Gastkommentar: "Die Elke hilft allen."

28. September 2021

Wahlkampf ist, wenn alle Parteien sagen wie sehr sie nicht für alle und für die jeweilige Stadt/das jeweilige Land da sind. Auch die KPÖ Graz hat ihr Wahlprogramm „Wir alle sind Graz“ genannt. Der Unterschied? Bei der KPÖ stimmt es wirklich.

Wir könnten lange über vieles im Programm, ja, auch über den Namen der Partei diskutieren. Aber es würde kaum helfen, den Erfolg der KPÖ und von Elke Kahr zu verstehen. Wir würden genauso wie diverse Analysten und Wissenschaftler*innen über die Bürgerkinder, die aus Rebellion gegen die eigenen Eltern die KPÖ wählen, oder darüber, dass es angeblich die Besserverdiener und Akademiker*innen seien, die die KPÖ wählen.

Es stimmt, bei den Gemeinderatswahlen 2021 bekam die Partei selbst in gutbürgerlichen Vierteln teilweise über 20%. In den Sprengeln, die den Grießplatz und seine Umgebung umfassen (Stadtviertel mit besonders hoher MigrantInnen- und Arbeiterinnenquote), kam die KPÖ überall auf mindestens 45%, in den meisten sogar über 47%. Wie kommt dieser Erfolg zustande?

Ein kurzer Spaziergang durch das Parteihauptquartier, das Volkshaus, an jedem beliebigen Tag liefert eine der Antworten.

Ein buntes Treiben, von irgendwo kommt klassische Musik, von anderswo Jazz, eine afrikanische Theatergruppe probt und dazwischen macht die Bezirksleitung ihre Arbeit. Elke Kahr hält ihre Sozialsprechstunden ab, wo sie nicht einfach Geld verteilt, wie die anderen Parteien behaupten. Sie hört den Menschen zu, versucht zu vermitteln, Probleme zu lösen, den Menschen Mut zu geben und wo nötig, gibt sie aus ihrer eigenen Kasse etwas Geld. Irgendwo spaziert der Volkshauskater Lenny herum, von all dem Treiben scheinbar unberührt.

Niemand wird danach bewertet wo er herkommt oder wie viel Geld er hat. Niemand ist bei der Partei um reich zu sein. Bei der Feier am Wahlabend waren Professor*innen und Doktor*innen genauso anwesend wie Reinigungskräfte, Bauarbeiter und Asylsuchende. Es wurden in vielen Sprachen gesprochen und gesungen. Dresscode gab es keinen.

Und ja, das ist wirksam gegen Rassismus. Eine Geschichte vom Flyern im Wahlkampf zeigt das. Zwei pensionierten Arbeitern wurden KPÖ-Flyer gegeben. Der eine war sofort begeistert und meinte: „Ja, die wähl ich, die sind super!“ Der andere widersprach: „Die Politiker sind ja alle gleich und überhaupt hilft die Kahr den Ausländern viel zu viel.“ Woraufhin der erste wiederum meinte: „Nein, die sind anders. Und die Elke Kahr hilft allen!“

Unabhängig davon ob sie überhaupt wählen durften oder der KPÖ ihre Stimme gegeben haben, gehen die Arbeiter*innen und Migrant*innen in Graz heute ein Stück aufrechter als gestern.

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Ipek Yüksek Foto: privat

Ipek Yüksek, 22, ist Aktivistin und Journalistin bei "Radio Helsinki - Freies Radio Graz"

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