Gutes Benehmen in der Salatgurkenabteilung

24. Oktober 2007

Man stelle sich vor (Frauen auch): Eine Frau Mitte 70 und eine andere Mitte 50 in der Gemüseabteilung bei einem Hofer in Wien - welcher ist egal, die schauen ja eh alle gleich aus. Die eine meine burgenländischkroatische Oma, die andere ihre burgenländischkroatische Tochter. Die Oma ist weder eine Kopftuch tragende Landpomeranze noch Frau von Welt, also normale Durchschnittsoma; hat doch fast jeder. Das sind die, die den Kuchen backen und sich freuen, wenn man aufisst, auch wenn man schon 27 ist. Meine Mutter: die 20 Jahre jüngere Variante dieser Frau, nur man muss nicht aufessen. Sie wurde aber schon in Wien Erdberg sozialisiert, was bedeutet, sie ist immer auf Wiener Granteleien gefasst.

Und das wird sich an diesem Tag noch auszahlen. Die beiden sind vertieft, vergleichen die Bio Karotten mit den normalen, können sich nicht zwischen Himbeeren und Brombeeren entscheiden. Blablabla, so geht es dahin. Meine Mutter hat ein recht kräftiges Organ; ich bin mir sicher, man hat sie mindestens bis zu den Salatgurken gehört. Aber verstanden nicht, denn gequatscht wurde auf Kroatisch. Eigentlich eh normal für eine Weltstadt, die Wien immer sein will.

Mitten in der Entscheidungsfindung hört die Mutter, wie eine Frau hinter ihr zu jemandem sagt: „Die sollte lieber einen Deutschkurs machen“. Ja, das kommt vom Lesen kleiner Formate, voreingenommen sein und jeden Scheiß nachplappern. Da kann man sich gewaltig schneiden. In diesem Moment erwacht die Furie in meiner Mutter, sie setzt auf Wienerisch zum Selbstverteidigungsschlag an: „Und sie sollten eine Kurs in gutem Benehmen machen. Ich empfehle Ihnen den Elmayer!“ Das hat gesessen. Und ich bin mir sicher, das hat man sogar noch bei der Kassa gehört. Noch bevor man sich für die Him- oder Brombeeren entscheiden konnte, war die Frau verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt. Vielleicht sitzt sie ja jetzt beim Elmayer und lernt die Grundregeln der Höflichkeit.

Kommentare

 

hahahaha...respekt an die frau mama!!!

vor allem hat sich die salatgurken-frau im richtigen gschäft eing'fundn, um zu motzen. herst, hofer is bekannt! für welche zielgruppe a ? :))

 

Schade, dass es zu solchen Vorfällen überhaupt wegen der fremden Sprache kommt, aber an dieser Stelle ein Lob an die zwei schlagfertigen Damen, sehr gut gekontert!

 

hab schon lange den verdacht das eine fremde sprache bei einigen unbehagen, minderwertigkeitsgefühl (verstehen ja nichts) und angstzustände auslösen kann (voll die niederlage). aber sehr gut reagiert, viel zu selten das uns die richtigen sätze zur richtigen zeit einfallen. respekt, respekt

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