Gewalt gegen Frauen kommt nicht in die Tüte. Heinisch-Hosek im Live-Chat

25. November 2011

Heute starten die 16 Tage gegen Gewalt an Frauen. Wie ich finde ein äußerst wichtiges Thema! Denn wenn es um häusliche Gewalt geht, ist Österreich europaweit im Spitzenfeld. Jede fünfte Frau erlebte ein Mal in ihrem Leben in einer Beziehung Gewalt. Letztes Jahr wurden 15.000 Fälle gemeldet, das ist drei Mal so viel, wie im Jahr 2001 - eine erschreckende Entwicklung.

Um dem entgegenzuwirken, laufen jetzt in Österreich 16 Tage lang Aufklärungskampagnen, Diskussionrunden, Filmvorführungen und Vorträge  rund um das Thema "Gewalt an Frauen".

Den Reigen eröffnete heute die Ober-Frau der Frauen: Ministerin Heinisch-Hosek mit einem Live-Chat. Einer "Sprechstunde der anderen Art", wie sie das nennt. Die Ministerin beantwortete eine Stunde lang persönlich alle Fragen der Bürgerinnen rund um das Thema häusliche Gewalt - ganz ohne Souffleusen und vorgefertigte Antworten ihres Teams. Betroffene wie Interessierte meldeten sich  bei ein, zwei Fragen war auch die Stimme von biber-Leserinnen herauszuhören, glaube ich zumindest ...

 

 

Hier jedenfalls ein paar Fragen und Antworten, für alle, die nicht dabei waren.

 

Ich weiß von einem Bekannten, der nicht davon zurückschreckt, Gewalt anzuwenden. Bevor es wirklich zu einem Problem wird, gibt’s nicht schon präventive Maßnahmen für ihn? Zuzuwarten, bis etwas passiert, kann ja nicht unser Ziel sein.

Gabriele Heinisch-Hosek: Sie könnten diesem Bekannten eine Männerberatungsstelle empfehlen, damit er sich rechtzeitig mit seiner Gewaltbereitschaft auseinandersetzen kann. www.maenner.at (Männerberatung Wien)

 

Meine frage wäre, warum auf gewalt gegen frauen und kinder keine höheren strafen verhängt werden. Es kann nicht sein, dass hab und gut mehr geschützt ist, wie leib und leben. wann werden endlich alle punkte der un-kinderrechtskonvention in unsere verfassung geschrieben?

Die Unterschiede zwischen dem Strafausmaß für Eigentumsdelikte und Delikten gegen Leib und Leben war und ist immer wieder Thema zwischen mir und der (auch vorigen) Justizministerin. Meiner Ansicht nach sind die Punkte der UN-Kinderrechtskonvention, die in der Österreichischen Verfassung verankert wurden, ausreichend.

 

Je mehr Frauen über ihre Möglichkeiten und Rechte aufgeklärt werden, umso mehr werden Frauenhäuser, die Notrufnummer, etc. besser angenommen. Wie finanziert sich das alles? Läuft das über das Frauenministerium?

Ich unterstütze 110 Frauenberatungseinrichtungen und 46 Frauenservicesstellen, weiters erhalten die Gewaltschutzzentren in den Bundesländern je zur Hälfte Unterstützung von meinem Ministerium und dem Innenministerium. Die Frauenhäuser werden von mir mit einem kleinen Beitrag unterstützt, die Hauptfinanzierung ist Ländersache. Zur Gänze von mir finanziert wird die Frauenhelpline gegen Männergewalt 0800 222 555 und die Onlineberatung von Frauen beraten Frauen: www.frauenberatenfrauen.at

 

 

Statistiken zeigen, dass 1 von 5 Frauen von Gewalt betroffen ist - gibt es vielleicht auch eine Einschätzung wieviele Frauen mit Behinderung(en) davon betroffen sind? Ich könnte mir vorstellen, dass sie es noch schwerer haben, Gewalttaten zur Anzeige zu bringen. Überhaupt kommt es mir so vor, als ob das Thema ein Tabuthema wäre!

Gewalt gegen behinderte Frauen ist oft unsichtbar, da diese Frauen es in vielen Dingen viel schwerer haben. Ich unterstütze seit Jahren den Verein NinLil, der eine Anlaufstelle für Frauen mit Lernschwierigkeiten und Mehrfachbehinderungen ist.

 

Sehr geehrte Frau Ministerin, gerade weil das Magazin Das Biber heute auch dabei ist: gibt es Erfahrungswerte, ob besonders Migrantinnen von Gewalt im persönlichen Umfeld betroffen sind?

In einer von mir beauftragten Studie zu Morden in Beziehungen geht deutlich hervor, dass die Gefährdungslage für Frauen mit Migrationshintergrund in binationalen Ehen sehr hoch ist. Z.B. Österreichischer Mann heiratet Ukrainerin. Gewalt in Familien, in denen beide Migrationshintergrund haben, kommt sicher genauso häufig vor, nur diese Frauen brauchen noch mehr Unterstützung, um den Weg in Beratungseinrichtungen zu finden.

 

S.g. Frau Ministerin, ich kenne die Zahlen nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass es in der Stadt mehr Anzeigen gegen häusliche Gewalt gibt, weil hier Frauen auf ein "besseres" Netz zurückgreifen können, als am Land. Haben Sie hier vielleicht Vergleichswerte? Vielen Dank!

Die SPÖ Frauen erheben jährlich Wegweisungen und Betretungsverbote für jeden Bezirk - übermitteln Sie uns bitte ihre E-Mail-Adresse an frauen@spoe.at, dann können wir Ihnen diese Übersicht zur Verfügung stellen. Wahrscheinlich gibt es ein Stadt-Land-Gefälle, die Zahlen deuten das an.

 

Um Gewalt gegen Frauen nachhaltig zu bekämpfen, braucht es ja ganz besonders Präventionsarbeit und Sensibilisierung von jungen Frauen aber auch Männern. Stehen da in naher Zukunft Projekte an? Wie arbeitest du mit Organisationen von Männern (zB White Ribbon), die gegen Männergewalt an Frauen kämpfen, zusammen?

Meine aktuelle Kampagne findet in Kooperation mit Zielpunkt statt. In 301 Filialen stehen Papiersackerl mit Slogan und Telefonnummer (Gewalt kommt mir nicht in die Tüte. 0800 222 555 ) zum Verkauf. Selbstverständlich bin ich mit Männerforschern, Mitarbeitern von White Ribbon in Kontakt, um deren Expertise in meine Arbeit einfließen zu lassen. Bundeskanzler Werner Faymann, Romeo Bissuti von White Ribbon und ich haben erst dieser Tage eine Fotoaktion zum Thema Männer gegen Männergewalt durchgeführt.

 

 

Man hört immer wieder, dass Polizisten (männlich!) bei einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt die Frau nicht ernst nehmen. Die Frau wird als hysterisch bezeichnet, die wieder einmal ausgezuckt ist. Die Polizei geht, ohne wirklich hingeschaut zu haben. Welche Schulungsmaßnahmen und Methoden der Sensibilisierung gibt’s eigentlich da für die Polizei? Werden Frauen und Männer bei der Polizei unterschiedlich geschult?

Die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Gewaltschutzeinrichtungen funktioniert in der Zwischenzeit bestens. Wann immer ich eine Polizeidienststelle in meiner Funktion als Ministerin für den öffentlichen Dienst besuche, besprechen wir das Thema Gewalt gegen Frauen. Die Polizei ist sensibilisiert, die Schulung ist für alle gleich. Mehr Schulungsangebote und Sensibilisierung ist meiner Meinung nach für die Justiz angebracht.

 

Es gibt das Mittel der Wegweisung und das Betretungsverbot - wie sieht es aber rechtlich aus, wenn eine Frau den Mann dann doch wieder in die Wohnung lässt?

Wenn während der Zeit des Betretungsverbotes eine Einigung zwischen beiden stattfindet, kann dagegen rechtlich meines Wissens nach nicht vorgegangen werden. Nachtrag zu Frage: Auch wenn die bedrohten Personen den Gewalttäter freiwillig in ihre Wohnung lassen, macht dieser sich strafbar.

 

 

Liebe Frau Ministerin Mädchen werden deutlich häufiger Opfer von Gewalt in Teenagerbeziehungen als Burschen. Mädchen erleben körperliche Gewalt, die sie erkennen und benennen können, aber auch andere Formen von Gewalt wie Beschimpfungen, ständige Kontrolle übers Handy, öffentliche Bloßstellung im Internet, sexuelle Nötigung usw., die sie nicht als „Gewalterfahrung“ einstufen können und daher als gegeben erachten und erdulden. Wäre eine Aufklärungskampagne für jugendliche Mädchen zu diesem Thema für Sie denkbar? Wenn ja, in welchem Rahmen könnte sie stattfinden und wie könnten möglichst viele Mädchen sensibilisiert werden?

Ich denke dieses Thema ist in den Schulen und in Berufsschulen gut aufgehoben. Ich weiß, dass die Unterrichtsministerin hier schon eine Kampagne laufen hat ("Die weiße Feder" - Antigewalttraining unter Peer Groups). Ich werde ein Update-Gespräch diesbezüglich mit ihr führen.

 

Wieso eigentlich grade 16 Tage gegen Gewalt?

Der 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, das ist ein Gedenktag für 3 ermordete Aktivistinnen aus der Dominikanischen Republik. Seit 1991 gibt es diese Kampagne, die bis zum Internationalen Tag für Menschenrechte am 10. Dezember läuft. Österreich macht seit 1992 mit.

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare

 

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