EUROVISION SONG CONTEST 2009 - Die Analyse

17. Mai 2009

Der diesjährige EUROVISION SONG CONTEST war eine Rekordshow in allen Belangen. Zum einen gab es diesmal ein Rekordbudget (insgesamt 24 Millionen Euro) zum anderen gab es am Ende des gestrigen Abends ein Rekordergebnis für den Sieger. Und dieser hieß, wie im Vorfeld bereits gemunkelt wurde, Alexander Rybak aus Norwegen. Mit seinem selbst komponierten Titel "Fairytale" holte sich der 23jährige, in Weißrussland geborene, Rybak mit 387 Punkten den Sieg. Yohanna aus Island folgt mit 218 Punkten und belegt somit mit ihrer Ballade "Is it true" Platz zwei. Die "Bronzemedaille" holt sich Aserbaidschan mit 207 Punkten. Das ist wohl eine der größeren Überraschungen des Abends wenn man bedenkt, dass der Text klingt als hätte ihn ein Vorschulkind geschrieben - einfach ein "seichtes" Englisch gepaart mit einer Möchtegern Marilyn Monroe, der immer wieder der Wind durch den Rock pfeift. Naja was solls, den Europäern hat diese Darbietung anscheinend gefallen. Aber es ist nicht nur bei Aserbaidschan der Fall: Heutzutage ist es ziemlich schwer wirklich Erfolg zu haben, wenn man nicht in Englisch singt. Jene, die ihre Lieder in der jeweiligen Landessprache darbieten, schneiden im Gegensatz zu den "Englischsingenden" doch deutlich schlechter ab. Aber was gebe es schöneres wenn wir um die 20 Sprachen hören könnten und damit der Songcontest dieses europäische Format, dieses völkerverbindend-musikalische Format, wiedererlangen würde, das ihn einst so beliebt und sehenswert machte?

     Nun gut, sehen wir uns mal die einzelnen Darbietungen extra an. Der ESC 2009 wurde durch Sasha Son aus Litauen eröffnet. Er versuchte sein Glück mit dem Lied "Love". Der Song an und für sich ist ganz nett, allerdings schaute am Ende nur Platz 24 (bei 25 Teilnehmern) heraus. Was solls, wenigstens hat das Land sich für's Finale qualifiziert, frei nach dem Motto "dabeisein ist alles!". Nächstes Jahr wird's besser!
      Startnummer 2 war Israel. Das jüdisch - arabische Duo Nora & Mira Awad versuchte zwar mit der Friedenshyme "There must be another way" das Publikum in ihren Bann zu ziehen, doch dieser Auftritt wird wohl (vor allem wegen des Intros) nicht in die Geschichtsbücher des ESC eingehen. Die politische Botschaft reichte am Ende immerhin zu Platz 16.
      Frankreich, im Vorfeld als einer der Favoriten gehandelt, ging als Dritter an den Start. Patricia Kaas, die das Lied am Todestag ihrer Mutter sang, konnte mit "Et s'il fallait le faire" endlich mal wieder ein positives Ergebnis für die "Grande Nation" einfahren. Man merkte ihr an, dass es ihr nicht gerade besonders gut ging, das Lied hatte eine depressive Note in sich. Letztendlich kann man dennoch sagen: 107 Punkte, Platz 8 - das war an diesem Abend das Maximum für Frankreich!
      Zu Schweden (Startnr. 4) will ich nicht einmal viele Worte verlieren, macht euch doch selbst ein Bild davon. Das einzige was mir bei "La voix" von Malena Ernman durch denk Kopf geht ist: "Mann? Frau?.....Mann?....Perücke?"
      Als Fünfter war Kroatien am Start. Igor Cukrov und Andrea versuchten mit "Lijepa Tena" das Optimum herauszuholen. An und für sich ein schöner Auftritt: Sowohl vom musikalischen, als auch vom choreographischen her. Und was für mich immer wieder schön ist: Endlich mal wieder ein Lied (abgesehen von Frankreich) das in der eigenen Landessprache vorgetragen wurde! Wenn man es dann noch versteht, ist es umso besser! Mir hat der Auftritt sehr gut gefallen. "Lijepa Tena" - ein schönes Lied, welches an Meer, roten Wein, Calamari und angenehme Adria-Winde am Strand erinnert. Dieser Auftritt hätte sich auf jeden Fall eine bessere Platzierung (wenn man sieht was für Lieder davor gelandet sind - ich sage nur Aserbaidschan) verdient gehabt, Platz 18 am Ende ist in dieser Hinsicht einfach nicht befriedigend!
        Der Feel-Good-Song von Portugal ("Todas As Ruas Do Amor" - Flor De Lis) landete mit 57 Punkten auf Platz 15. Ein absolut gerechtes Ergebnis und "Todas As Ruas Do Amor" - ein Lied, das ein typischer Kandidat für eine Ö3 - Dauerschleife wäre. Warten wir's mal ab....
      Die zweitplatzierte an diesem Abend, Yohanna aus Island, schaffte es mit "Is it true" auf Platz zwei. Ja, das kann man so hinnehmen. An und für sich ist die Ballade ganz schön anzuhören und sie erfüllt dieses typische Stereotyp - Herzschmerz und Trauer. Aber: Es kommt an, Congratulations!
      Startnummer 8 - Griechenland: Der Typ: billig. Der Text: billig. Die Musik: billig. Der Auftritt: noch billiger. Sakis Rouvas trällerte "This is our night" zwar einwandfrei herunter, der Auftritt an sich war aber einfach zum Lachen. Naja, so schlecht es auch war, mit Platz 7 kann sich "Hellas" sehen lassen!
      Als neunte an den Start gingen die armenischen Schwestern Inga & Anush. Ihr Titel "Jan Jan" erinnerte mich an einigen Passagen an Mile Kitic, das Lied hatte einfach das "Kitic-Element" in sich. Negativ an diesem Auftritt: Unverständliches Englisch und wenn man schon singt "Everybody move your body": Wieso steht man dann selbst wie angewurzelt da? Naja, der "dezente" Kopfschmuck hat die Leute wahrscheinlich vom Musikalischen abgelenkt, sodass am Ende ein respektabler 10. Platz herausschaute!
       Anastasija Prichodko ging nun für Russland an den Start. An Dima Bilan kam sie keine Sekunde ran und nach dem Auftritt war klar: Wenn Russland am Ende weiter vorne landet, dann auch nur weil es ehemalige Sowjetrepubliken wie Sand am Meer gibt. So war's dann auch: Mit einem schwachen Auftritt kam sie dennoch auf Platz 11. Kleiner Tipp für Anastasija: Vorm nächsten Grand-Prix bitte unbedingt zum Zahnarzt gehen!
       Der Drittplatzierte des heutigen Abends, Aserbaidschan, folgte als Startnummer 11 auf Russland. Diesbezüglich hab ich eh schon meinen Senf in der Einleitung dazugegeben. Naja....
     Als Zwölfte an diesem Abend waren meine Bosnier dran. Die Band "Regina" versuchte sich mit dem Titel "Bistra Voda". Schön, dass auch wir unserer Sprache treu blieben und keine englischen Experimente wagten. Über den Titel kann man streiten - für die einen ist es eine schön anzuhörende Ballade, für die anderen ein Lied zum Einschlafen. Ich sag's mal so: Je öfter man den Song hört, umso besser wird er einem gefallen. Vor allem in den Nachbarländern fand der Auftritt Reginas mit Sowjet-Ästhetik Anklang: Kroatien und Serbien gaben uns das Punktemaximum von 12 Zählern, ebenso 12 kamen aus Montenegro. Wenn man weitere hohe Punktzahlen, wie z.B. jene aus der Türkei, dazu addiert so ergibt das 106 Punkte - und damit einen guten 9. Platz für Bosnien-Herzegowina!
      Im Schnelldurchlauf Startnummer 13 bis 17: 13. Moldawien: Nelly Ciobanu, die Sängerin, sieht aus wie ein weiblicher St. Patrick und das Lied ist teilweise echt anstrengend! Am Ende: Platz 14. Startnr. 14: Malta = König der Löwen - Lied. Am Ende Platz 22. 15.: Estland. Das Gute-Nacht-Lied dieses Abends. "Rändajad" von "Urban Symphony" landete dennoch auf Platz 6 - Respekt! 16.: Dänemark. Ein ganz nettes Lied, ein typisches Radiolied. Hat mir ganz gut gefallen, der Sänger "Brinck" wirkte auch ganz sympathisch. Nebenbei: Sein Lied wurde von Ronan Keating komponiert. Mit 74 Punkten Platz 13 - mehr ging nicht. 17.: Deutschland. Sie versuchen's jedes Jahr aufs Neue, aber es haut nie wirklich hin. Nicht einmal wenn Dita von Teese aushilft. Ein primitver Text gepaart mit einem billigen Auftritt ergibt im Endranking Platz 20. Fazit: Absolut gerecht!
       Nun, viele waren's ja nicht mehr. Startnummer 18 war Hadise aus der Türkei. Was nicht alles im Vorfeld über sie geredet wurde. Ich dachte mir, dass erstens eine wahre Sexbombe auf die Bühne kommt und zweitens, dass das Lied deeeeeer Hammer ist. Und ich wurde in beiden Punkten enttäuscht. Hadise hat nix besonderes an sich, Englisch kann sie auch nicht wirklich gut und wer die zum Singen gebracht hat, der muss ja viel Ahnung haben. Die monotone Stimmlage (die nicht einmal auf oder abgeht!) reichte zu meiner Überraschung zum beachtlichen 4. Platz! Aber liebe Türken: Warum schon wieder englisch?! Grad ihr habt doch auf eurer Landessprache sicherlich mehr zu bieten als das....
        Albanien, Startnummer 19: hahahaha ich sag nur: GRÜNER SPIDERMAN! Ehrlich gesagt; diesen Auftritt möchte ich eigentlich nicht einmal näher kommentieren...das arme Kind....
      Der Siegertitel des Abends hatte also Startnummer 20. Nun war's so weit, Alexander Rybak war mit "Fairytale" dran. Das Lied klingt ein wenig nach "Alice im Wunderland" und er selbst sieht wie der Hase aus, der dort rumhoppelt. Mir hat das Lied nicht so sehr gefallen, dass ich es auf dem ersten Platz gesehen hätte, da gab es bessere. Aber es war ganz ok, immerhin hat er es selbst geschrieben und schön Geige gespielt. So sehen wir uns also nächstes Jahr in Oslo wieder, hier der Siegertitel:

Nun der billigste Auftritt nach Sakis Rouvas: die Ukraine mit Svetlana Loboda. Haha Mann Mann Mann....aus welchem Stripclub ist die bitte entlaufen? Scheiße gepaart mit Scheiße heißt am Ende Platz 12. Schade eigentlich, denn sie hätte deutlich schlechter abschneiden sollen..
      Startnummer 22 war Rumänien. Elena versuchte das Beste herauszuholen mit "The Balkan Girls". 2 Fragen: 1. Rumänien und Balkan? 2. Wie viele Rumänen haben das verstanden was sie gesungen hat? Ansonsten ist es ähnlich wie bei Aserbaidschan - nicht anspruchsvoll, aber aufgrund dessen, dass es eben "seicht" ist, "anhörbar"..
        Eines der Highlights des Abends war Großbritannien. Jade Ewen schaffte es mit "It's my time" (mit Andrew Lloyd Webber am Klavier!) das große ESC-Geberland, nach siebenjähriger Durststrecke, in die Top-10 zu holen. Das Lied wird zwar mit der Zeit etwas langweilig, aber eines hat man gesehen: Wenn Sir Andrew Lloyd Webber selbst applaudiert, heißt das, dass man seine Sache wirklich gut gemacht hat! So war's tatsächlich bei Jade Ewen - Platz 5 für sie und Großbritannien!
     Die beiden letzten Auftritte des gestrigen Abends, Finnland und Spanien, waren Möchtegern-Gangstashit und ein halbwegs erträgliches Tanzlied. Im Endclassement bedeutete das den letzten-, bzw. vorletzten Platz.

Soviel zum diesjährigen EUROVISION SONG CONTEST, bis nächstes Jahr in Oslo :D

Kommentare

 

Hadise hat mich nicht enttäuscht unter den Top 5 zu sein ist eine beachtliche Leistung. Eine wahre Sexbombe ist sie nicht muss sie aber auch nicht sein --> Siehe Malta.

Das Lied von Aserbaidschan gefiel mir auch. Bravo zu Bronze!

Mein Vorschlag für Eurovision Songcontest wäre dieses:

Es gibt keine Namen und man weiss auch nicht welches Land was singt.

Es wird gevotet. Und erst Später wird aufgedeckt welches Land wieviel Punkte hat.

Zypern an Griechenland... immer diese 12 Punkte.

Ich glaube die Griechen könnten wie stumm dort stehen und würden trotzdem ihre 12 Punkte bekommen.

Hier meine persönliche Punkteverteilung

1 Point Spain
2 Point Griechenland
3 Point Israel
4 Point Albanien
5 Point Kroatien
6 Point Norwegen
7 Point Armenien
_____________________________

8 Points Bosnien & Herzegowina
11 Points Rumänien
12 POOOOOOOOOOINTS ASERBAIDSCHAN

 

was war das für ne übertragung?

konnte aus eventgründen nicht von 20:15 mitverfolgen, aber dafür die wiederholung.

mir wurde aber mitgeteilt, dass der orf nur kurz die lieder im überblick gezeigt hat. danach gabs lifeball...
und dann um 23 uhr die abstimmung.

später wurde erst die gesamte show gezeigt.

nach der biber-story "songcontest"-verschwörung hab ich ganz gespannt nachgefragt, wie die balkanländer abgestimmt haben.
aussage meiner mutter: "im krieg verfetzen sie sich, beim songcontest lieben sie sich".

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