"Blöde Witze motivieren mich!"

09. Juli 2015

Ballett ist nur was für Frauen und Mädels haben im American Football nichts verloren. Blödsinn, wie Rukaija, Paul und Caroline beweisen.

Von: Fatma Jawad und Anastasia Lopez

Ballett, Fußball, American Football, Sport
Foto: Marko Mestrovic

Paul Kofler (14) tanzt seit fünf Jahren Ballett am Konservatorium.

 

Biber: Warum gerade Ballett?

Paul: Mein Bruder, der ebenfalls die Ballett- und Bühnentanzausbildung am Konservatorium besucht, bat mich, mit ihm am Tag der offenen Tür die Ballettschule zu besichtigen. Da es mir dort so gefiel, fragte ich den Abteilungsleiter Nikolaus Selimov, ob eine Bewerbung für den Vorbereitungslehrgang ohne vorherige Tanzkenntnisse sinnvoll wäre. Er machte mir Mut und meinte, es wäre doch einen Versuch wert. Daraufhin nahm ich an der Prüfung teil und obwohl meine Leistungen im klassischen Bereich noch nicht bühnenreif waren, gab mir die Kommission die tolle Möglichkeit, die Tanzausbildung zu beginnen. Das war vor fünf Jahren und ich tanze noch immer.

Biber: Wie hat dein Umfeld darauf reagiert?

P: Sprüche wie „In welcher Frauenzeitschrift hast du bitte gelesen, dass Ballett ein cooler Sport ist? Willst du lieber in einem rosa Kleid tanzen, als auf dem Fußballplatz zu spielen?“, standen auf der Tagesordnung. Mittlerweile erkennen viele Bekannte Ballett als Leistungsport an.

Biber: Woran bemerkst du, dass es ein typischer Frauensport ist?

P: Der Männeranteil ist schlicht weg sehr gering. Die Faszination am Verkleiden, an Stoffen und Kostümen ist eher ein weibliches Attribut und löst bei Männern meist Befremdung aus.

Biber: Wurdest du schon mal blöd angemacht?

P: Leider wird die Männlichkeit von Balletttänzern oft in Frage gestellt. Die Meinung, alle Tänzer seien schwul, ist weit verbreitet. Für mich stellt das allerdings keine Beleidigung dar, denn ich kenne einige Homosexuelle, die sehr sympathisch sind und nehme es deshalb gelassen, wenn ich mit diesem Vorurteil konfrontiert werde. Tanz ist ein Sport, der ohne Männer nicht auskommt.

 

Ballett, Fußball, American Football, Sport
Foto: Paul Feuersänger

Caroline Mels (23) spielt seit 5 Jahren American Football bei den Vikings Ladies. Positionen: Fullback, Lineback.

 

Biber: Warum gerade American Football?

Caroline: Ein Freund war bei einem Verein tätig und hat mich dazu motiviert, einmal zu einem Ladys-Training zu gehen. Die Mädels haben mich dort so herzlich aufgenommen, dass mir die Entscheidung nicht schwer gefallen ist, weiterzumachen. Mittlerweile spiele ich schon in meiner fünften Saison.

Biber: Wie hat dein Umfeld darauf reagiert?

C: Meine Mutter war anfangs geschockt, als ich vom Reitsport zum „todbringenden“ Football übergegangen bin. Nachdem sie mich aber bei meinem ersten Spiel angefeuert hat und mitbekam, wie sehr mich aber dieser Sport Spaß macht, unterstützt sie mich sogar finanziell. Meine Freunde fanden es einfach cool. Manche haben sich anfangs Sorgen gemacht, da dieser Sport ein sehr hartes Image hat.

Biber: Woran erkennst du, dass es ein typischer Männersport ist?

C: Wenn man zum Damen-Training kommt und sich eine Kabine mit Männern teilt, da es sich für die vier Mädels nicht auszahlt, eine eigene Kabine zu nehmen. Das gemeinsame Training mit den Jungs war aber ein Riesenspaß. Immer mehr Mädels wagen sich zu den Probetrainings und stellen fest, dass dieser Sport für jeden Typ geeignet ist. In diesem Sport hat jeder Platz, ob Mann oder Frau.

Biber: Welche dummen Sprüche musstest du dir schon gefallen lassen?

C: „Frauen, die Football spielen, sind fett, hässlich und dumm.“, „Sie spielen nur Football, um die Männer aus dem Herrenteam aufzureißen.“ Also, wenn ich auf mein Team blicke, sehe ich nicht nur hübsche Frauen mit Prachtpopos und athletischen Figuren, sondern einen bunten Haufen unterschiedlicher Charaktere, die alle mit beiden Beinen im Leben stehen. Ganz normale Menschen eben, denen nur eins Spaß macht: den Gegner zu tackeln und hart zu hitten.

 

Ballett, Fußball, American Football, Sport
Foto: Marko Mestrovic

Rukaija Gürol (16) spielt seit sechs Jahren Fußball, Position Mittelfeld.

 

Biber: Warum gerade Fußball?

Rukaija: Mit etwa zehn Jahren sind mein Bruder und ich oft mit unseren Nachbarn Fußball spielen gegangen. Ich habe mit der Zeit immer öfter und immer besser gespielt und bin dann in einem Verein gelandet.

Biber: Wie hat dein Umfeld darauf reagiert?

R: Meine Eltern haben mich immer unterstützt, sie gehen selber sportlichen Aktivitäten nach. Für meine Freunde hat das nie eine große Rolle gespielt. Sie standen mir immer zur Seite.

Biber: Woran bemerkst du, dass Fußball ein typischer Männersport ist?

R: Es kommt manchmal vor, dass Jungs Angst vor mir haben. Das versuchen sie mit blöden Kommentaren und Witzen zu überspielen. Das wiederum treibt mich mehr an!

Biber: Wurdest du aufgrund deiner Fußball-Leidenschaft schon einmal beleidigt?

R: Nein ganz im Gegenteil, ich werde oft gelobt.

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