Interview mit Marcos Nader

02. März 2016

Babyface Nader gegen Badboy Knežević. Der geplante Showdown im Boxring spaltet die Balkan-Community. Nader sieht die Sache locker und führt uns durch sein Boxstudio in Ottakring.

 

von Amar Rajkovic
 

Sie werden keine Freunde mehr in diesem Leben. Marcos Nader und Gogi „Lionheart“ Knežević könnten kaum unterschiedlicher sein. Der Eine wurde in eine Boxfamilie hineingeboren, wuchs auf der Sonneninsel Ibiza auf und hat schon für das Leben nach der Karriere im Ring gesorgt. Eigene Fischzucht, Boxstudio – könnte schlimmer laufen für den 25-jährigen Nader, der obendrein mit der ehemaligen Miss Vienna, Sandra Soknić, verheiratet ist. Glamour-Leben wie aus einem Kardashian-Spin-Off. Wenn Nader der Internatsschüler ist, dann ist Gogi der Hauptschüler, der ihm die Jause wegnimmt oder ihn zum Diebstahl von PS4-Spielen beim Saturn überredet. Knežević zockte Basketball in Wiens Käfigen, bevor er in den Ring stieg. Er inszeniert sich als den Jungen, der von ganz unten kam und mittlerweile mit seinem Porsche zu Interviewterminen vorfährt. Straight outta Alsergrund, wo Knezevic ein Boxstudio eröffnet hat. Das ist aber auch die einzige Gemeinsamkeit, die die beiden Boxer verbindet  - perfekte Voraussetzung für einen Showdown!

Zurück in Ottakring, führt uns Nader durch die verwinkelten Gänge des „Bounce.“ Ob das Blut auf dem Ringboden ist, wollen wir wissen. Nader lächelt.

 

Marcus Nader
Foto: Susanne Einzenberger

 

biber: Marcos, Gogi Knežević meinte kürzlich in einem Interview, du hättest keine Eier, stimmt das?

Marcos Nader: Ich hab sie heute am Klo noch gesehen (lacht).

Wir befinden uns im „Bounce“, ein Boxstudio mitten in Ottakring. Bei unserem ersten Interview 2009 sagtest du - angesprochen auf deine Karrierepläne - „im schlimmsten Fall werde ich Fitnesstrainer.“ Ist dieser Worst-Case eingetreten?

Meine Pläne haben sich geändert. Ich bin nicht nur Leistungssportler, sondern auch Unternehmer. Ich betreibe nebenbei eine Süßwasser-Fischzucht. Wir verkaufen dabei biologisch gezüchtete Lachse, Forellen, Saiblinge an Restaurants und Händler. Ich kann mich nicht über Langeweile beschweren. Der Boss des Studios ist mein Bruder. Da ich aber von Anfang an involviert war, kann ich mich schwer raushalten.

Also rein unternehmerisch kein Boxen mehr?

Doch. Ich gebe noch immer Boxstunden, da auch viele Boxinteressierte extra meinetwegen zu uns kommen. Ich kann nicht im Sessel sitzen und faul sein.

Wir haben uns lange nicht gesehen, boxt du noch?

Ich habe seit Nov. 2014 keinen Kampf mehr gemacht. Der Grund ist die Knochenabsplitterung im Ellbogengelenk, die ich mir während eines Kampfes zuzog. Wenn gute Angebote kommen, komme ich gerne aus dem vorübergehenden Boxruhestand zurück.

Wirst du gegen Gogi Knežević dieses Jahr antreten?

Wenn alles passt, wieso nicht? Ob es sportlich wirklich ein Reiz für mich ist, das bezweifle ich, aber viele Menschen wollen den Kampf sehen. Die will ich nicht enttäuschen.

Knežević war genauso Weltmeister wie du.

Es gibt vier große Boxverbände weltweit. Gogi gehört keinem an. Wenn du, ich und deine Kollegin (zeigt auf die anwesende Fotografin) Lust haben, einen Boxverband zu gründen, können wir das problemlos tun. Dann nennen wir unseren Titel „Weltmeistertitel“ und schon kann es los gehen. Gogi war 150-200 Plätze hinter mir in der Weltrangliste platziert. Wäre er offizieller Weltmeister, würde ihn nicht nur die Balkan-Community kennen.

Marcus Nader
Susanne Einzenberger

Dieses branchenübliche Pfeileschießen im Vorfeld des Kampfes ist doch nur Show, versteht ihr euch persönlich?

Ich möchte mit Knežević nicht Kirschen essen gehen. Ich werde auch hier nicht behaupten, er habe keine Eier, aber nach unserem Kampf wird er sich wohl neue suchen müssen.

Knežević behauptet, dir wurde – auch aufgrund der Funktion deines Vaters – alles auf dem roten Tablett präsentiert, während er die harte Schule der Straße durchgehen musste und sogar kurz im Gefängnis war. Stimmt das?

Knežević hat das alles medial aufgebauscht. Ich bin angeblich der liebe Kerl, er der „Bad Boy“. Wie er meint, die Antwort gibt es im Ring.

Und die Kritik an deinem Vater?
Die ist absolut unberechtigt. Mein Vater ist heute Präsident des Österreichischen Boxverbandes. Als ich damals als Amateur boxte, war das nicht der Fall. Mein Glück war es – da muss ich Knežević recht geben – dass mein Vater viel in meine Boxkarriere investiert hat und mir die Reisen zu Turnieren ermöglicht hat.

Knežević ließ sich sowohl von HC Strache als auch später von der SPÖ sponsern. Bist du ein politischer Mensch?

Ich bin ein politisch interessierter Mensch, habe viele Freunde, die in der Politik sind. Ich bräuchte nur den Finger rühren und sie würden mich sofort unterstützen. Wen ich persönlich wähle ist mein Geheimnis, das weiß nicht mal meine Frau. Und das soll auch so bleiben.

Wenn wir schon bei deiner Frau sind. Beschützt du sie?

Wenn es hart auf hart kommt, ja. Aber wir leben nicht im Wilden Westen. Meine Frau ist  stark und wiff genug, um sich selber verbal zu wehren.

Du hast also nie Gewalt angewendet?

Gewalt ist immer das allerletzte Mittel und eines möchte ich noch einmal betonen: Wien ist nicht die Bronx. Die Realität ist nicht so, wie sie uns medial dargestellt wird. Nicht jeder, der dunkle Haare hat, quatscht Frauen auf der Straße an.

Du sprichst die Ereignisse in Köln und deren mediale Verarbeitung an. Gibt es eine steigende Anzahl an Anmeldungen in deinem Boxklub seit den Zwischenfällen zu Silvester?

Ich habe keinen sprunghaften Anstieg erkennen können. Jeder Mensch trägt Aggressionen in sich. Das Boxen kann helfen, diese negative Energie aus dem Körper zu verbannen. Das hat nichts mit Flüchtlingen zu tun.

Wie weiblich ist dein Boxklub?

Von den knapp 850 Mitgliedern sind ca. 200 Damen, also rund ein Viertel. Sie werden von einer ehemaligen Weltmeisterin aus Ungarn trainiert. Da können die Damen alles raus lassen, ohne auf die Reaktionen der Männer Rücksicht nehmen zu müssen.

David Alaba trainiert in deinem Club. Kennst du ihn persönlich?

David trainiert seit Jahren in meinem Boxklub. In der Sommer- und Winterpause arbeitet er hier an seiner Ausdauer. Dadurch hebt er sich von den anderen ab, weil er nicht auf der faulen Haut liegt, sondern neben Fußball auch Boxen mehrere Male in der Woche trainiert.

Beim Fußball ist sein linker Fuß besser, wie ist es beim Boxen?

Beim Boxen ist seine rechte Faust richtig hart.

Wie gehst du mit Niederlagen und Rückschlägen im Leben um?

Niederlagen kommen, ob man will oder nicht. Wichtig ist es, immer wieder aufzustehen. Egal, was die anderen Leute sagen.

Braucht man Niederlagen, um besser zu werden?

Niederlagen sind nie förderlich. Mir bringt ein Sieg, bei dem ich nicht 100% gezeigt habe, mehr als eine knappe Niederlage, in der ich mit meiner Leistung zufrieden bin.

Mit der Olympiaquali für Rio hat es nicht geklappt. Fliegst du trotzdem hin?

Wir haben drei Jungs aus unserem Studio, die noch die Chance haben, sich für das olympische Boxturnier im Sommer zu qualifizieren. Ich hoffe, einer von ihnen schafft es, dann sehe ich mir die Wettkämpfe in Rio aus einer ungewohnten Perspektive an.

 

Wer ist er

Name: Marcos Nader

Alter: 25

Beruf: Boxer, Unternehmer, Fischzüchter

Besonderes: Nader ist mit der ehemaligen Miss Vienna Sandra Soknic verheiratet.

 

 

 

 

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