Blog’ dich reich!

05. März 2015

Mit Outfit-Tipps, Fitnessplänen und Selfies haben einige Blogger eine höhere Reichweite als so manches österreichisches Top-Magazin. Deswegen hat unsere Redakteurin Alexandra Stanic die Wiener Blogger-Szene unter die Lupe genommen und die Frage gestellt, die alle interessiert: Kann man denn wirklich vom Bloggen leben?


von Alexandra Stanic

Es ist der Traum vieler junger Menschen, mit Bloggen Geld zu verdienen. Dazu braucht es aber mehr als nur Motivation und eine gute Idee: Blogger sind Fotografen, Redakteure, Marketingleiter, Art-Direktoren und Buchhalter in einem - sie erledigen die Arbeit eines ganzes Mediums. Die Blogs sind sehr persönlich und geben viel von dem Leben der Schreiberinnen preis. Aber kann man wirklich hauptberuflich Outfit- und Fitness-Tipps geben, Selfies machen und Restaurants testen? Ja, kann man. Wir haben mit vier Bloggerinnen gesprochen, die von ihren Anfangsphasen, ihren Einnahmequellen und ihrem Erfolgsrezept erzählen.

dariadaria
Maximilian Salzer

Eine davon ist Madeleine Alizadeh, die zu den erfolgreichsten Bloggerinnen in Österreich zählt. Die 26-Jährige führt ihren Blog dariadaria.com seit vier Jahren, mittlerweile kann man ihre Seite als Marke bezeichnen. Zahlen liefern den Beweis: Durchschnittlich hat sie im Monat eine viertel Million Besucher auf ihrer Seite. Dort lesen sie Beiträge über nachhaltige Outfit-Ideen für den Frühling, persönliche Weltansichten oder einfach Tipps, wie man sich am besten schminkt.

Zudem folgen Maddie 41.000 Menschen auf Instagram und 12.000 gefällt ihre Facebook-Seite. Aber was ist ihr Erfolgsgeheimnis, was macht ihren Blog aus? „Blogger müssen authentisch sein und professionellen Content liefern“, versucht Madeleine zu erklären. „Außerdem habe ich zwei Jahre ‚gratis‘ gearbeitet und viel Kraft und Energie in meinen Blog investiert.“ Das scheint Früchte zu tragen. In ihrer Anfangsphase hat sie 50 Euro pro bezahltem Blogeintrag erhalten, heute sind es 800 Euro brutto. „Das kommt den meisten viel vor, aber da ich Selbständige bin, muss ich all meine Einnahmen versteuern und mich selbst versichern“, relativiert sie die Summen. Madeleine arbeitet mit namhaften Unternehmen wie Jeep, Gucci oder Zalando zusammen. Im Dezember war sie als einzige österreichische Bloggerin auf einer Chanel-Show in Salzburg und hat mit Karl Lagerfeld diniert. „Dieses Event ist eins meiner größten Erfolge“, schwärmt die ausgebildete Fashion-Fotografin.

„Ich werde auf der Straße erkannt.“

dariadaria
Maximilian Salzer

Solche Veranstaltungen und Pressereisen sind ein Grund, warum Blogger sein zum Traumberuf geworden ist. Davon alleine kann man aber nicht leben. Es gibt drei Grundpfeiler, wie man mit einem Blog Geld verdienen kann. Zunächst gibt es die klassische Banner-Werbung, wie sie auch bei Online-Medien üblich ist. Unternehmen schalten auf der Seite der Blogger. Eine weitere Möglichkeit sind „Affiliate“ Einnahmen. Hier unterscheidet man zwischen CPC (Permission per Click) und CPS (Permission per Sale). Die Einnahmen entstehen dadurch, dass Leser entweder auf den von den Bloggern geteilten Link klicken oder über den Link etwas kaufen. Beispiel: Postet Madeleine einen Link und ihr klickt darauf oder kauft etwas über diesen Link, erhält sie einen Prozentsatz des Gewinns. Die lukrativste Möglichkeit Geld zu verdienen sind aber Kooperationen mit diversen Firmen. Da kommen größere Beträge auf einmal zustande. Von den meisten Bloggern werden bezahlte Beiträge auch als solche gekennzeichnet. Wie solche Posts aussehen? Auf dariadaria.com ist zum Beispiel ein Beitrag über die Umgestaltung ihres Wohnzimmers zu lesen, im ersten Absatz steht: „Das Prachtstück des Raumes ist unser Sofa von Interio (Modell “Tucson”).“ Sowohl Interio, als auch das Modell sind verlinkt. Am Ende des Beitrags ist zu lesen: „In freundlicher Zusammenarbeit mit Interio.“


Aber Bloggern geht es nicht nur um große Kooperationen und das schnelle Geld. dariadaria.com beispielsweise nutzt ihre Reichweite, um nachhaltige Mode zu fördern. Deswegen lehnt sie 80 Prozent der Anfragen von Agenturen und Unternehmen ab. „Wenn ich mich nicht mit einer Firma oder einem Produkt identifizieren kann, sage ich nicht zu“, stellt Madeleine klar. Trotzdem hat Madeleine einen Praktikanten angestellt und verdient durchschnittlich 2000,- Euro brutto im Monat. „Natürlich variiert das Gehalt, mal ist es mehr, mal etwas weniger - die Tendenz ist steigend“, spricht Madeleine ganz offen von ihren Finanzen. Mittlerweile wird die Wienerin mit persischen Wurzeln auf der Straße erkannt, vor allem auf Wiener Einkaufsstraßen. „Oft sind es auch Mitarbeiter von Unternehmen, die mit mir zusammenarbeiten wollen“, erzählt die 26-Jährige.


Hristina Micevska
Hristina Micevska
Oma versteht es nicht

Auch Hristina Micevska verdient ihr Geld mit einem Modeblog. Die 22-Jährige ist seit knapp einem Jahr selbständig und gilt als aufsteigender Stern der Fashionistas Österreichs. Im Februar gewann sie den „Madonna Blogger Award“, auch 2012 und 2013 wurde sie von Modemagazinen wie der Miss Style und der Woman gekürt.

Ihre Verwandten in Mazedonien verstehen aber noch nicht ganz, womit sie denn nun wirklich Geld verdient. „Es spricht sich langsam herum, dass ich hauptberuflich blogge“, erzählt Hristina lachend. „Wobei meine Oma wohl nie ganz nachvollziehen können wird, was ich den ganzen Tag mache.“ Dabei wurde die Fashionbloggerin auch schon von mazedonischen Magazinen und TV-Sendern interviewt.

Abgehoben ist Hristina deswegen nicht. Ganz im Gegenteil. Während des Interviews erzählt sie ganz unverblümt von ihrem Werdegang. „Während der Schule war das Bloggen eine Art Ausgleich“, erinnert sie sich. „Ich habe mich von internationalen Blogs inspirieren lassen und wollte anderen auch als Inspiration dienen.“ Also recherchierte sie, wie man mit einem Blog Geld verdienen kann, welche Hindernisse einen erwarten und startete Ende 2012 ihre Seite Fleur de Mode. Heute wird sie von Unternehmen wie Maybelline, H&M und L’Oreal kontaktiert, weil sie mit ihr zusammenarbeiten wollen - übrigens ist L’Oreal einer ihrer größeren Partner, der derzeit eine halbjährige Kooperation mit ihr führt.

Hristina Micevska
Hristina Micevska
Das klingt alles so einfach, nicht wahr? Ist es aber gar nicht. Denn Blogger müssen oft mit Vorurteilen kämpfen und eine gerechte Bezahlung verlangen. Obwohl Geschenke ein nettes Schmankerl sind, decken sie nicht die monatlichen Kosten. Das wissen die zwei Mädels von Our Clean Journey (OCJ). „Ein schöner Lippenstift als Geschenk ist zwar toll, er bezahlt aber nicht unsere Miete“, erklären Luisa und Julia.

Die zwei Freundinnen und Unternehmerinnen haben den Blog OCJ vor knapp zweieinhalb Jahren gegründet. Auf ihrer Plattform geht es um gesunde Ernährung und Fitness. Luisa selbst lebt in München und führt seit fünf Jahren auch den Modeblog „Style Roulette“ mit über 104.000 Followern auf Instagram. Durch ihren Bekanntheitsgrad in Deutschland schaffte es auch OCJ zu einer hohen Reichweite: Mit ihren Fitnesstipps, Rezepten und veganen Essenskreationen inspirieren die beiden mittlerweile über 58.000 Menschen auf Instagram. Außerdem haben sie auf ihrer Homepage einen Online-Shop, wo sie Trainingsmodelle, Trinkbecher und Detoxpläne verkaufen. Vor Kurzem ist ein Verlag mit ihnen in Kontakt getreten, als nächstes großes Projekt steht ein Kochbuch an.

 

Intensiver Austausch mit den Fans

Our Clean Journey
Lisa-Maria Trauer
Die meisten Bloggerinnen werden von Unternehmen kontaktiert. Diese finden sie über Bloggerlisten von Agenturen, haben sie auf einem Social-Media-Kanal entdeckt oder auf einem Event kennengelernt. Oft passiert es auch, dass sie von Firmen angeschrieben werden, die der Meinung sind, ein (unaufgefordert) zugeschicktes Geschenk sichere einen Blogeintrag. „So funktioniert das aber nicht, wir müssen zu 100 Prozent hinter den Dingen stehen, für die wir Werbung machen.“ Luisa und Julia setzen beide auf einen intensiven Austausch mit ihrer Fangemeinde. Die Zwei sind keine Profis in den Gebieten Ernährung und Fitness. „Wir wollen Freundinnen sein, die persönliche Tipps geben“, erklärt Julia.

Die Mädchen von OCJ und Hristina von Fleur de Mode teilen sich ein Büro im 22. Bezirk. So versuchen sie eine Grenze zwischen Arbeit und Privatleben zu setzen. „Durch das Büro wollen wir geregelte Arbeitszeiten schaffen“, so Julia, die Geschäftsführerin der GmbH Our Clean Journey ist. Wobei das nicht so ganz klappt. „Es gibt weder eine 9-17h Woche, noch die Möglichkeit, einfach mal eine Woche blau zu machen und nicht zu arbeiten“, stellt die 25-Jährige klar.

Our Clean Journey
David Daub

 

Das weiß auch Madeleine von dariadaria.com. Auf die Frage, wie oft sie auf Instagram ist, antwortet sie lachend: „Ständig.“ Auch sie pflegt engen Kontakt zu ihren Lesern und versucht auf alle Fragen zu reagieren. „Ich bin sehr proaktiv, damit meine Follower auch einen Mehrwert haben“, erklärt sie ihr Social-Media-Verhalten.

 


Blogazine statt Modemagazin

Derzeit gäbe es in Österreich kaum Konkurrenz, erzählt Maddie. „Man kann an einer Hand abzählen, wer die wirklich erfolgreichen österreichischen Blogger sind“, stellt sie fest. Genau deswegen baut sie ihre Seite weiter aus. Derzeit ist die Aufteilung ihrer Einträge 30:70 - 30 Prozent sind bezahlt, 70 Prozent macht sie unbezahlt. Dazu gehören auch ihre YouTube-Videos. „Ich verdiene noch nicht wirklich Geld mit meinen Videos, das will ich aber in Zukunft ändern.“ Apropos Zukunft: Wie sieht die denn für Blogger aus? „Ich bin mir sicher, dass sich der Beruf Blogger noch mehr etablieren wird“, prognostiziert die 26-Jährige. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass dariadaria.com in ein paar Jahren mehr zu einem Blogazine wird - derzeit ist meine Seite ja ein persönlicher Blog.“ Auf die Frage, was ein Blogazine ist, erklärt sie: „Das ist eine Mischung aus einem Blog und einem Magazin, mehrere Autoren würden dann auf meiner Seite schreiben.“ Bis dahin bleibt eins klar: Die Blogosphäre boomt, die Blogger bringen frischen Wind und individuelle Sichtweisen in die Modebranche. Fashionmagazine sollten sich warm anziehen.

dariadaria
Maximilian Salzer

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