Endlich keine Ferien mehr!

13. September 2019

Strandurlaub mit den Verwandten ist erziehungstechnisch wie ein Reset auf Werkseinstellung. Gut, dass der Kindergarten wieder losgeht. 

von Ivana Cucujkić  


Ich war immer schon ein Herbst-Mensch. Die Stadt schillert in satten Orangetönen, die Straßen sind gesäumt von Kastanienschalen, ich werfe meinen ersten Strick- schal der Saison um mein restsommerliches Spaghettiträgerkleid und schlendere mit einem Liebe-dich-selbst- Bestseller unterm Arm zur nächsten Holzbank in die Praterallee. Ich lebe mein bestes Carrie-Bradshaw-ich- bin-im-Einklang-mit-der-Welt-und-meinem-Avocado- Sandwich-Life. Aber das war einmal. 

Seitdem ich ein Kind habe, liebe ich den September umso mehr. Weil dann ist nämlich Schulanfang. Und der Kindergarten fängt endlich wieder an. Somit auch mein geregeltes Leben. Scheiß auf Kastanienromantik. Für Eltern ist eine offene Betreuungseinrichtung Self-Care to the fullest. Frühe Öffnungszeiten, geregelte Mahlzeiten, pädagogisch wertvolles Entertainment-Programm. Zeit. Struktur. Ordnung, täglich bis 17 Uhr. Ach. 

„HAT ER AUCH FERIJEN!“ 

Dinge, die ich seit dem Sommerurlaub verzweifelt versuche, wiederherzustellen. So ein Strandurlaub mit der halben Verwandtschaft sabotiert nämlich jegliche lang geübten Schlafrituale und Essgewohnheiten. Für meinen hellenischen Beach-Teint war die kostenlose Tanten- Babyanimation zwar total nützlich. Den Schaden trugen meine erzieherischen Prinzipien davon. Die wurden mir, wie die Kindsobhut, sehr selbstlos abgenommen und liegen neben dem Vorsatz, das Verdauungssystem meines Eineinhalbjährigen möglichst lange vor Zucker und Fast Food zu bewahren, irgendwo auf dem Grund der Ägäis. 

FETAKIPFERL-ANARCHIE 

„Hat er auch Ferijen!“, so der Argumentationsstrang der Erziehungs-Troika Oma-Tanten-Kellnerin aus der Dorf-taverna - bei meinem Protest gegen Gyros als Abendmenü. Seine Schlafenszeit ist 21h, nicht 23.30h. „Hat er auch Ferijen!“ Nein, Eis muss er wirklich noch keines probieren. „Hat er auch Ferijen!“ Dass ich mir meine Dinkelsticks in den Sand stecken darf, wenn Deda (Opa) mit frischen Fetakipferln lockt, ist ja wohl klar. Also kapituliere ich nach drei Tagen und geb’ mir die Tzatziki-Seite des Lebens. Hab ich auch Ferijen... 

ERZIEHUNG AUF RESET 

Zurück in Wien, zurück ins Chaos. Ohne Kindergarten, ohne Resturlaub. Mit im Gepäck ein verzogener Strand- Rabauke, der auch in Brigittenau bis Mitternacht Sirtaki tanzen möchte. Die Erziehung ist auf reset gestellt. 

Die Zeit bis zum Kindergarten zieht sich wie die Käsenudeln, die ich ihm nun täglich serviere. Mein Repertoire an abwechslungsreicher Kleinkind-Kulinarik und 24h Bespaßung ist ausgeschöpft. Bock hab ich aber auch keinen mehr. Kebap Box und YouTube müssen reichen bis 2. September. Der Junge muss weg. Zumindest von 8h - 17h. Meine Beach-Bekanntschaft und Dreifachmutti findet, das ist voll ok. 

Na bitte, einen Ouzo auf den Schulbeginn! Vielleicht kauf ich mir selbst eine Schultüte und setz‘ mich damit in die Praterallee. Esse Schoki und lese ein g’scheites Buch im Spaghettiträgerkleid. Bis 17h hätte ich ja Zeit. 

 

 

In Ivanas WELT berichtet die biber-Redakteurin Ivana Cucujkić über ihr daily life.

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