Bei meiner Mama hängt ein Reinhard Fendrich-Poster mit dem Titel “I am from Austria”

08. März 2012

 

Elyas M´Barek ist einer der begehrtesten Nachwuchsschauspieler Deutschlands. Bis vor kurzem stand er für den Film “Türkisch für Anfänger”, der ab 15. März 2012 in den österreichischen Kinos zu sehen ist, als Cem der Türke vor der Kamera. Uns hat er erzählt wieso es aber gerade nicht drauf ankommt, woher man kommt.

 

Im Film “Türkisch für Anfänger” (TFA) spielst du einen Türken, wie auch in einigen anderen Filmen. Nervt es dich so oft als südländischer Typ für Rollen eingesetzt zu werden oder siehst du es eher als Karrierechance?

Ich spiel ja nicht nur Türken, auch Iraner oder sogar einen Österreicher in “Doctor´s Diary”. Der Türke ist halt am häufigsten, weil es in Deutschland die bevölkerungsreichste Migrationsgruppe ist. Ich sehe es als Chance, weil es mir um die Figur an sich geht. Ich bin froh, dass Migranten überhaupt eine Rolle spielen. Als ich vor Jahren mit der Schauspielerei angefangen habe, musste ich immer einen kleinen Drogendealer oder einen Verbrecher in der Schule spielen.

Könnte man sagen, diese Entwicklung spiegelt die Gesellschaft wider?

Ja, wobei Schwarze noch immer nur den Hotelpagen machen dürfen und Asiaten auch überhaupt nicht vertreten sind. In London beispielsweise wurde ich nie gefragt, woher ich komme. Dieses Miteinander kann man auch in deren Medien wiederfinden. Dort kommt´s einfach nicht drauf an, welcher Nationalität man angehört.

Würdest du lieber dort arbeiten?

Nee, ich fühl mich wohl in Deutschland und ich möchte auf gar keinen Fall weg. Wieso? Wollt ihr mich loswerden?

NEIN! Auf keinen Fall!

In Österreich würde ich gerne mal Filme drehen! Obwohl ihr schon alle begriffen habt, dass ich halber Österreicher bin, hab ich trotzdem noch keine Rollenangebote bekommen. Mit Josef Hader vor der Kamera stehen, das wär echt ein Traum.

Lass doch in Zukunft mehr den österreichischen Dialekt raushängen, den du in “Doctor´s Diary” ganz gut hingekriegt hast.

Naja! Euch darf ich das jetzt sagen, weil ihr Österreicher seid. Ich wollte einen viel derberen Dialekt sprechen, aber die haben mich nicht gelassen, weil sie Angst hatten, dass die deutschen Zuschauer das nicht verstehen würden. Deswegen hatten wir die Idee, die Figur des Maurice Knechtlsdorfer gar nicht österreichisch sprechen zu lassen. Stattdessen sollte er versuchen als Österreicher deutsch zu sprechen.

Wo liegen deine österreichischen Wurzeln?

Meine Mama kommt aus Oberösterreich.

Wieso ging sie nach Deutschland?

Sie ging zum Studieren nach München, lernte meinen Vater kennen, hatte einen fixen Job und wurde schwanger. Deswegen blieb sie in Deutschland, obwohl sie ursprünglich wieder nach Österreich zurück wollte. Auf ihren Anrufbeantworter sagt sie: “Hier spricht Frau M´Barek, eine der wichtigsten Vertreter meines Heimatlandes Österreich.” Sogar an der Eingangstür hängt ein Riesenposter von Reinhard Fendrich mit dem Titel “I am from Austria”. Sie steht drauf klarzustellen, dass sie Österreicherin ist. Und ihren Dialekt würde sie erst recht nicht abgelegen.

Redest du mit ihr auch im Dialekt?

Nee, ich sprech immer hochdeutsch.

Hast du auch zu Wien einen Bezug?

Tatsächlich war ich letztes Jahr das erste Mal in Wien als ich einen Freund besucht habe. Der hat mir ein bisschen die Stadt gezeigt. Wien ist richtig cool. Deswegen freu ich mich schon auf den 8. März, wenn ich zur Premiere für “Türkisch für Anfänger” zu euch komme.

Leider werde ich aber nicht lange bleiben können, weil ich auch bei der WOK-WM von Stefan Raab mitmache. Aber ich werde für das “Team Österreich” antreten!

Was ist deine Meinung zum Thema: Kulturelle Unterschieden?

Ich find´s nicht gut, wenn man ständig darauf herumreiten muss woher man kommt. Wenn ich mal Kinder haben werde, werden sie sich wie ich eher als Deutsche fühlen, obwohl sie durch meinen südländischen Einschlag gefragt werden könnten, woher sie sind. Meine Eltern haben das nie thematisiert und gaben mir nie das Gefühl anders zu sein. Deswegen kapier´ ich bis heute nicht, warum ich mich in der Außenwelt immer für meine Herkunft rechtfertigen muss.

Irgendwelche Nazis haben mich mal angepöbelt, ich solle zurück in mein Heimatland gehen. Aber wo ist denn Heimat? Soll ich nach Tunesien gehen, wo ich kein Wort arabisch spreche? Oder soll ich nach Österreich gehen wo ich aber eigentlich nicht aufgewachsen bin? In Österreich würden die Leute mich außerdem darauf ansprechen, warum ich deutsch spreche und nicht österreichisch.

 

Text: Sarah Al-Hashimi

 

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Kommentare

 

Jetzt bin ich verliebt! :)

Ein wirklich tolles Interview!

 

und ich erst :DDD

 

hab

hab den film gesehen: noch nie so schlechte schauspieler erlebt! sorry...

 

Also ich kauf Elyas auf jeden Fall den türkischen Pseudomacho ab und Josefine die zickige Emanze.

Die Nebenrollen Doris + Metin, Yagmur + Costar sind einfach nur entzückend!!!

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