Burka und Schokokuchen

24. Juli 2010

Es war irgendwann am Nachmittag, als meine Nachbarin der unstillbare Heißhunger auf Schokokuchen packte. Kurzerhand schnallte sie ihr Baby um und machte sich auf den Weg zur Bäckerei gegenüber.

Während meine Nachbarin sich nun vor der Vitrine der schier unlösbaren Frage hingab, ob sie nun den Kuchen mit oder besser ohne Créme kaufen soll, stieg plötzlich der Geräuschpegel in der Bäckerei.

"Heast, Oma, putz sofurt die stinkade Scheiße von deim Hundsviech weg", kommt es von links. "Wos duat des dreckade Viech übahaupt do", tönt es von rechts. Und: "Hunde sind hier drinnen sowieso verboten, draußen ist ein riesengroßes Schild. Haben Sie das nicht gesehen?", zetert die Verkäuferin. Und zwischen all den empörten Menschen findet sich ein kleine, sehr alte Frau mit einem Yorkshire-Terrier, der seinen dünnflüssigen Haufen auf den gewienerten Boden der Bäckerei platziert hatte. Den Tränen Nähe versuchte die Frau das Missgeschick ihres wahrescheinlich einzigen Freundes mit einer Zeitung, die sie sich gerade gekauft hatte, zu beseitigen. "Jez schau da des o, de vaschmiert den Scheißdreck a nu am Boden. He Oma, putzen, ned regelmäßig verteilen!", meldete sich der Kunde von zuerst wieder zu Wort.

Die Tür ging auf und eine Burkaträgerin betrat das Geschäft. Sie ging zur Theke, bat die Verkäuferin um Putzmittel und Küchenrolle. Sie kniete sich auf den Boden, putzte alles sauber und half der alten Dame beim Aufstehen.

Plötzlich war es ganz still. Meine Nachbarin schämte sich in diesem Moment zu Tode, da sie sich eingestehen musste, dass ihr erster Gedanke nicht der war zu helfen, sondern dass es jetzt länger dauern würde, bis sie ihren Kuchen bekommen würde. Und dass es ihr leider gerade unmöglich sei der Dame zur Hand zu gehen, da es sich mit Baby im Tragetuch doch sehr umständlich putzt.Sie nahm ihre Einkäufe und verließ das Geschäft.

Nach einigen Metern machte sie kehrt und ging zurück, um sich bei der Unbekannten  zu bedanken.

"Das ist selbstverständlich", sagte diese "in meiner Religion achten und ehren wir die alten Menschen".

So viel zur angeblichen Bedrohung durch Burkaträgerinnen. Und zur christlichen Nächstenliebe in diesem Land.

 

Kommentare

 

War es wirklich eine Burka oder ein Tschador/Niqab o.ä.?
Ich habe buchstäblich noch nie in Österreich eine Frau mit Burka gesehen (außer bei einer Künstleraktion).

 

ich hab es nur erzählt bekommen, also weiß ich es ehrlich gesagt nicht so genau. wohl eher niqab, ich denke, da wirst du recht haben...

 

und nicht nur wegen.

in meiner religion tun wir das und das.....und was ist mit den anderen religionen oder den eingestandenen atheisten. das steht im letzten satz des blogs. so sehr kann eine religiös begründete (gute) tat zur herabstufung der anderen führen.

das ist ja das schwierige an religiösen menschen. viele sind logischerweise der ansicht, dass ihre religion die sei mit den höchsten moralischen standards.

 

wow

Respekt!!!

 

wie prolo muss man sein, um eine alte dame, die man nicht kennt, mit "oma" anzureden?

 

400 abrufe an einem tag. net schlecht

 

...sondergleichen!

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