Das undurchführbare Interview mit "DEM TSCHUSCH"

11. Januar 2009

 

Undurchführbare Interviews
 
                                                         Das Interview mit „Dem Taschusch“
von
Bogumil Balkansky
 
Es gilt ein Jubiläum zu begehen. DasBiber, eine Zeitschrift von und für MigrantInnen feiert sein Bestehen. Allerdings hat sich der Begriff Migrantin / Migrant in der Bevölkerung dieser Stadt nie so richtig durchgesetzt. Man sagt lieber: Tschusch. Ich habe deswegen beschlossen, dieses Interview mit ihm höchstpersönlich zu führen – dem Tschusch. (T)
 

BB:                 Sie sind „Der Tschusch“. Wären sie lieber „Der Migrant“?

T:                    Wollen Sie mich meiner Identität berauben? Oder sind Sie bloß scharf auf meinen Job, Sie Schreiberling?

BB:                 Weder noch! Ich dachte nur, Migrant ist nicht so beleidigend...

T:                    Beleidigend? Mich kann man gar nicht beleidigen! Nach allem, was ich durchgemacht habe...

BB:                 Verstehe: Auswanderung, Neuanfang, feindlich gesinnte Eingeborene...

T:                    Nein, Sie pathetischer Wortakrobat! Ich habe eine Wienerin geheiratet!

BB:                 Original Schwabofrau!?

T:                    Mädchenname: Kriwanek; geht´s noch originaler?

BB:                 Kaum! Was ist passiert?

T:                    Hat mich nur geheiratet, weil ich unten ein Haus hab´...

BB:                 Eine Villa?

T:                    Nein! Ein Wohnhaus mit Wohnungen. Ich vermiete an Albaner, wissen Sie...

BB:                 Zahlt sich aus, so eine Mietkaserne...

T:                    Och, ich bin zufrieden.

BB:                 Was ist passiert?

T:                    Die Kriwanek ist mit dem Sohn des albanischen Hausmeisters durchgebrannt. Und mit den Mieten für 6 Monate...

BB:                 Harter Schlag...

T:                    Na ja, hat auch was Gutes... ich hab mir jetzt eine Thailänderin aus dem Internet bestellt!

BB:                 Na dann...

T:                    Sie sagen es...

BB:                 Und die Leute da hinten? Sind das Ihre Kollegas?

T:                    Das heißt: Kollegen! Erster Fall Plural!

BB:                 Sie können aber sehr gut Deutsch!

T:                    Und das obwohl ich schon seit 40 Jahren in Wien lebe!

BB:                 Hmm... Also: Kollegen von Ihnen?

T:                    Ja... irgendwie schon. Der im Kebapstand ist „Der Kanak“, der Kerl mit der Pizzaschnitte im Maul ist „Der Itaka“ und der, der so schön tanzt ist „Der Neger“.

BB:                 Aha... Und der Herr neben dem Kamel?

T:                    No, was soll der sein? „Der Kameltreiber“! Aber im Brotberuf ist er Zeitungsverkäufer.

BB:                 Zukunftspläne?

T:                    Ich geh´ in Pension und werde den Balkan mit Halbasiaten überfremden!

BB:                 Na, dann! Danke für dieses Interview und... äch... viel Spaß!

 

 

Copyright 2008 Sreten Colic und Fish Blowing Bubbles GmbH Pienzauer Str.7 D-81679 München. Alle Rechte vorbehalten.
 

Bereich: 

Kommentare

 

Sehr kostlić!

 

.. Herr Bogumil. Hervorragend gut gelungenes Interview.

seymilo

 

aber jetzt sagen sie einmal tschusch - wo haben sie einen so gelehrigen, weltoffenen echt wiener journalisten her???

Das könnte dich auch interessieren

.
Ein Hero(j)! Ein Held! Das war mein...
Empowerment Special, Helin Kara, Zieh dich mal an wie eine richtige Fau
Oversized Klamotten sind voll im Trend...
Empowerment Special, Luna Al-Mousli, Sei netter zu den Österreichern
  Von Luna Al-Mousli, Fotos: Zoe...

Anmelden & Mitreden

14 + 6 =
Bitte löse die Rechnung