Dodik zeigt wieder sein sexistisches Gesicht

25. Januar 2021
 
Bosnien-Herzegowina ist ein Land, in dem wahrlich alles möglich ist. So kann einer der drei Staatspräsidenten nicht nur den Völkermord leugnen und den Staat demontieren, sondern auch Frauen rassistisch und sexistisch beschimpfen.

Gastkommentar von Nedad Memić
 
Ein Absurdistan – so wird Bosnien-Herzegowina oft genannt. Im Land, in dem das politische Chaos zur Tagesordnung gehört, scheint alles möglich zu sein. So auch, dass gewählte Vertreter*innen in den Staatsinstitutionen gegen die Interessen des Landes arbeiten, Entscheidungen des Verfassungsgerichtshofes ignorieren oder den Völkermord in Srebrenica offen leugnen. Das ist aber nicht alles: In Bosnien-Herzegowina können dieselben Politiker in öffentlichen Auftritten Frauen beschimpfen und rassistisch beleidigen. Ohne Sanktionen. Das hat diese Woche eines der drei Mitglieder des bosnisch-herzegowinischen Staatspräsidiums, Milorad Dodik, getan. Verärgert über die Entscheidung der staatlichen Wahlkommission über die Annullierung der Gemeindewahlen in Srebrenica und Doboj, fuhr dieser bei einer Pressekonferenz über die serbischstämmigen Mitglieder in der höchsten Wahlbehörde des Landes her. Eines davon ist Vanja Bjelica-Prutina, bosnische Serbin, die in einer multiethnischen Ehe mit einem muslimischen Bosniaken lebt. Für Dodik, einem Meister im Schüren von ethnischem Hass, Grund genug, um diese öffentlich zu beleidigen. So wurde Bjelica-Prutina ein "Drecksweib" ("fukara") genannt und ihre Ehe mit einem Bosniaken als Zeichen ihrer angeblichen "antiserbischen" Haltung diffamiert. Öffentlich, vor Journalist*innen. Chauvinistisch, rassistisch, sexistisch.
 
dodik, sexismus, bosnien, Vanja, Bjelica, Prutina
S_C_Central Election Commission Bosnia and Herzegovina
 
Solche Beleidigungen gehören zum Standardrepertoire dieses politischen Rüpels. Bekannt wurde auch seine rassistische Bemerkung, Muezzins würden von den Minaretten "heulen". Milorad Dodik ist aber nicht nur bei seinen Auftritten rüpelhaft, er ist vor allem ein gefährlicher serbischer Ultranationalist und Separatist, der die ethnische Spaltung in Bosnien-Herzegowina als wichtigstes Instrument seiner Macht nutzt und seit mehr als zehn Jahren das Land systematisch destabilisiert. Jeder, der öffentlich gegen sein Regime auftritt, wird als Verräter an den Pranger gestellt. Manche Aktivist*innen und Journalist*innen mussten deswegen die Entität Republika Srpska, in der er autoritär regiert, verlassen. Seine Handlungen bleiben ohne Konsequenzen. Die Justiz in Bosnien-Herzegowina ist – genau wie die Politik – zutiefst korrupt. Dodiks Leute kontrollieren viele Machthebel in den Gerichten auf der lokalen und nationalen Ebene. Dazu wird sein Regime aus Russland unterstützt – eine Strategie des Kremls, Krisenherde vor den Toren der EU zu produzieren, um die Letztere zu destabilisieren. Gleichzeitig fehlt es seitens der EU an einer klaren Haltung zum staatsfeindlichen Regime von Milorad Dodik. Nur die USA sprachen bisher Sanktionen gegen ihn aus.
 
In dieser Machtkonstellation kann der Ultranationalist, der bisher in jedem anderen Land längst hinter Gittern wäre, weiterhin ungehindert an der Destabilisierung Bosnien-Herzegowinas arbeiten und nebenbei Frauen sexistisch und rassistisch beschimpfen. Viele seine Wähler*innen verharmlosen oder goutieren sogar sein Verhalten. Bosnisch-herzegowinische Medien werden auch nach diesem Vorfall seine Auftritte nicht boykottieren. Unzählige Frauen- und Menschenrechtsorganisationen in Bosnien-Herzegowina und in der EU werden diesen Vorfall wahrscheinlich ignorieren oder in einer trockenen Pressemitteilung ihre Besorgnis zum Ausdruck bringen – wenn überhaupt. Schließlich werden EU-Botschafter*innen und -Politiker*innen diesen politischen Problemstifter, der längst alle Grenzen überschritten hat, weiterhin als Partner in Bosnien-Herzegowina betrachten. Frustrierend.

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