Das Turbovolk von Favoriten

01. Februar 2012

Einst feierten die Türken hier die Nächte durch, nun geben die Jugos im „Club 34“ den Ton an. Star-Geschäftsführerin Marija Šerifović will möglichst viele Turbofolk-Fans von der Balkanmeile abziehen. Ob ihr das gelingt, prüft Alexandra Stanić.

 

GRIESGRÄMIG, AUFGEPLUSTERT, SUPERWICHTIG, zu weiblichen Gästen überaus charmant: Der Türsteher verspricht eine typische Balkan-Party-Nacht. Nachdem wir 15 Euro für den Turbofolk-Sänger und weitere zwei Euro für die Garderobe hingeblättert haben, kann der Spaß losgehen – oder auch nicht. Eine Kellnerin fängt uns ab, als seien wir Kriminelle. „Habt ihr reserviert? Nein? Wo wollt ihr hin? Links? Rechts? An die Bar?“, fragt sie wie ein Roboter. Die Bar soll es werden und schon steht die nächste Dame vor uns und fragt, was wir trinken wollen. Neun Euro für ein Red Bull und ein Mineralwasser – na bumm.

 

Nachtwerk reloaded

Endlich können wir mal durchatmen und uns umschauen. Die Location sieht wie eine schlechte Kopie des Nachtwerks aus. Die Dekoration, die die Lagerhalle etwas verschönern soll, verfehlt ihren Zweck. Die Einrichtung ist halbherzig und kühl. Wäre das eine für ein Rave-Festival gemietete Halle, würde es passen, aber sonst ist hier wenig Balkan-like.

Zumindest was das Aussehen der Besucher betrifft, haben die Balkanstraße und der Club 34 viel gemeinsam: Gezupfte Augenbrauen bei den Herren, kurze und knappe Outfits inklusive 15-cm-Highheels bei den Damen – und viel Solarium-Bräune bei bei den. Auf der einen Seite die aufgetakelten Volljährigen, auf der anderen die ältere Generation mit Jeans und Sneakers: Wer gedacht hat, hier gibt es etwas anderes zu sehen als in allen anderen Balkandiskotheken, der irrt.

 

Ceca im Anmarsch

Katharina, die Kellnerin, erzählt, was so abgeht. „Anfangs haben sich Türken und Jugos den Club geteilt, aber jetzt sind hier nur noch Leute aus Ex-Jugoslawien.“ Angeblich geht hier ständig die Party ab. „Vor allem für Konzerte ist es super. Sogar ein Auftritt von Ceca ist geplant“, verrät sie grinsend. Marija Šerifović, Gewinnerin des Eurovision-Songcontest 2007 und Besitzerin des Clubs hätte immerhin beste Kontakte zu den Turbofolk-Stars und könne sie ohne Mühe hierher bringen.

Sanela, eine eingefleischte Balkanstraßen-Gängerin findet nicht, dass hier die Party steigt. „Die Stimmung fehlt, vielleicht liegt es an der Musik.“ Bojan ist da ganz anderer Ansicht: „Endlich mal was Neues, nicht immer die gleichen Lokale, außerdem gibt es so viele verschiedene Bereiche“, lobt er den Club.

Also ab in diese Bereiche. Dort herrschen unterschiedliche Klimazonen. Während es im Shisha-Bereich eiskalt ist, kocht man im vorderen Bereich. Die Heizung über der Bar läuft auf Hochtouren. Gut, das ist ähnlich wie in anderen Ex-YU-Diskotheken. Wenn‘s heiß ist, wird mehr getrunken – ein alter Schmäh.

Box-Krampf

Die riesigen Boxen, die über den Köpfen der Masse hängen und ziemlich gefährlich wirken, brummen vor sich hin und verursachen Kopfschmerzen. An der Qualität wurde offenbar gespart, nach der Party werden wir mit einem Rauschen in den Ohren belohnt.

Fazit: Wieder nur ein neues Lokal in Wien, dass Turbofolk und überteuerte Preise fördert, nur etwas größer dieses Mal. Einen Vorteil hat der Club gegenüber den anderen Lokalen: Für Konzerte ist der riesige Raum geeignet, auch wenn 15 Euro für den serbischen Turbofolk-Sänger Sinan Sakic 15 Euro zu viel des Guten sind.

 

 

Club 34

10., Himbergerstr. 2

club34.at

                                                                                        Immer fesch: Die Gäste des Club 34.

 

Foto: Michele Pauty

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