Fußballgott on Ice

10. Dezember 2011

Ilhan Mansiz tanzte einmal mit dem Ball – und die ganze Türkei jubelte. Jetzt tanzt er mit seiner Freundin auf dem Eis und will seine Nation wieder stolz machen.

„Kein Türke kann dieses Tor vergessen!“ So lautet ein Youtube-Video mit fast zwei Millionen Views. Zu sehen ist das Tor von Ilhan Mansiz gegen Senegal, mit dem er die Türkei bei der Fußball-WM 2002 ins Halbfinale schoss.
Bei der Winterolympiade 2014 in Sotschi können ihn seine Landsleute erneut bejubeln. Fußball bei der Winterolympiade? Nein, Mansiz wird dort nicht kicken – er wird Eiskunstlaufen.

 

Partner auf dem Eis und im wahren Leben

Seine Partnerin ist die slowakische Eiskunstläuferin Olga Bestandigova, seine Partnerin am Eis und Freundin nach Trainingsschluss. Sie motivierte ihn zu seiner zweiten Sportkarriere. Seit zwei Jahren trainiert der 36-Jährige Ex-Fußballer täglich mit ihr. Er trägt noch immer Fußballstutzen unter den Eislaufschuhen und ein Türkei-Dress beim Üben. Er trainiert verbissen, trotzdem wird er es schwer haben gegen die übermächtige deutsche oder russische Konkurrenz. Eine Medaille muss Mansiz aber gar nicht gewinnen. Schon die Teilnahme würde reichen, um ein weiteres Stück türkische Sportgeschichte zu schreiben.

Die Verwandlung

Ein Fußballer, der die Stoppeln gegen Kufen, das weite Fußballdress gegen ein hautenges Trikot tauscht; der Pirouetten dreht, anstatt sich in den Gegner zu werfen: Das ist wohl eine der ungewöhnlichsten Verwandlungen in der Sportgeschichte – in seinem Fall eine schmerzhafte.

Nach der erfolgreichen Fußball-WM 2002 wechselte der Beşiktaş-Spieler zur Überraschung vieler nicht zu einem europäischen Top-Verein, sondern zum japanischen Erstligisten Vissel Kobe. Das hatte nicht nur fußballtechnische Gründe. Seine Beliebtheit bei den japanischen Fußballfans und sein hoher Sexappeal bei japanischen Frauen spielten mit eine Rolle.

Die Karriere in Japan war von kurzer Dauer. Nach nur drei Spielen landete Mansiz wegen einer Knieverletzung auf der Bank. In der nächsten Saison versuchte er sein Glück bei Herta BSC in Deutschland. Hier war die Karriere noch kürzer. Wieder einmal hinderten ihn Verletzungen daran, seine WM-Performance zu wiederholen. Nach nur einem Einsatz in der ganzen Saison verließ er die Bundesliga wieder.  Enttäuscht kehrte der einstige Star in die alte Heimat zurück. Er spielte für Ankaragücü und es schien, als würde ihm das Comeback gelingen. Mansiz erzielte vier Tore in neun Spielen. Doch dann der größte Schock in seinem Leben: Als Passant wurde er von einem Auto angefahren. Nach dem Unfall war auch sein gesundes linkes Bein kaputt. Die Fußballkarriere war auf einen Schlag zu Ende.

Der Wellenbrecher

Mansiz, ein echtes Multitalent, ließ den Kopf nicht hängen und startete sofort eine neue Karriere – als TV-Star. In der Soap  „Doktorlar“ spielte er einen verletzten Sportler. Bei der Serie „Dalgakiran“ (Wellenbrecher) spielte er einen Fischer. Dort fing er nicht nur Fische, sondern war selbst gefangen im Netz gefährlicher Liebschaften und Intrigen. In der Quizsendung Para Taksi (türkische Umsetzung von Quiz Taxi) fuhr er als Taxifahrer durch Istanbul und stellte knifflige Fragen an seine Fahrgäste. Als er bei Buzda Dans (türkische Version von „Dancing on Ice“) mitmachte, schaffte er endgültig den Durchbruch als Entertainer. Und dann fand er auf dem Eis den Weg zurück zum Sport.

Die Zahl der Internet-Zugriffe auf sein Golden Goal wird er wohl selbst mit einem Siegeslauf in Sotschi nicht übertreffen. Trotzdem kann der Eiskunstläufer seine Erfolge als Kicker noch übertreffen. Denn unvergessliche Fußballer haben die Türken genug, einen unvergesslichen Eiskunstläufer haben sie nicht.

von Ali Cem Deniz

 

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Kommentare

 

also das wäre ja echt was....erst Fussball und dann Eiskunstlauf :).....fast dasselbe oder? Aber wenn ich eine junge Eiskunstläuferin als Freundin hätte, würde ich um Zeit mir ihr verbringen zu können vermutlich auch trainieren, sonst sieht man sich ja grar nicht bei dem Trainingspensum von den EisläuferInnen...und knackig sind die auch die Eiskünstlerinnen, aber dei Fussballer auch...an man kann auf jeden Fall gespannt sein, was beo Olympia passiert, so doer so ich finds mutig und Hut ab vor  dem Trainingswillen !!!!

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