Einmal Gast, immer Gast

31. Mai 2010




Österreich ist wohl eines der gastfreundlichsten Länder der Welt. Schließlich leben hier seit Jahrzehnten „Gastarbeiter“. Wie mein Vater, der in der Pension endlich seinen Traum verwirklicht. Mit seinem neuen Schlitten gehts zurück in die Heimat. Güle güle Avusturya!

 

Von Linda Say

 

Tag ein, Tag aus plagte uns das schlechte Gewissen. Während wir Kinder in der warmen Stube saßen, mühte sich mein Vater von früh bis spät und bei jeder Wetterlage am Bau ab. Und das 36 Jahre lang, ohne auch nur einen Tag krank zu sein. Dementsprechend groß war die Freude, als die Pension winkte – und mit ihr eine fette Abfertigung.

Wie das hart verdiente Geld investiert werden sollte, war schon längst entschieden: Der Traum, der meinen Vater seit 36 Jahren begleitete, sollte endlich verwirklicht werden. Als junger Arbeiter war er in ein fremdes Land gekommen, um dieses mit ein wenig Erspartem und einem eigenen Auto bald wieder zu verlassen. Doch, wie so oft, wurden aus Jahren Jahrzehnte. Das ersehnte Luxusauto musste lange Zeit ein Traum bleiben.

 

Je größer, desto besser

 

Doch jetzt war es endlich so weit! Wer der treue Wegbegleiter meines Vaters werden sollte, stand nach einer familieninternen Diskussion letztendlich fest. Ein BMW kam nicht infrage, mein Vater war schon immer ein Ford-Lenker und wollte kein „Türkenauto“. Am Ende fiel die Wahl auf einen Nissan Qashqai. Größe spielt eben eine Rolle…

Als das Auto endlich, endlich (!) da war – die Familie konnte das Thema Auto nicht mehr hören – machten alle Verwandten eine Probefahrt und Fotos vom neuen Baby. Stolz und etwas verunsichert zugleich fuhr mein 65-jähriger Vater mit uns die erste Runde um den Häuserblock.

Mittlerweile hat er mit seinem Nissan auch schon einige Türkeibesuche absolviert. Jedes Mal staunen Familie und Freunde, wenn die „Silberrakete“ vorfährt. Der Flitzer ist aber nicht nur schnell, sondern auch geräumig: Auf dem Rückweg versorgt uns mein Vater massenhaft mit Turşu, Öl, Seifen und Gewürzen. Abwiegen war gestern.

 

Strandhaus statt Stadt

 

So ging der Traum vom Auto in Erfüllung. Aber nicht nur der: Heute ist mein Vater wirklich nur noch zu Gast in Wien. Wird es ihm hier zu langweilig, flitzt er mit seinem Nissan in Richtung Südtürkei, wo er es sich im Strandhaus gemütlich macht. Meine Mutter muss neidisch zusehen: Ihre Pension steht erst in einigen Jahren an.

Aber selbst dann wird mein Vater verlässlicher „Dauergast“ in Österreich bleiben: Ein Teil der Familie wird schließlich immer in Wien leben.

Zum Glück ist Österreich eines der gastfreundlichsten Länder der Welt…

 

 

Kommentare

 

haha...lustig. er mag kein be em wee tirkenauto :))))

 

toller artikel... ein strandhaus *seufz* ich würde es nie mehr verlassen !!!!

 

=)
ich auch nicht aber bis zu meiner pension ist's noch ein weilchen

 

zu meiner etwas kürzer :-).... aber auch noch zu lang :-))

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