"Energieräuber meiden"

29. Oktober 2018

SCHLECHTE RATSCHLÄGE GIBT ES GENUG. FÜR BIBER VERRATEN DAHER TOP-MANAGER, SPITZENPOLITIKER UND SPITZENSPORTLER JENE ERFAHRUNGEN, DIE SIE IM LEBEN WEITER GEBRACHT HABEN.

DIESES MAL DER WIENER WIRTSCHAFTSKAMMER-PRÄSIDENT

WALTER RUCK

Text: Emira Abidi


BIBER: Haben Sie einmal einen guten Rat bekommen, der Ihnen im Leben geholfen hat?

WALTER RUCK: Ich glaube, wahrscheinlich nicht nur einen. Aber es gab keinen, von dem ich sagen würde, dass gerade dieser mein Leben entscheidend verändert hat. Ich denke, Rat bekommt man permanent, sehr viel gefragt und auch viel ungefragt.

Sie haben bloß 4 Jahre nach Ihrem Studienabschluss an der TU die Geschäftsführung der Baufirma Ihres Vaters übernommen. Welchen großen Herausforderungen waren Sie anfangs ausgesetzt?

Ich habe bereits studienbegleitend gearbeitet – das würde ich jedem raten und das machen auch meine Söhne so – und war relativ rasch mit 24 mit dem Studium fertig. So jung wird man in einer Leitungsposition nicht restlos ernst genommen – zumindest war das zu meiner Zeit so. Das war die erste große Herausforderung. Dann kamen die Erwartungen an mich, den Sohn des Geschäftsführers, aus dem Unternehmen selbst oder auch von Kundenseite hinzu. Und diesen muss man dann schon gerecht werden. Meine Söhne erleben das jetzt genauso. Die Messlatte liegt bei ihnen einfach höher als bei anderen.  

Waren Sie sich sicher, dass Sie das wollen?

Ja, soweit man sich am Beginn eines Weges sicher sein kann. Zurückerinnernd war ich mir sicher, dass das mein Weg ist. Ich bin Techniker mit Leib und Seele, also hat es mir durchaus Spaß gemacht. Noch dazu habe ich mich immer mit meiner Familie gut verstanden, so hat es noch besser gepasst.

Bereuen Sie gewisse Entscheidungen im Leben?

Aus meiner Sicht ist es so mit Entscheidungen: das Schlechte ist, sie nicht zu treffen. Und dann gibt es natürlich auch Entscheidungen, die falsch sind. Am Ende des Tages zählt bloß, dass man mehr gute als schlechte Entscheidungen getroffen hat. Das Einzige ist vielleicht, dass ich früh mit meinem Studium fertig geworden bin und gerne ins Ausland gegangen wäre, um eine TechnikerVision zu realisieren – z.B. eine Staumauer zu bauen. Ich bin aber grundsätzlich kein Mensch, der bereut, und ich habe ja noch Zeit, so etwas nachzuholen. Einer meiner besten Freunde war drei Monate in Südamerika und ist auf dem Dach eines Zuges quer durch den Kontinent gefahren. Vielleicht werde ich in der Pension den einen oder anderen Traum verwirklichen. Die Fahrt auf dem Zugdach wird es aber wohl nicht.

Wie viel soll man arbeiten? Wo ist die „gesunde“ Grenze?

Die Grenze ist, was man persönlich aushält und wie sehr es einem Spaß macht. Ich habe es für mich einmal getestet und es war ganz lustig. Damals habe ich mir eingebildet, ich hätte Kräfte ohne Ende, habe gegen halb 7 morgens zu arbeiten begonnen und bis zum nächsten Tag um 3 in der Früh durchgemacht. Nach ein paar Stunden Schlaf war ich wieder von 9 Uhr morgens bis 2 Uhr am nächsten Morgen in der Arbeit. Nach zwei Tagen habe ich mir mein Arbeitsergebnis und meinen Zigarettenkonsum angesehen – damals habe ich noch geraucht. Der Zigarettenkonsum war groß und der Outcome meiner Leistung eher gering. Deswegen erscheint es mir total schwachsinnig, für etwas 3 Stunden aufzuwenden, wenn ich es im ausgeschlafenen Zustand in einer halben schaffe. Fazit: Es ist bei jeder und bei jedem anders. Aber alle Menschen brauchen Schlaf, Erholung und Ausgleich.

Wie sollte man mit Personen umgehen, die einem alles schlechtreden und einen runterziehen möchten?

Ganz einfach: Energieräuber meiden. Das betrifft nicht bloß Personen, sondern auch Situationen. Wenn mir jemand nicht guttut, dann meide ich ihn/sie.

Welchen Rat würden Sie jungen Menschen geben, die gerade auf Karrierefindungssuche sind?

Ich knüpfe nochmal an meiner vorigen Aussage an: Die schlechteste Entscheidung ist keine Entscheidung. Wenn ich mehrere Optionen habe, die gleich attraktiv sind, und ich verschiebe die Entscheidung auf morgen, dann ändert sich der Zustand nicht. Wenn ich unentschlossen bin, unterhalte ich mich mit Freunden, denen ich vertraue. Ich verknüpfe ihre Überlegungen mit meinen eigenen und gehe dann meinen Weg. Aus meiner Lebenserfahrung ist somit die Nicht-Entscheidung schlechter als die falsche Entscheidung.

Wer ist er?

Name: Walter Ruck

Alter: 55

Beruf: Wiener WirtschaftskammerPräsident, Bauunternehmer und Interessenvertreter

Besonders: Nach seinem Studium des Bauingenieurwesens übernahm er als 24-Jähriger die Leitung der Baufirma W. Ruck, die sein Vater gegründet hat und in der nun auch seine Söhne mitarbeiten.

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