"Da ist ja der Wurm drin" - Selbermacher

14. September 2018

Christoph Thomann würde keiner Fliege etwas zuleide tun. Aber einer Heuschrecke oder einem Mehlwurm? Mit Sicherheit!

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Text: Nada El-Azar, Fotos: Susanne Einzenberger

Uns wird von klein auf beigebracht: Was am Boden kriecht, isst man nicht“, sagt Christoph, am Tresen des Berber am Naschmarkt stehend. Hier gibt es einige Produkte seines Unternehmens Zirp bereits zu kaufen: Gefriergetrocknete Mehlwürmer und in Salz ausgebackene Heuschrecken in hipper Verpackung. Auch im nussig-schmeckenden Pesto wurmt‘s. Der 32-jährige, studierte Gesundheitsmanager kam zum ersten Mal durch einen FH-Kollegen mit dem Thema Insekten essen in Berührung. Jetzt, im verflixten siebenten Jahr, steht Christoph mit Zirp vor großen Herausforderungen. „Bisher bin ich eine One-Man-Show, und um das Thema auf höhere Ebenen zu bringen, brauche ich mehr Partner.“

NAHRHAFT UND NACHHALTIG

Was ist die Mission von Zirp? „Ich mochte die Menschen an eine gesunde Alternative zu Fleisch heranfuhren.“ Besonders im Punkt Nachhaltigkeit haben die Insekten die Fühler vorn. Für einen Output von einem Kilogramm Protein verbraucht das Züchten von Heimchen lediglich 2kg Futtermittel und wenig Wasser - im Gegensatz zum Rind, welches dafür 20kg Futter und ganze 16.000 Liter Wasser benötigt. „80 Prozent unserer Ackerflachen werden für die Produktion von Fleisch verwendet – das geht sich nicht lange aus“, sagt Christoph. Zwei Milliarden Menschen weltweit essen täglich Insekten, in denen Proteine, ungesättigte Fettsauren, Vitamine und weitere wichtige Bausteine enthalten sind. „Wir ekeln uns nur davor, weil wir so erzogen wurden. Auch ich musste mich natürlich überwinden.“ Wer sich nicht an den Anblick gewöhnen möchte, kann etwa aus Mehlwürmern ganz leicht ein nahrhaftes Mehl herstellen.

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UNGEZIEFER IN DEN MUND?

In den Anfangsjahren von Zirp war es schwer, an die Insekten für die Weiterverarbeitung zu kommen. „Wir sind tatsächlich ins Tiergeschäft gegangen, weil wir es nicht besser wussten“, lacht Christoph. „Aber wir haben nun Partner, die Insekten eigens für den menschlichen Verzehr züchten.“ Welche Tiere verarbeitet werden, entscheiden die Züchter. Die Mehl-und Buffalowürmer, die aus Kärnten kommen, eignen sich hervorragend für eine Massenzüchtung. Die Vorarlberger Wanderheuschrecken bleiben hingegen eine Delikatesse, allein dadurch, dass sie als Flug- und Schwarmtiere schwerer zu züchten sind. Ab Oktober sind Zirp-Produkte auch im Einzelhandel erhältlich.

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