Bare$: Ich gehe immer wählen! Wählen ist wichtig und jeder, der das Recht hat, sollte wählen gehen. Wen weiß ich noch nicht, nach der ganzen Hektik in der österreichischen Politik auch keine leichte Entscheidung. Eines weiß ich: Die FPÖ wird es nicht.

Weil du selbst Fluchterfahrung hast?

Ich bin in einem Flüchtlingsheim in Simmering aufgewachsen. Meine Eltern und die älteren Geschwister waren selbst auf der Flucht, das blieb mir erspart. In der Nähe vom Alberner Hafen hatte ich eine Super-Kindheit. Es war wie in einem kleinen Dorf. Jeder kannte jeden und man sorgte sich umeinander. Leid und Krisen schweißen auch zusammen. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass es solche Typen wie Ex-Innenminister Kickl in der Politik gab.

Du hast kurdischen Background – fühlst du dich an erster Stelle als Kurde oder Wiener?

Ich würde mich als Wiener bezeichnen, weil ich hier geboren und aufgewachsen bin. Das ist mein Zuhause, aber natürlich vergesse ich nicht, wo meine Wurzeln liegen (In Sulaimaniyya, Irak). Ich liebe Österreich und jeder, der hier lebt, sollte das auch so sehen.

Die Spannungen zwischen Kurden und Türken bemerkt man zum Teil auch in Wien. Wie empfindest du das?

Mein bester Freund und viele in der Crew sind aus der Türkei. Die Nation ist im Grunde genommen egal. Leider nehmen viele die Nationalität als einen Grund für Streit. Ich achte nur auf das Herz eines Menschen und gottseidank sehen das meine Freunde und meine Brüder auch so.

Du hast im Sommer einen Rap-Contest gewonnen, der von Kronehit veranstaltet wurde. Welcher Rapper hört heutzutage Kronehit?

Mein Freund Renas hat mir von dem Contest erzählt. Ich war selbst etwas überrascht, weil ich Kronehit nicht in der HipHop-Ecke gesehen habe. Zwei Wochen später riefen sie mich an und sagten, dass ich unter die Top-Fünf gekommen bin. Dann musste ich im Studio live rappen und gewann auch den ersten Preis: bei „Austria goes Zrce“ aufzutreten. (Zrce ist eine Party-Location in Kroatien, in der jeden Sommer Musiker aus aller Welt auftreten). Das war eine riesige Chance und ein Super-Erlebnis!

 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Am selben Festival hatte auch Raf Camora einen Auftritt – was bedeutet er für die österreichische Rapszene?

Er ist für viele in der Szene ein Vorbild. Raf Camora hat auch gezeigt, dass man den Fokus nie verlieren sollte und auch in schweren Zeit dranbleiben muss. Mit der Dancehall-Reggae-Schiene hat er damals angefangen und heute platzen die Charts. Es ist extrem geil zu sehen, dass ein Wiener so erfolgreich ist – wenn nicht sogar der Erfolgreichste im deutschsprachigen Raum.

Welcher Beschäftigung gehst du nach, wenn du nicht gerade rappst?

Ich arbeite bei der Uniqa und verkaufe Versicherungen – Risikomanager im Außendienst, genauer gesagt. Gottseidank ist die Firma flexibel, was meine Arbeitszeiten betrifft. Dadurch habe ich genug Zeit für meine Musik. Außerdem habe ich viel mit Menschen zu tun, was in der Musikbranche nicht anders ist.

Bisher hast du auf Spotify nur Singles, wann kommt ein Album?

Ich will Qualität! Die drei Singles, die ich bis jetzt offiziell veröffentlich habe, sind besser als 30 Songs von anderen Künstlern. Es ist eine EP geplant mit sechs bis sieben Songs. Sie soll spätestens Anfang nächsten Jahres rauskommen.

Bares, schwarzweiß, Rapper, Wien
Foto: Sophie Kirchner
wer ist er?

Name: Bares Said

Beruf: Rapper und Risikomanager

Alter: 25

Geburtsort: Wien

Bare$ empfiehlt: Soolking aus Frankreich und Ghali aus Italien, weil „Rap, aber melodisch“

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